Auf Mallorca treiben Hausbesetzer ihr Unwesen. Viele Besitzer kommen nicht mehr in ihre Häuser. Das Gesetz steht auf ihrer Seite. Das ließ sich ein Hamburger Steuerberater nicht gefallen und nahm sein Schicksal selbst in die Hand: er eroberte sich seine von Romas besetzte Finca zurück.

Eine Reportage von Kornelia Kirchweger

250.000 Euro Schaden am Haus

Auch wenn die Polizei gerufen wird, kann sie wegen der geltenden Rechtslage nichts tun. Laut spanischem Gesetz muss eine Hausbesetzung nämlich innerhalb von 76 Stunden angezeigt werden. Viele Zweithausbesitzer erfahren aber oft viel später von ihrer „Enteignung“, dann ist ein richterlicher Beschluss für eine Zwangsräumung erforderlich. Das kann bei den überlasteten Richtern Jahre dauern.

Der 48-jährige Frank Zingelmann wollte sich das ersparen, es reichte ihm. Er konnte sein Ferienhaus in Playa de Palma seit Jänner nicht mehr betreten. Mitglieder eines spanischen Roma-Clans, sogenannte „Gitanos“, haben es sich dort bequem gemacht. Beim ersten Versuch, sein Grundstück zu betreten, wurde er von drei Hunden verjagt.

Er beobachtete dann die Villa tagelang. Als sich im Haus nur mehr zwei Roma befanden, ging er schnurstracks hinein, begleitet von zwei Freunden. Einer spricht fließend Spanisch, der andere ist professioneller Käfigkämpfer, sagte Zingelmann gegenüber Medien. In der Finca hat Zingelmann eine Stunde mit den beiden Roma „verhandelt“, bis sie einsahen, dass es keinen Sinn hat, weiterhin zu bleiben.

Voller Hundekot

Die Finca ist völlig verdreckt, die Einrichtung wurde verkauft, Wasser und Strom wurden illegal angezapft, der Garten ist vermüllt, es stinkt nach Hundekot. Der Schaden beläuft sich auf geschätzte 250.000 Euro. Zingelmann riegelte die Finca zwar mit schweren Ketten ab. Doch das Haus könnte jederzeit wiederbesetzt werden.

Spanische Verfassung rechtfertigt Hausbesetzung

Zingelmann ist kein Einzelfall. In Spanien leben laut Studie rund 270.000 Menschen in besetzten Wohnungen. Bei Klage auf Zwangsräumung entscheiden die Richter oft nicht im Sinne des Hausbesitzers. Denn laut Landesverfassung hat jeder Spanier das Recht auf eine würdige und angemessene Wohnung.

Wer eine fremde Wohnung besetzt, macht sich also nicht zwingend strafbar. Das Gericht muss jeden Einzelfall überprüfen. Besetzer gehen zudem clever vor: sie tauschen häufig die Schlösser aus und weisen gefälschte Mietverträge vor.