Die Reichen werden Reicher, während die kleinen Unternehmer ums Überleben kämpfen: So könnte man die Neuigkeit zusammenfassen, dass Amazon-Chef Jeff Bezos bald Billionär sein könnte. 

Die scharfen Corona-Maßnahmen brachten weite Teile der Wirtschaft zwangsweise zum Erliegen – konsumiert wurde dennoch. Was man zuvor im regionalen Einzelhandel kaufte, bestellte man sich aus dem Internet und schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Man traf keine potenziellen Infizierten – und der Konsument konnte Waren erstehen, die wegen Einschränkung seitens der Politik nicht gekauft werden konnte.

40 Prozent Umsatzplus – Bezos bald Billionär?

Am meisten profitierte davon der Amazon-Konzern des ohnehin bereits reichsten Mannes der Welt: Jeff Bezos. Im zweiten Quartal – als die meisten Lockdown-Nachwirkungen griffen – kletterte der Umsatz laut oe24.at um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar. Der Reingewinn war in diesem Zeitraum fast 5,2 Milliarden Dollar – beinahe doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Bereits im Mai spekulierte daher eine Studie, ob Bezos damit bis 2026 der erste Billionär der Welt sein könnte, derzeit liegt sein Vermögen noch bei 200 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu ist jenes seines nächsten Konkurrenten, Bill Gates, mit etwas mehr als 100 Milliarden Dollar, mickrig – der sich vehement für eine weltweite Corona-Impfung aktiv einsetzende Software-Mogul ist übrigens unter den zehn größten Verlierern in absoluten Zahlen.

Billiglohn-Vorwurf hält sich seit Jahren hartnäckig

Der steigende Reichtum von Bezos begann in den Neunzigern mit der Idee eines digitalen Buchhandels – mittlerweile reicht die Produktpalette allerdings auch bis zu Dingen des alltäglichen Bedarfs. Während Bezos dabei von Rekord-Umsatz zu Rekord-Umsatz eilt, geht es seinen Mitarbeitern oft weniger rosig. Schon seit zehn Jahren steht der Versand-Riese Amazon regelmäßig in der Kritik, wegen des Vorwurfs, schlechte Löhne zu zahlen.

Eine schiefe Optik ergab sich in der Vergangenheit zudem, als Indizien auftauchten, wonach der Konzern über Jahre hinweg seine europäischen Gewinne nicht vollständig versteuert hätte – das obendrein im als Steuer-Oase bekannten Luxemburg. Zudem lagerte man seine Logistik teilweise in osteuropäische Länder wie Polen aus, wo die real zu bezahlenden Löhne noch niedriger sind als bereits im Niedriglohnsektor hierzulande.

Asylanten, Leiharbeit, Scheinselbständige – und Corona

Wie gefährlich dieses Spiel just in Pandemie-Zeiten sein kann, stellte sich Ende Mai heraus. Im niederösterreichischen Verteilerzentrum in Großebersdorf (Pol. Bezirk Mistelbach) entstand ein Corona-Cluster unter den Mitarbeitern. Alle Betroffenen waren damals in Wien gemeldet. Zu einer ähnlichen Zeit sorgte ein Corona-Cluster bei der Post – worüber viele Amazon-Pakete laufen – für Aufregung, weil dort schwarzafrikanische Asylwerber das Virus in eine Post-Verteilstelle brachten – Wochenblick berichtete.

Auch bei Amazon ist die Ausbeutung dieser Bevölkerungsgruppe keinesfalls Neuland. Im Februar 2020 stellte sich bei einer Razzia im Verteilzentrum des Konzerns in Wien heraus, dass zahlreiche Asylwerber als scheinselbständige Ein-Personen-Unternehmen die Pakete bei Subfirmen ausliefern mussten. Auch beim Zentrum in Großebersdorf gab es bereits im Vorjahr ähnliche Vorwürfe – die Gewerkschaft GPA-djp sprach von bis zu 95 Prozent Leiharbeiteranteil unter dort arbeitenden Personen.