Dreimal hatte das Land ob der Enns unter der Besatzung durch napoleonische Truppen zu leiden: im Zweiten und Dritten Koalitionskrieg (zwischen 1799 und 1805) sowie im Österreichisch-Französischen Krieg (1809). Das erste mit den Kriegsereignissen in Zusammenhang stehende Unglück traf Linz im August des Jahres 1800.

Ein Beitrag von Dr. Siegfried Pichl

Kampflose Übergabe

Im Schloss war ein Kriegslazarett eingerichtet worden, wo vermutlich aus Unachtsamkeit der Soldaten ein Feuer entstand, das sich über einen hölzernen Verbindungsgang bis in die Altstadt ausbreitete. In einem Schadensverzeichnis vom 4. September werden 96 durch das Feuer zerstörte oder beschädigte Häuser aufgelistet, der Südtrakt des Schlosses und Teile des Quertraktes brannten nieder. Die Schadenshöhe betrug fast eine Viertelmillion Gulden.

Durch Spenden und Wohltätigkeitsveranstaltungen konnte nur ein Bruchteil dieses Betrages lukriert werden. Doch weitere Prüfungen warteten auf die Landeshauptstadt: am Morgen des 21. Dezembers ritten die ersten französischen Truppen in Linz ein, die Übergabe der Stadt erfolgte kampflos. Die von General Moreau angeordneten Kriegskontributionen betrugen drei Millionen Gulden, sowie 10.000 Hemden und Röcke und ebenso viel Paar Schuhe für die französischen Soldaten.

Kirchen- und Privatsilber wurde eingesammelt und die von den kaiserlichen Truppen zurückgelassenen Lebensmittelmagazine nebst den Vorräten der Stadt versteigert.

Napoleon in Linz

Mit dem Frieden von Luneville (9. Februar 1801) erfolgte der Abzug der französischen Truppen, doch schon im Jahr 1805 brach der Dritte Koalitionskrieg mit dem mittlerweile zum Kaiser der Franzosen avancierten Napoleon I. aus. Noch im November dieses Jahres rückten feindliche Truppen gegen Linz vor, wo es zu tumultartigen Szenen kam, hatte man doch keine allzu guten Erinnerungen an die letzte Invasion. Am 2. November 1805 erfolgte die erneut kampflose Besetzung der Landeshauptstadt. Napoleon selbst traf am 4. November mit einer 6.240 Mann starken Leibgarde in Linz ein, um sich am nächsten Tag weiter auf den Weg nach Wien zu machen. Wiederum ächzte das Land unter den hohen Kriegskontributionen, die unter anderem durch die Ausgabe ständischer Anleihen gedeckt wurden. Mit dem Frieden von Pressburg am 26. Dezember begann der Abzug der feindlichen Truppen, bis März 1806 war das Land geräumt.

Hässliche Schlacht

Doch sollten die Napoleonischen Schrecken damit für Oberösterreich noch kein Ende gefunden haben. Mit der Kriegserklärung Österreichs an Frankreich vom 9. April 1809 begann der Französisch-Österreichische Krieg, der sich auch durch den heldenhaften Freiheitskampf der Tiroler Bauern unter Andreas Hofer gegen die verbündeten bayrisch-französischen Truppen dem Volksgedächtnis eingeprägt hat. Doch brachte dieser Krieg auch eine der blutigsten Schlachten auf oberösterreichischem Boden mit sich, als es am 3. Mai in Ebelsberg zu einem fünfstündigen Gemetzel mit 12.000 Toten und Verletzten kam und der Ort in Schutt und Asche gelegt wurde.

Napoleon selbst soll diese Schlacht als eines der „hässlichsten und unbesonnensten Unternehmen der Kriegsgeschichte“ bezeichnet haben. Der französische Dichter Stendhal hat als Augenzeuge die Schrecknisse dieses Tages anschaulich geschildert. Noch heute erinnern zahlreiche Mahnmale und Gedenktafeln in Ebelsberg an dieses traurige Ereignis. Nach dem Einzug in Linz nahmen die Franzosen vom Schlossberg und der Donaulände aus Urfahr unter Feuer und zerstörten 33 Häuser. Wieder stöhnte das Land unter der Fremdbesatzung. Das erst 1779 zu Oberösterreich gekommene Innviertel und Teile des Hausruckviertels wurden zunächst unter französische, dann bayerische Herrschaft gestellt. Erst mit der vernichtenden Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) und der Neuordnung Europas im Wiener Kongress 1814/15 kehrte wieder Ruhe im Land ein. Die Macht Bonapartes, der seine letzten Lebensjahre im Exil auf der Insel St. Helena im Südatlantik verbrachte, war endgültig gebrochen.