Heute starten auch in Oberösterreich die Corona-Tests für die Schülerinnen und Schüler. Diese Tests stand von Anfang an unter massiver Kritik. Während zum Jahresende Bildungsminister Faßmann noch versicherte, dass die Tests für Volksschüler freiwillig seien, sind sie nun Pflicht: Wer keinen Test macht, darf nicht am Unterricht in der Schule teilnehmen. Dietmar Heuritsch berichtet vom Schulstart in einer Mühlviertler Gemeinde.

Gastkommentar von Dietmar Heuritsch

St. Veit im Mühlkreis am 15. Februar im Coronajahr 2021. 7.20 Uhr morgens.

Ein strahlend schöner sonniger Tag in der idyllischen Eintausendseelengemeinde im Bezirk Rohrbach, es herrscht klirrende Kälte bei -11° Celsius.

Heute ist Tag 1 der Corona-Testungen an Oberösterreichs Schulen.

Dickvermummte Volksschulkinder in Begleitung ihrer mehr oder weniger besorgten Eltern sammeln sich im Eingangsbereich der Volksschule St. Veit. Dort bietet sich ein seltener Anblick: Direkt vor dem Schultor parkt ein Rotkreuz-Wagen, zwei junge Sanitäter stehen eher unbeteiligt herum. Ums Eck parkt unauffällig ein Polizeifahrzeug, in dem zwei maskierte Polizisten der Dinge harren. Warten sie darauf, regimekritische „Coronaleugner“ zu verhaften, wollen sie illegale Bürgerversammlungen sprengen oder erwarten Sie einen Bürgeraufstand im beschaulichen St. Veit? Wer kann das wissen? Wer hat die Polizei angefordert?

Auch der ÖVP-Bürgermeister – ansonsten ein braver Mann – ist vor Ort, um bei Bedarf beschwichtigend und beruhigend einzugreifen.

Vor dem Schultor sind Tische aufgestellt, wo die Corona-Tests heute im Beisein der Eltern stattfinden sollen. Das Ganze muss trotz Eiseskälte vor der Schule stattfinden, da der Zutritt schulfremden Personen, zu denen die Eltern nun mal zählen, strengstens untersagt ist.

Die ersten Tests finden statt, plötzlich entsteht ein leiser Tumult. Beherzte Väter weisen den Bürgermeister auf den Test-Beipackzettel hin, auf dem geschrieben steht, erstens, dass die Tests nur von geschultem Fachpersonal durchgeführt werden dürfen und zweitens, dass die Tests bei Zimmertemperatur durchgeführt werden müssen. Nun – beide Kriterien sind nicht erfüllt. Kinder, Eltern und Lehrerinnen sind eher kein medizinisches Fachpersonal und Zimmertemperatur hat es bei -11° auch nicht ganz.

Sichtlich haben weder die Schulleiterin, noch die Lehrerinnen, noch die beiden anwesenden Sanitäter, noch der Bürgermeister, noch die ums Eck lauernden Polizisten den Zettel jemals gelesen.

Auch nicht die Landesschulbehörden oder der Herr Faßmann.

Dabei lernt man doch schon in der Schule, vor Erledigung einer Testaufgabe stets die Angaben zu lesen.

Der Bürgermeister reagiert nach kurzer Schrecksekunde und verlegt, den Sachverhalt mit dem erforderlichen Fachpersonal ignorierend, die ganze Testerei in den Turnsaal. Dorthin dürfen jetzt die Eltern, den Sachverhalt der Schulfremdheit ignorierend, ihre Kinder zum Test begleiten.

Chaos, Desorganisation und Widersprüchlichkeit waren charakteristisch für den ersten Tag der Schulkinder-Testerei.

Da haben wohl einige Verantwortliche ihre Hausaufgabe nicht gemacht: Herr Bildungsminister, Herr Landesbildungsdirektor, Herr Bürgermeister, Frau Schulleiterin – setzen, Nicht genügend.