Die Regierung wollte unschöne Szenen und setzte von Anfang an auf Eskalation. Nach einer schikanösen Untersagung der Demo „Für die Freiheit“ und einer freiheitlichen Ersatz-Kundgebung hielt man friedliche Bürger stundenlang in einem Kessel, nahm sogar zeitweise einen freien Journalisten fest. Davon ließen sich die Protestierenden aber nicht ins Bockshorn jagen. Sie blieben friedlich – und konnten schließlich sogar ihren Spaziergang durch Wien durchführen. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Es ist ein Sieg der Freiheit über die Repression, über die Willkür und über den völlig enthemmten Kurs von Kurz und Nehammer gegenüber ihrem eigenen Volk, dem Souverän. Weit mehr als 20.000 Menschen ließen sich von Einschüchterungsversuchen nicht kleinkriegen und kamen nach Wien, um ihrem Unmut gewaltlos, aber bestimmt Luft zu verschaffen. So wurde es trotz aller Schikanen im Vorfeld samt medialer und politischer Hetzkampagnen zum bislang größten maßnahmenkritischen Protest. Aus tausenden Kehlen schallte es durch die Straßen der Bundeshauptstadt: „Kurz muss weg“.

Eskalationsstrategie scheiterte grandios

Es ist so etwas wie die totale Niederlage einer völlig absurden Eskalationsstrategie. Nicht einmal über zwei Stunden in einem Polizeikessel samt umfangreichem Katz-und-Maus-Spiel konnte den Widerstandswillen des Volkes auf der Straße brechen. Dieses blieb trotz aller Mätzchen und Provokationen friedlich und ließ sich zu keinen Gewaltakten hinreißen. Die „schiachen“ Bilder, auf welche die Kurz-Partie und ihre gekaufte Einheitspresse wohl spekulierten, blieben aus.

Stattdessen gelang es kurz nach 15.30, dass sich ein friedlicher Protestmarsch in Bewegung setzte, den die Polizei dann auch gewähren ließ. Sie regelte quasi nur mehr den Verkehr und gab ihm sicheres Geleit. Wir konnten sogar Fotos knipsen, die zeigen, wie Beamte ihre Helme abnahmen und an der Spitze des Spazierganges marschierten. Jeder Versuch, einen Spalt zwischen das Volk und die Polizei zu treiben, misslang somit gründlich – und das, obwohl man keinen Versuch dazu ausließ.

Totalitären Fantasien eine klare Absage erteilt

Ob so viele Menschen trotz des Verbots oder gerade wegen des Verbots der Demo kamen, ist ungewiss. Gut möglich, dass es noch mehr hätten sein können. Niemand weiß, wie viele Menschen von auswärts bereits durch teilweise kleinkarierte Kontrollen an ihrer Anreise gehindert wurden. Was zählt ist aber, dass sie zahlreich kamen und klarstellten: Sie lassen sich nicht mehr veräppeln, denn die Freiheit ist das oberste Gut. 

Und so entstanden letztendlich imposante Bilder eines friedlichen Spazierganges für die Grund- und Freiheitsrechte. Einer unserer Außenreporter kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als mehr als zwanzig Minuten lang immer mehr Menschen an ihm vorbei liefen. Und alle trugen sie die klar Botschaft, dass sie die Frotzelei dieser Regierung nicht mehr dulden wollen: Auf ihren Schildern, auf ihren Lippen und in ihren Herzen. Sie spuckten der Regierung und ihren totalitären Anwandlungen somit grandios in die Suppe.

Ein Fanal für die Freiheit

Am Freitag fand durch die Untersagung der Kundgebungen am heutigen Tag ein vorläufiger negativer Höhepunkt in der zweiten Republik statt. Erstmals kam es zur offenen Zensur regierungskritischer Stimmen – niemand hätte dies für möglich gehalten. Dabei setzte sich der Nehammer-Apparat sogar über meine kühnsten Vorstellungen hinweg – denn ich hatte den geplanten Auftritt seines Vorgängers Herbert Kickl quasi als Lebensversicherung gegen die unfassbaren Verbotsfantasien gewähnt.

Heute zeigte das Volk dann, worauf es ankommt und lieferte einen positiven Höhepunkt hinterher. Sie alle wussten: Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Friedlich und gewaltfrei – aber bestimmt, unbeugsam und unüberhörbar. Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, aber: Die Geduld und der Widerstandgeist des Volkes blieben ungebrochen – und könnten somit zu einem wahren Fanal für die Freiheit werden. Und mit ihnen bleibt die wichtige Forderung aufrecht: Kurz muss weg