Vielfältig und bunt ging es auch heuer zum 1. Mai-Aufmarsch der SPÖ in Linz zu! Neben traditionellen Arbeiterkapellen und zahlreichen Sport- und Hobbyvereinen beteiligten sich auch einige selbstbewusste Volksgruppen an dem jährlich wiederkehrenden Polit-Umzug. Auf dem Hauptplatz mobilisierte SPOÖ-Chefin Birgit Gerstorfer vehement gegen die schwarz-blaue Bundesregierung, warf dieser Machtstreben und Sozialabbau vor.

Da staunten viele Linzer nicht schlecht: Neben einem Bestattungswagen, Schaukämpfen mit Kampfsport-Kindern und Segways waren beim heurigen SPÖ-Aufzug zum Tag der Arbeit auch selbstbewusst trommelnde und tanzende Afrikaner zu sehen! Für etwas Unmut bei einigen Linzern sorgte der Umstand, dass wegen der 1. Mai-Kundgebung der öffentliche Nahverkehr für mehrere Stunden im Innenstadtbereich unterbrochen war.

Wenig Andrang bei Gerstorfer-Rede

Während auf der Landstraße indes gegen zehn Uhr vormittags noch viele Teilnehmer erblickt werden konnten, nahm die Zahl der Demonstranten auf dem Treffpunkt Hauptplatz schließlich spürbar ab.

Mitglieder der teilnehmenden Orchester verließen bereits vor der Abschluss-Rede von Gerstorfer den Platz, wollten offenbar den Feiertag im privaten Umfeld genießen. Für besonderes Aufsehen sorgten auch heuer sich akustisch deutlich bemerkbar machende Volksgruppen mit vielfältigen Wurzeln in der Türkei, Nigeria und dem Balkan.
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Afrikanische Nationalisten nahmen teil

So beteiligte sich auch eine größere Gruppe am Aufzug, die für ein Referendum zur Unabhängigkeit der Biafra-Region im afrikanischen Nigeria eintrat. Tanzend und trommelnd brachten die schwarzafrikanische Nationalisten ihre Forderungen vor, demonstrierten für das Selbstbestimmungsrecht der Region. Die Gruppe steht in einem bisher ungeklärten Naheverhältnis zur umstrittenen nigerianischen Autonomie-Bewegung „Indigenous People of Biafra“ (IPOB).

Pikant: Die federführend in der Autonomie-Bewegung aktive IPOB, deren Schriftzug auch auf Leiberln beim SPÖ-Aufzug zu sehen war, wurde von der nigerianischen Regierung bereits als Terrororganisation eingestuft. IPOB-Anführer Nnamdi Kanu forderte laut Medienberichten bei einem Kongress in Los Angeles 2015: „Wir brauchen Waffen und Kugeln.“ Experten werfen der IPOB vor, innenpolitische Konflikte Nigerias nach Mitteleuropa zu tragen!1. mai 2018 linz biafra türken spö linz

Selbstbewusste Türken

Auch heuer präsentierten sich wieder türkischstämmige Sozialdemokraten stolz: Beim SPÖ-Aufmarsch waren unter anderem einige türkische Fahnen zu sehen. Für reichlich Wirbel hatte in den vergangenen Jahren die Teilnahme der derzeit scharf kritisierten, Erdogan-nahen „ATIB“ gesorgt. „ATIB“ zeigte unter anderem bei 1. Mai-Veranstaltungen der SPÖ in den vergangenen Jahren in Linz offensiv auf dem Hauptplatz Flagge. Heuer waren jedoch für das „Wochenblick“-Reporterteam keine Insignien oder Transparente der radikal-türkischen Organisation vernehmbar.

Auch die SPÖ-Gemeinderätin Arzu Büyükkal, die zur 1. Mai-Abschlussveranstaltung heuer sogar auf der Bühne vertreten war, sorgte bereits für Wirbel. Sie hat beste Kontakte zu dem umstrittenen „ATIB“-Verein, war einst selbst Mitglied. Auch scheint sie Kontakte zu einem türkischen Journalisten namens Irfan Ünsal zu pflegen, der mutmaßlich im Dunstkreis der Erdogan-nahen Partei AKP tätig ist.

spö linz

Wiener Politiker empört

Scharfe Kritik erfuhr die Linzer SPÖ indes von dem Wiener Landtagsabgeordnete Leo Gabriel Kohlbauer (FPÖ). Auf Facebook veröffentlichte der Politiker Fotos von Umzugsteilnehmern mit mutmaßlichen Migrationshintergrund, diese schwenken stolz türkische Fahnen!

„SPÖ-Maiaufmarsch in Linz. An Erbärmlichkeit ist die Sozialdemokratie nicht zu überbieten! Gut, dass diese Partei nicht mehr in Regierungsverantwortung ist“, poltert Kohlbauer auf Facebook. Zahlreiche Netz-Nutzer stimmen ihm zu, kritisieren die SPÖ für eine „armselige Aufgabe jeder österreichischen Identität“. Kohlbauers Posting wurde bereits mehrere hundert Male geteilt.

Gerstorfer: Kritik an Inseraten und „Machtgier“

Auf zahlreichen Transparenten des SPÖ-Aufmarsches wurde auch die von der Bundesregierung angekündigte Fusion einiger Krankenkassen kritisiert. „Wir wollen unsere GKOÖ behalten“, skandierten Unterstützer der Sozialdemokraten. In ihrer Rede auf dem Linzer Hauptplatz sparte die SPOÖ-Chefin Gerstorfer indes nicht an deutlicher Kritik an Schwarz-Blau.

Gerstorfer warf der ÖVP vor, ihren christlich-sozialen Kern fast völlig aufgegeben und zu einem „türkisen Skelett“ verkommen zu sein. Die laut ihr erfolgreiche Kern-Regierung sei durch „Machtgier“, offenbar eine deutliche Kritik am jetzigen Bundeskanzler Sebastian Kurz, zerstört worden. Anders als die SPÖ vertrete Schwarz-Blau nicht die einfachen Österreicher.

birgit gerstorfer spö oberösterreich

Kritik an Regierungsinseraten

Für Schmunzler im Publikum sorgte vor allem Gerstorfers Kritik, Schwarz-Blau würde zu viel Geld für Regierungsinserate ausgeben. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Kern-Regierung selbst im Rahmen des Nationalrat-Wahlkampfes kostenintensive Regierungsinserate an wohlgefällige Medien vergeben haben soll.

Auch die Kritik an der FPÖ, da diese im Verkehrsministerium und beim Verfassungsschutz die Posten „blau umfärben“ würde, stieß offenbar auf geteiltes Echo. Schließlich sei die SPÖ selbst jahrzehntelang für unverhohlene Machtpolitik bekannt gewesen, bemerkte ein interessierter wie kritischer Zuhörer auf dem Hauptplatz.