Alles freiwillig, so das Mantra von Sebastian Kurz und der Bundesregierung. Was schon bei den Massentests zumindest für Lehrer und einige körpernahe Dienstleister nachträglich zur Pflicht wird, könnte auch bei der Impfung blühen. Deren Zulassung steht wenige Tage bevor und erste türkise Landeshauptleute werben bereits für einen Zwang. Einzig: Beim Volk will sich dafür nicht so recht die Begeisterung einstellen.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Neunzig Prozent gegen eine Pflicht, nur ein Sechstel, das sich sicher impfen lassen will: Schon Anfang Oktober schaute es nicht besonders gut aus. Man müsste schon politisches Harakiri wagen, wenn man alle Hoffnungen darauf setzt. Das hielt die Türkis-Grünen aber nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen. Einen Lockdown und Stunden an Propaganda im Fernsehen später würde man meinen, endlich hat man die Bürger so weit. Aber nein, wieder daneben.

Werbung macht Österreichern keine Pflicht schmackhaft

Die Impfung soll – ungeachtet aller Nebenwirkungen in anderen Ländern – wohl bereits am 27. Dezember zugelassen werden. Und inzwischen trommeln schon Prominente und Politiker dafür, es heißt, dass die Rückkehr zur Normalität nur mit der Impfung möglich sei. Und trotzdem kann sich (fast) niemand dafür begeistern: Immer noch kann sich weniger als die Hälfte der Österreicher diese vorstellen.

Noch deutlicher bleibt die Ablehnung bei der Überlegung zu einer Impfpflicht. Nicht einmal jeder Vierte hält diese nach einer oe24-Umfrage vorstellen, auch nach Dauerwerbung für die Nadel in allen Kanälen. Dasselbe gilt für mögliche Pläne, diese für Berufsgruppen wie Lehrer einzuführen – sogar beim Kurz-Jubelblatt namens „Kronen Zeitung“ sind weit mehr als zwei Drittel der Teilnehmer einer Facebook-Umfrage strikt dagegen.

Soll Impfung den „Dauerlockdown“ verhindern?

Man muss es daher für kühn halten, dass die Regierung ein trotz aller Horrorgeschichten nicht besonders impfwilliges Volk umgarnen will. Also versucht man es einfach einmal mit neuen einschneidenden Maßnahmen. Nicht einmal drei Wochen nach der Aufhebung des zweiten harten Lockdowns soll der Dritte kommen, mitten in den Weihnachtsferien. Was genau – außer Milliarden-Einbußen für unsere geschundene Wirtschaft – das bringen soll, das mögen die Götter wissen.

Böse Zungen könnten dahinter eine Zermürbungstaktik sehen. Immerhin brachte Kurz erst vor Kurzem das Schreckgespenst eines „Dauerlockdowns“ ins Spiel. Das einzige, was dagegen helfen sollte, seien seine Massentests. Nachdem dort nicht einmal ein Drittel der Bürger hinging und keine 0,5 Prozent positiv getestet wurden, könnte trotzdem eine neue Totalsperre kommen. Wohl nicht etwa, um als nächstes eine Massenimpfung als einzige Variante für die Verhinderung eines „Dauerlockdowns“ zu präsentieren?

Zwang kommt wohl über absurde Nachtteile

Noch setzt man reihum auf das Mantra der „Freiwilligkeit“. Wie schnell dies umschlagen kann zeigen allerdings die Tabubrüche roter und schwarzer Politiker in Oberösterreich. ÖVP-Gesundheitslandesrätin Haberlander will den Ausschluss von einigen Aktivitäten als Anreiz für die nächste Massentest-Schiene. Der Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger möchte Test-Verweigerer überhaupt gleich in den Hausarrest schicken. Im Gespräch ist sogar, dass man sich fürs Einkaufen freitesten wird müssen.

„Bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt“ – bislang hielten die meisten Bürger dies nur für einen berühmten Vers in einem Gedicht aus ihrer Schulzeit. Die machttrunkenen Politiker belehren uns in der Corona-Krise allerdings eines Besseren: Zwang ist für sie plötzlich sexy geworden. Und da kann Kurz noch so beschwichtigen – zumindest über die Hintertür will man den Österreichern mit Sicherheit auch die Impfung aufzwingen. Und sei es, indem man ihnen auch den Einkauf ohne Impfung dann verbietet.