Amazon konnte im Corona-Jahr 2020 Rekordumsätze verbuchen, doch Gewinnsteuern lieferte der Versand-Gigant in Europa keine ab. Im Gegenteil: Der Onlinehändler bekam eine Steuergutschrift in Höhe von 56 Millionen Euro. Der österreichischen Staatskasse entgeht fast 1 Milliarde Euro pro Jahr an nicht eingehobenen Mehrwertsteuer-Einnahmen durch Online-Versandhäuser wie Amazon. Kürzlich beschlossen die G-7 Finanzminister eine weltweite Steuer für Großkonzerne einzuführen.

  • Amazon konnte Umsatz in der EU 2020 auf 44 Milliarden Euro steigern
  • Trotz Rekordumsatz bekommt Amazon eine Steuergutschrift
  • Österreich verliert fast 1 Milliarde Euro an Steuereinnahmen jährlich durch Amazon und Co
  • Ab 1. Juli werden europaweit Pakete ab einem Warenwert von 1 Cent besteuert
  • Weltweite Mindeststeuer für Großkonzerne geplant

Steuergutschrift trotz Rekordumsatz

Der Versandriese Amazon machte 2020 einen Rekordumsatz von 44 Milliarden Euro in der EU. Doch statt Steuern zahlen zu müssen, bekommt Amazon eine Steuergutschrift in Höhe von 56 Millionen Euro. Der Trick: Amazon hat einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro ausgewiesen, wie TheGuardian berichtet. Während also durch die Lockdown-Politik die Unternehmen reihenweise pleitegehen, scheffelt der Weltkonzern Geld und zahlt obendrauf keine Steuern.

Österreich entgehen 1 Milliarde Euro an Steuereinnahmen

In Österreich konnte der Onlinehandel 2020 insgesamt um 30 Prozent zulegen und erreichte einen Umsatz von 4,4 Mrd. Euro, berichtet vienna.at. Die Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich (IWS) hat errechnet, dass Österreich durch nicht eingehobene Mehrwertsteuer-Einnahmen von Online-Versandhäusern wie Amazon insgesamt 980 Millionen Euro jährlich entgehen.

Die Schließung dieser Mehrwertsteuerlücke betrachtet IWS-Geschäftsführer Gottfried Kneifel nicht nur „als wesentlichen Beitrag zum Schuldenabbau nach der Corona-Pandemie, sondern als großen Schritt zu mehr Steuergerechtigkeit und Fairness gegenüber den Steuerzahlern und besonders für den stationären Handel in den heimischen Städten und Ortszentren,“ berichtet die APA. Hier der gesamte IWS_Bericht.

Paketsendungen: Falsche Warenwerte angegeben

In der gesamten EU beläuft sich die Mehrwertsteuer-Lücke laut IWS auf 10,2 Milliarden Euro. Davon wären 60 Prozent auf Steuerbetrug und 40 Prozent auf Ausnahmeregelungen und Schwierigkeiten bei der Einhebung zurückzuführen, berichtet eine Tageszeitung. Ab 1. Juli werden nach einer neuen EU-Zollbestimmung nun Paketsendungen ab einem Warenwert von 1 Cent besteuert.

Zuvor waren Sendungen mit einem Warenwert unter 22 Euro von der Einfuhrumsatzsteuer befreit. Ein Schlupfloch wurde somit geschlossen, denn eine Überprüfung hatte ergeben, dass in drei von vier Fällen zu niedrige Warenwerte angegeben wurden, um die Steuer zu umgehen, berichtet die APA.

Weltweite Mindeststeuer geplant

Erst kürzlich haben die G-7-Finanzminister beschlossen für Großkonzerne eine weltweit gültige Mindeststeuer von 15% einzuführen (Wochenblick berichtete). Ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings sind bei diesem Vorhaben noch Nachbesserungen erforderlich, da der momentane Vorschlag eine Besteuerung erst ab einer Gewinnmarge von 10% vorsieht. Bei Amazon lag diese Gewinnmarge 2020 bei 6,3%. Damit müsste Amazon bei dieser Regelung wiederum keine Steuern zahlen.

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