Oft habe ich mich gefragt, was passieren muss, dass ein Volk aufsteht. Meine Antwort war stets die gleiche: Es muss mit dem Rücken zur Wand stehen. Von einem Volksaufstand sind wir zwar noch weit entfernt, aber es keimt ein zartes Pflänzchen der Revolution. Vielen Österreichern reicht’s, und ihrem Unmut machen sie Luft.

Ein Kommentar von Elsa Mittmannsgruber

Einige sehen keinen anderen Ausweg, als auf die Straße zu gehen. Existenzen wurden vernichtet, Lebenswerke zerstört, Familien leiden. Noch stehen wir aber erst am Anfang. Die Wirtschaftskrise wird noch dramatisch durchschlagen. Ein Großteil der Menschen ist davon noch unberührt. Vermutlich diejenigen, die die Regierungslinie nach wie vor wohlwollend beurteilen.

Immer mehr Fehlentscheidungen werden öffentlich

Zwar verlieren Kurz und Co. mit Häufung der Skandale, wie dem Aufkommen der gezielten Angstmache, des „Missverständnisses“ bei Verwandtenbesuchen und dem Aufgebot im Kleinwalsertal Anhänger. Dennoch ist die Zustimmung der Bürger nach wie vor groß. Mit Verlaub: Ich verstehe nicht mehr, warum.

Immer mehr Fehlentscheidungen und Täuschungen kommen ans Licht, die Fakten drängen sich einem nahezu auf. Konnte man zu Beginn vielleicht die Regierung noch aufgrund der Neuartigkeit der Situation in Schutz nehmen, hilft ihr jetzt dieser Joker nicht mehr.

(Un-) Mut zum Widerstand steigt

Zu viele Mahner und Kritiker wiesen schon auf die Fehler hin, doch blieben sie von den Ministern ungehört. Aber der Widerstand wächst, die Zahl der Demonstranten wird zunehmen. Zur Freude der Anstachler, der Ungemütlichen, die den Kampf um Gerechtigkeit in ihrem Blut tragen und nur auf den rechten Moment warteten, um mal gewaltig aufzurühren.

Aber gleichzeitig zum Leid derer, die von der Regierung frisch desillusioniert sind, die sich noch lange bewusst täuschen ließen, wo andere schon „Widerstand“ riefen. Lehrt uns doch ein Bestseller nach dem anderen, immer positiv zu denken, fast infantiles Vertrauen zu haben und das Beste im Menschen zu sehen.

Heißt es nun Volk gegen Eliten oder doch wieder „links“ gegen „rechts“, wie vielerorts erkennbar? Der Versuch der Entzweiung besteht.