Die Abmeldungen zum häuslichen Unterricht waren im heurigen Schuljahr enorm. Für das System dürfte es ein heftiger Schlag gewesen sein. Weshalb hätte man sonst Eltern, die ihre Kinder zuhause unterrichten, als Radikale und Verschwörungstheoretiker bezeichnen sollen? Dass sich Eltern dadurch in ihrem Weg verunsichern lassen, ist nur zu verständlich. Aber auch organisatorische Probleme können in der Kombination häuslicher Unterricht und Job dazukommen. Der 42-jährige Remo Kelm aus Dresden sah für sich und seine Kinder nur einen Ausweg aus dem Lern-Desaster: er gründete das Online-Nachhilfe-Projekt „Dozeon“.

Von Birgit Pühringer

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  • 4-facher Vater gründet Online-Nachhilfeprojekt
  • Mittlerweile in Deutschland und Österreich vertreten
  • Für Eltern, die ihre Kinder im häuslichen Unterricht haben
  • Aber auch für Eltern als Nachhilfe neben dem Standard-Unterricht
  • Dauerhaft leistbarer Unterricht durch Kostenteilung
  • Ausgebildete Lehrkräfte
  • Eltern werden oft durch die Schulen unter Druck gesetzt

Seit etwa 6 Monaten ermöglicht dieses Projekt Schülern in Deutschland adäquates Homeschooling. Nun ist es seit ein paar Wochen auch mit eigener Website in Österreich verfügbar. Wochenblick trat mit dem Dozeon-Gründer ins Gespräch. „Lockdown, geschlossene Schulen, Eltern im Homeoffice und Schüler, die plötzlich zuhause den gesamten Schulstoff lernen mussten. Sowohl für Kinder als auch Eltern war die Kombination aus Homeschooling und Homeoffice eine große Herausforderung, ja oftmals eine Belastung. Als Vater von vier schulpflichtigen Kindern weiß ich, wovon ich spreche“, beginnt Remo Kelm unser Gespräch. „Ich bin selbständig und habe mein Büro zuhause. Meine Kinder waren dann durch die Schulschließungen ständig daheim. Wir mussten uns organisieren. Alles unter einen Hut zu bringen, ist eine immense Herausforderung, die viele Eltern einfach nicht stemmen können.“ Aus der Not heraus habe sich der vierfache Vater überlegt, wie vernünftiges Lernen und Beschulen online funktionieren könnte. In seinem Bekanntenkreis hätten sich immer wieder Eltern mit ihren Kindern zum Lernen getroffen. Das funktionierte mehr schlecht als recht und nahm eher chaotische Zustände an. An ein produktives Lernen sei nicht zu denken gewesen.

Leistbarer Unterricht durch Kostenteilung

Bereits vor etwas mehr als einem halben Jahr habe er die Idee eines Online-Nachhilfeunterrichts dann auch kurzerhand in die Tat umgesetzt. Der Unterricht solle eine vernünftige Struktur bieten und von Eltern auch langfristig in Anspruch genommen werden können, so Kelm. „Deswegen lag der Fokus auf zwei Prämissen: der Unterricht muss durch ausgebildete Lehrkräfte erfolgen und er muss dauerhaft bezahlbar sein. Daher kam mir die Idee, die Kosten für eine Unterrichtsstunde durch die Anzahl der Teilnehmer zu teilen, sodass bei voller Auslastung (max. 7 Teilnehmer pro Termin) auf jeden Schüler nur noch 3,43 Euro entfallen. Vor allem die Hauptfächer standen im Fokus. Weitere, auch alternative Fächer folgten“, schildert der 42-Jährige die ersten Ideen zu seinem Projekt.

Projekt in Deutschland und Österreich – Lehrer sind freiberuflich tätig

„Da ich in verschiedenen Gruppen gut vernetzt bin, startete ich einen Aufruf unter Lehrern. Die Resonanz war überwältigend. Es fanden sich sofort mehrere Lehrkräfte, die bei diesem Projekt mitmachen wollten. Sie sind freiberuflich tätig, von ihnen ist keiner mehr im Schulsystem. Mittlerweile können sich Lehrer über unser Portal bei uns melden und sich bewerben, wenn sie ebenfalls für uns tätig werden wollen“, so der engagierte Vater. Für die technische Komponente der Website und des Online-Portals sei ein Webdesigner zuständig. Die restlichen Aufgaben würde Remo Kelm mit viel Herzblut selbst abarbeiten. So beantworte er E-Mails, vernetze Eltern und bringe diese zusammen. Er koordiniere aber auch die Termine der Lehrer. Für Deutschland gebe es mittlerweile gut 45 Lehrer und für Österreich derzeit rund 11 Lehrkräfte – Tendenz massiv steigend. „Weil unser Projekt so gut angenommen wird, war es uns ein Anliegen, auch für Österreich die gleiche Leistung anzubieten, da die Eltern vor exakt dem gleichen Problem stehen. Deswegen sind wir seit ein paar Wochen auch in Österreich vertreten.“ An deutschen Schulen herrsche seit diesem Schuljahr wieder die Präsenzpflicht. Dennoch würden viele Eltern ihre Kinder zuhause lassen und selbst unterrichten. Viele seien mit dem Schulsystem an sich unzufrieden. Das sei bereits vor Corona so gewesen, weiß Kelm.

