Die Zahl 50 wird immer mal wieder bei den Reden der Kundgebung erwähnt. Sie steht nämlich nicht nur für die Konsequenz, mit der das Fest jeden Freitag abgehalten wird, sondern vor allem für die lange Zeit, die schon vergangen ist. 50 Wochen! Nicht mehr lange und es sind 52 Wochen und somit ein ganzes Jahr. Seit fast einem Jahr findet also wöchentlich ein Fest, eine Kundgebung am Linzer Hauptplatz statt und zu viele Menschen wissen das noch immer nicht. Aber worum geht es dort eigentlich?

Ein Gastkommentar von Carina Paul

Im Mai 2020, recht früh im Vergleich zu vielen anderen, haben die Initiatoren der Freitags-Demo erkannt, dass da einiges nicht stimmen kann, was so erzählt, propagiert und verordnet wird. Und wo viel Angst ist, ist glücklicherweise auch immer Mut. Nicht nur bei den Organisatoren, sondern auch bei den einzelnen Rednern! Quer durch alle Schichten, Branchen und Altersgruppen finden sich am Freitag die freiheitsliebenden Menschen zusammen. Um 17:00 Uhr geht es los und es wird laut gemütliche Musik durch die Boxen über den Linzer Hauptplatz geschmettert. Die einen tanzen schon, die anderen trudeln erst ein und die Exekutive umringt das Geschehen. Direkt an der Pestsäule steht der kleine Lieferwagen, der als Bühne fungiert, auf denen die Musiker und Redner ihr Herz ausschütten können oder auch einfach nur unterhalten dürfen. Eine freie Bühne, die von vielen genutzt wird, die etwas auf dem Herzen haben. Eine freie Bühne, auf der die letzten 50 Wochen schon etliche Reden gehalten wurden. Ob nun Burschen von ca. 20 Jahren, die sich über die Politik aufregten. Ob junge Mädchen, mit ca. 17 Jahren, die emotional erzählten, wie es ihnen im letzten Jahr ergangen ist. Ob LehrerInnen, HandwerkerInnen, Eltern, Großeltern oder viele mehr.

Eine Bühne die standhält

Diese Bühne hat schon vielen standgehalten und eine Plattform geboten. Studien und Gerichtsurteile wurden auf ihr verbreitet und unter das Publikum gebracht. Das Urteil zum Thema PCR-Test und einfach alles, was von den Mainstream-Medien verschwiegen wird, wird dort zum Thema gemacht. Damit das Leben auch gebührend gefeiert werden kann, wird auch zwischen den Reden immer Platz für Musik gelassen, die zum Tanzen genutzt wird. Viele verschiedene Reden, viele verschiedene Menschen, die alle die Freiheit und das Leben schützen und feiern wollen.

Exekutive notiert Telefonnummern

Natürlich darf die Exekutive bei so einem Event nicht fehlen. Zum einen wird darauf hingewiesen, dass doch beim Konsumieren der gerade erworbenen Getränke der Abstand von 50 Meter zum Lokal eingehalten werden muss. Also Abmarsch! Zum anderen wird aufgeschrieben, aufgeschrieben und aufgeschrieben – in das jeweilige schwarze Büchlein der BeamtInnen. Welches Vergehen dann genau zur Last gelegt werde, kann nach dem Motto der Lotterie passieren. Der Klassiker: Das Nicht-Einhalten der Maskenpflicht an der frischen Luft bei Veranstaltungen. Das Büchlein wird gezückt, der Ausweis wird verlangt und es wird aufgeschrieben, aufgeschrieben und aufgeschrieben. Das Prozedere kennen die meisten dort schon. Mittlerweile wird auch beim Beamtenakt die Telefonnummer erfragt. Warum das nötig sei, wird mit einem unlogischen „Sie könnten ja bei Ihrer Anschrift gelogen haben!“, beantwortet. Auf die fehlende Sinnhaftigkeit dieser Aussage muss wohl nicht explizit hingewiesen werden. Eigentlich sollte die Exekutive zum Schutz der Demonstranten da sein und nicht zur Anprangerung. Aber: die Besucher der Demonstrationen werden ja als „Terroristen“ verstanden. Das darf nicht vergessen werden! Die friedlichen tanzenden und fröhlichen Menschen sind ja eine Gefahr für das Gemeinwohl!

Warum diese „Vorschriften“ nicht eingehalten werden?

Weil genau gegen diese rechtswidrigen Vorschriften demonstriert wird! Nicht nur die Gesundheitsgefährdung durch die Maßnahmen, auch die bestätigte Rechtswidrigkeit durch gerichtliche Urteile wird mit großer Lautstärke über den Hauptplatz verkündet. Auf die Mitschuld, die Mittäterschaft der ausübenden und durchführenden Individuen, die ja nur Befehle befolgen, wird auch des Öfteren auf der Bühne hingewiesen. So ernst, ergreifend und erschütternd die einzelnen Themen grundsätzlich sind, so lebensfroh, lustig und vor allem lautstark wird auch gefeiert, getanzt und gelacht. Menschen umarmen sich. Menschen singen und jubeln. Menschen leben ihre Freiheit aus. Eigentlich eine ganz natürliche Situation.

Was denken die sich dabei?

Das Groteske der Szenerie ist jedoch der Gegensatz: Auf der anderen Seite des Hauptplatzes gehen viele Menschen brav mit Maske an der frischen Luft. Manche bleiben stehen, hören zu oder beobachten die fremden und mittlerweile ungewohnten Handlungen der Demonstranten. Und dazwischen fährt die Bim und trennt die zwei Schauplätze, so konträrer sie nicht sein könnten. Was die sich wohl dabei denken? – fragen sich beide Seiten.

Gute Stimmung und Musik trotz Repression

Je später es wird, umso weniger Passanten gehen vorbei und nur noch einige Polizisten halten die Aufsicht über das Fest. Sind ja schon viele aufgeschrieben. Das Soll ist wohl erfüllt. Und als um kurz nach 21 Uhr zusammengeräumt wird, gehen auch die letzten Polizisten von ihren Posten. Die meiste Zeit haben sie tanzende Menschen beobachtet. Kleine Kinder, die in das Feiern mit eingestimmt haben. Fröhliche Menschen, die ihre Freiheit lieben und leben. Und auch, wenn es leider wohl noch länger dauern wird, bis das Fest für die Freiheit jeden Freitag nicht mehr nötig sein wird, so wird mit guter Stimmung und Musik weiter gefeiert. Und das jeden Freitag ab 17 Uhr!

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