598% Wahlbeteiligung in Linz? FPÖ soll Wahl anfechten! 3
Fake oder echt? Die sozialen Medien sind in Auruhr.

Es war zu erwarten, dass ein so knappes Wahlergebnis (0,6% Unterschied) Stoff für Trauer, Unmut und Verschwörungstheorien bietet. Die Fans der FPÖ fordern in den sozialen Netzwerken jedenfalls einhellig: „Die FPÖ soll die Wahl anfechten!“ Viele enttäuschte Wähler wollen nicht glauben, dass alles mit rechten Dingen zuging. HC Strache postete Dienstag Vormittag eine Zusammenfassung der Stadt Linz, wonach bei den Linzer Sondersprengeln 598% Wahlbeteiligung gewesen wäre.

598% in Linz?

598% Wahlbeteiligung in Linz? FPÖ soll Wahl anfechten!

Erste Fehler bei der Datenerfassung hat das Innenministerium bereits eingestanden. Nach einer Panne Sonntag Abend auf der Webseite des Ministeriums gestand man in der Nacht auf Dienstag ein, dass auch in Waidhofen an der Ybbs ein Fehler passiert sei, der allerdings ohne Auswirkungen auf das Endergebnis bleiben würde.

Viele Österreicher fragen sich nun: Wo sind noch Fehler passiert? Die Zahlen der Stadt Linz befeuern das Misstrauen gegen die Rechtmäßigkeit der Wahl zusätzlich. Wie Dr. Dietmar Bartl, Dienststellenleiter der Wahlbehörde am Magistrat Linz, dem „Wochenblick“ erklärt, handelt es sich um ein Missverständnis: Im Bereich der Sondersprengel würden nur 3.518 Wahlberechtigte aufscheinen, abgegeben wurden aber 21.060 Stimmen. Manipulation? „Nein“, sagt Dr. Bartl, denn in die Sondersprengel wurden die knapp 18.000 Wahlkarten-Stimmen eingerechnet, die bei den anderen Zahlen nicht berücksichtigt wurden. „In der Eile wurde das dort erfasst“ — eine kleine Erläuterung bei der öffentlich zugänglichen Grafik hätte wohl nicht geschadet. So verbreitet sich die Grafik wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken.

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Zahlreiche Wahlfälschungen in der Vergangenheit

Ebenso zirkulieren selbstgerechnete Wahlergebnisse im Netz, wie etwa die Behauptung 102,7% hätten im 7. Wiener Gemeindebezirk gewählt. Auch diese Zahlen halten keiner Prüfung stand, der Verfasser hat einen schlichten Rechenfehler begangen. Doch kann Wahlbetrug grundsätzlich ausgeschlossen werden? Keinesfalls, wie die Redaktion des „Wochenblicks“ bereits vor Wochen aufzeigte. So hat es zahlreiche „Unstimmigkeiten“ in den vergangenen Jahren gegeben und besonders bei Wahlkarten wurde schon öfters getrickst und geschummelt, was dazu führt, dass das Misstrauen der enttäuschten Wähler immer weiter angefeuert wird. Auch die Zeitung „Die Presse“ verweist auf die zahlreichen Möglichkeiten, die die „Wahlkarten“ für Wahlbetrüger bieten: „So kann man seine Stimme verkaufen, in dem man gegen Geld vor den Augen eines anderen seine Wahlkarte ausfüllt. Oder ein Patriarch könnte seine Kinder zwingen, den Wahlzettel in eine bestimmte Richtung auszufüllen. Oder man wählt für den kranken Opa, der nicht mehr weiß, wie ihm geschieht. Das alles wäre illegal, bloß nicht so leicht aufdeckbar, und so eine Wahlkarte ist schnell beantragt. Und entgegen nehmen kann man die eingeschriebene Wahlkarte für jemand anderen, wenn man in der selben Wohnung lebt, auch leicht.“ Kollektives Ausfüllen von Wahlkarten in Altenheimen oder Moscheen wurde auch in der Vergangenheit immer wieder behauptet.

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Wenn der Bürgermeister Stimmzettel fälscht

Auch ein Hype im Netz dieser Stunden: Ertappte Wahlfälscher, die auch verurteilt wurden. So wie ein SPÖ-Funktionär aus einer Mistelbacher Gemeinde, der gleich mehrere Wahlzettel ausfüllte. Oder der Fall von Wilhelm Heissenberger, Bürgermeister aus de Bezirk Oberpullendorf, der 2010 der Wahlfälschung überführt werden konnte.

Kleinlaut gestand er damals ein: „Ja, ich habe getrickst“ und meinte damit die Fälschung von zumindest 12 Wahlkarten. Entschuldigt hatte er den Betrug mit der Aussage „Ich war wohl im Wahlwahn.“ Im Wahlwahn werden die Österreicher wohl auch noch einige Tage bleiben, vor allem, sollte die FPÖ tatsächlich die Wahl anfechten. Eine Pressekonferenz der Partei ist für Dienstag, 14:00 Uhr, angekündigt.

 

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