Während die Ärztekammer und deren Spitzenvertreter seit Wochen und Monaten mit Begeisterung in den Chor der Regierung einstimmen und alle Corona-Maßnahmen abnicken, regt sich in der Ärzteschaft zunehmend Widerstand gegen die ÖVP-nahe und konforme Politik der Ärztekammer. 

„Mitglieder des Oberösterreichischen Ärzteverbandes und kritische Mitglieder in der Kurie der niedergelassenen Ärzte“ begehren auf und versandten ihren Appell Ärzte gegen Corona an alle 5.500 Ärzte in Oberösterreich und auch an die politischen Parteien.

Kritik an mangelnder Transparenz

In diesem Schreiben kritisieren die Autoren die derzeitige Vorgehensweise der Politik und auch der Kammer. Sie bemängeln das fehlende Zahlenmaterial, so gibt zwar die Internetseite der AGES die Todeszahlen und auch den Zeitraum und das Alter an, führt auch die Hospitalisierungen auf – aber dann, endet die Transparenz. Wichtige Daten, etwa zu dem Alter der in Krankenhausbehandlung befindlichen oder über das Vorliegen von Vorerkrankungen und deren Art, fehlen. Und daher auch wichtige Informationen, so die Schreiber des Appells, die zeigen würden, wer zur Risikogruppe gehört, die besonders geschützt werden muss.

Inzidenz und magische Zahlen

War zu Beginn der Corona-Pandemie noch der Reproduktionsfaktor das „Maß aller Dinge für die grundrechts- und freiheitseinschränkenden Maßnahmen“, so wurde dieser im Herbst von den absoluten Zahlen der positiv Getesteten und den Belegungen in den Krankenhäusern abgelöst. Kurz vor dem Jahreswechsel kamen dann die Inzidenz-Werte in Mode. „War es anfangs die magische Zahl 100, so wurde zuletzt auf 50 reduziert. Deutschland ist schon bei 35 und Söder will 10 oder noch weniger“, kritisieren die Autoren die willkürlichen Zahlenspielereien und Grenzwertfestlegungen der Politik.

Medizinische Ungereimtheiten

Ebenso bemängeln sie medizinisch Ungereimtheiten beim Kampf gegen die Pandemie. Etwa, dass auch Personen in Quarantäne müssen, die schon „vom Gesetz aus nicht ansteckend“ seien. Denn obwohl es in der 4. Covid-Schutzmaßnahmenverordnung §11 (4) heißt, „Personen, welche asymptomatisch sind und einen positiven PCR-Test mit einem Ct-Wert über 30 aufweisen“, gelten als nicht ansteckend. „Diese dürfen selbstverständlich im Krankenhaus arbeiten. Daheim den Müll vor die Türe stellen ist aber strafbar!“ In die Kritik kommt auch die FFP2-Maskenpflicht, denn selbst WHO und EU verorten im dauernden Tragen einer solchen keinen Nutzen.

Alternativprogramm tut Not

Da zu diesen Ungereimtheiten die Ärztekammer schweigt, anstatt endlich ein Alternativprogramm zu zu den gesundheitsschädigenden Maßnahmen der Regierung zu entwickeln, planen die Autoren des Schreibens einen solchen Antrag in der Kuriere der niedergelassenen Ärzte einzubringen. Denn: „Es kann nicht sein, daß ausschließlich Modellrechner, Virologen und Rotkreuzpräsidenten über unser aller Wohl, sowie über unsere Grund- und Freiheitsrechte entscheiden“. Damit dürften einige Spitzen der ÖVP-dominierten Ärztekammer wenig Freude haben.