Viele Eltern werden unter Druck gesetzt

Durch die Schulschließungen hätten sich neue Wege ergeben und die alten Strukturen würden in ihrer Form nicht mehr gebraucht. Deswegen würden die Eltern oft auch bewusst angelogen und als Einzelgänger abgestempelt. „Man suggeriert ihnen, sie seien die Einzigen, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Sie wären die einzigen, die die Corona-Maßnahmen nicht mittragen etc. Dass es jedoch viele Eltern gibt, die ihre Kinder aus dem Schulsystem nehmen wollen und auch viele, die die Maßnahmen nicht mittragen, wird seitens der Schulen teilweise bewusst verschleiert, um die Eltern subtil unter Druck zu setzen. Ich möchte ihnen allen Mut machen. Sie sind nicht alleine!“, deckt der Dozeon-Gründer derartige Lügen auf. „Schon vor Corona gab es viele, die sich für ihre Kinder ein anderes Schulsystem gewünscht haben. Deswegen haben wir auch einen enormen Zulauf zu verzeichnen und mittlerweile, nach 6 Monaten, etwa 2000 Schüler. In unserer Telegram-Gruppe können sich die Eltern und Lehrer austauschen.“

Drei Kundengruppen

Unsere Kunden kann man im Wesentlichen in drei Gruppen kategorisieren. Eltern, die ihre Kinder aufgrund der Corona-Umstände zuhause lassen und Dozeon als fast vollwertigen Schulersatz in Anspruch nehmen. Dann Eltern, die ihre Kinder zähneknirschend in die Schule schicken und die unser Projekt eher ergänzend als Nachhilfe nutzen. Und dann gibt es noch die Freilerner-Community. Diese Eltern ließen ihre Kinder auch vor Corona schon zuhause.“ Spannend sei, dass sich nun Kinder aus allen drei Kundengruppen im Onlineunterricht zusammenfinden. Und besonders die introvertierten Kinder würden in diesem Projekt richtig aufblühen, so Remo Kelm. Für interessierte Menschen gebe es sowohl auf der deutschen als auch auf der österreichischen Webseite ein Erklärvideo. So könne über die Filterfunktionen das jeweilige Fach, die Klassenstufe oder der Lehrer gesucht und gebucht werden. Wichtig sei Kelm, dass die Einteilungen des Unterrichts vernünftig erfolgen. Es soll zu keinen Fächerüberschneidungen, aber auch zu keinen Überschneidungen der Schulstufen kommen. Die Eltern und Schüler sollen nicht in die Bedrängnis kommen, ein Fach zu Lasten eines anderen nicht buchen zu können.

Lösung zum veralteten Schulsystem und Frontalunterricht

„Gemeinsam in Absprache mit den Lehrern habe ich die Obergrenze für die Teilnehmer pro Stunde für 7 Schüler angesetzt. Auf diese Weise kann ein adäquater Unterricht im virtuellen Klassenzimmer gewährleistet und Fragen können ordentlich beantwortet werden. Jedes Kind bekommt so genügend Redezeit und es bleibt ausreichend Raum für individuelle Anliegen. Die Eltern, die unsere Lehrer für ihre Kinder buchen, sollen für ihre Kinder qualitativ hochwertigen, aber gleichzeitig bezahlbaren Unterricht bekommen. Es ist uns enorm wichtig, dass wir einen vernünftigen Standard bieten“, schildert der engagierte Vater. „Unsere Stunden finden Via Zoom statt, wofür sich ein Laptop oder Desktop-PC als Arbeitsgerät empfiehlt. Wir haben uns als Nachhilfeinstitut in Deutschland schon einen guten Namen gemacht. Mittlerweile hat uns sogar das Kultusministerium in Baden-Württemberg eine Kooperation angeboten. Die Verträge können demnächst unterschrieben werden.“ Der Dresdner will mit seinem Herzensprojekt Eltern und Schüler Hoffnung geben und eine Lösung zum veralteten Schulsystem und Frontalunterricht anbieten. Mehr Infos über das Nachhilfeprojekt finden Sie auf der Homepage und dem Portal www.dozeon.de und www.dozeon.at.

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