Seit zwei Tagen tobt eine erbitterte Schlacht um Wien. Auf der einen Seite wild tobende Osmanen, die ihre Vorherrschaft zeigen wollen – auf der anderen Seite stolze Wiener, die ihre Stadt gegen die fremden Eroberer beschützen? Nein, wir befinden uns nicht im Jahr 1683, sondern im Frühsommer 2020.

Ein Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Der Schauplatz ist nicht der Kahlenberg, sondern der Multikulti-Bezirk Favoriten. Aber wenn man der Erzählung der Sympathisanten des vor 30 Jahren besetzten linksradikalen Ernst-Kirchweger-Haus folgt, ist’s wieder einmal Sobieski gegen den Sultan. Ein Narrativ, das denselben Kreisen noch ganz böse faschistisch erschien, als patriotische Demonstranten es im Vorjahr bei einem friedlichen Fackelmarsch bedienten.

Linke ernten die Saat ihrer eigenen Politik

Was geschehen war? Nach Zusammenstößen zwischen türkisch-nationalistischen „Grauen Wölfen“ und einer Phalanx von linksextremen Kurdengruppen und heimischen Antifa-Aktivisten sahen sich letztere nach einer Tracht Prügel in der Opferrolle. Also taten sie das, was sie am besten konnten, und demonstrierten gegen den „Faschismus“. Es kam, wie es kommen musste, und die Szenen wiederholten sich – nur diesmal etwas näher an der heiligen Kuh, nämlich am eigenen ‚Safe Space‘ in der Wielandgasse.

Plötzlich bekommen linksdrehende Weltverbesserer die Folgen ihrer eigenen Politik zu spüren und werden zwischen den unterschiedlichen Fronten der „Partyszene“ zerrieben. Alles Gruppen, die in Wien weitgehend Narrenfreiheit haben. Das Umfeld der „Grauen Wölfe“ ist ein bekanntes SPÖ-Wählerreservoir. Und die linkssolidarische Einheitsfront aus Kurden-Linksextremisten und Antifa bewegt sich im engen Vorfeld der Grünen. So eng, dass die grüne Vizebürgermeisterin Hebein selbst einst einer ehemaligen EKH-Truppe angehörte.

„Erdogan, hol deine Türken ham“ – diesmal von links

Bei der Einordnung geraten also einige Narrative durcheinander. Die Palette der Ausweich-Versuche ist breit. Die grüne Ex-Abgeordnete und Kurden-Aktivistin Aygül Berîvan Aslan gab via Twitter sogar der FPÖ die Schuld an der Entwicklung. Dort forderte sie die Einbestellung des türkischen Botschafters. Linke Aktivisten wollen plötzlich sogar die Abschiebung dieser Elemente. Also eine Forderung, für die man Efgani Dönmez noch mit nassen Fetzen aus dem linken Konsens jagte und die Identitären einen ganzen Monat lang wegen Verhetzung und den Mafiaparagraphen erfolglos vor Gericht stellte.

Von links her ist „Erdogan, hol deine Türken ham“, aber urpötzlich legitim. Aber vielleicht dämmert es manchen, dass man auf dieser Schiene nicht weiterkommt. Denn plötzlich kommt die Umdeutung in ein generelles „Rechts gegen Links“ Narrativ. Ein ORF-Bericht verteilt dabei seine Sympathien so offensichtlich, dass er genausogut auf einschlägigen Antifa-Szene-Plattformen wie „Indymedia“ stehen könnte. Und auch eine Moderatorin von Puls4, dem Sender, der kürzlich noch die Antifa verharmloste, springt auf diesen Zug auf.

Linke wollen politisches Kleingeld machen

Am Ende ist also die linke Welt wieder ganz in Ordnung, denn jetzt können SPÖ-Politiker ganz problemlos wieder Parolen wie „kein Fußbreit dem Faschismus“ in den Äther blasen. Und gegen das von manchen erhofften „3:0 für Österreich“ könnte schon bald der grüne Tisch einen Einspruch tätigen.

Noch ist es nicht so weit, aber: Wäre doch gelacht, wenn man aus der doppelten Niederlage der eigenen Weltsicht nicht irgendwie politisches Kleingeld herausschlagen kann. Die Forderungen für mehr Mittel und Maßnahmen im ominösen „Kampf gegen Rechts“ werden so sicher kommen wie das Amen im Gebet.

Ruf nach dem F(r)eind und Helfer

Obwohl, ganz in Ordnung ist die Welt für die Linken noch nicht: Ein Kontrollverlust nagt nämlich schon am Selbstbewusstein. Also ruft man in seiner Not nach der Polizei, die man sonst als rassistisch, brutal und sowieso proto-faschistisch wähnt. Und die soll dann auch nicht wie bei linksextremen Plünderungen deeskalierend wirken. Sondern sie sollen mit der vollen Härte einschreiten und die bösen Türken-Faschisten am besten mit Knüppeln an den Bosporus zurückprügeln. Hauptsache keine Party vor der eigenen Haustüre.

Eine kleine Bestätigung für das patriotische Lager

Inzwischen merkt so manche Antifa-Aktivistin, die jeden Abend vor dem Einschlafen die „leise, naive Hoffnung, dass die Welt über Nacht aus den Fugen gerät“ hegt, dass man aufpassen soll, was man sich wünscht. Denn die Erfüllung der eigenen Chaosträume kommt manchmal brutaler und näher, als man es sich vorstellen kann.

Für das patriotische Österreich ist es – egal, wie sehr die Linken noch an der Deutungsschraube drehen – aber eine Bestätigung. Uns führen die Szenen vor Augen, dass unsere Kritik an ungehemmter Multi-Kulti-Utopie und unsere Forderungen nach klarer Kante gegen den linken Narrensaum ihre Berechtigung und Notwendigkeit haben.