Knalleffekt in der Aufklärung rund um das Ibiza-Video: Alle spannenden Enthüllungen im Fahrwasser der Affäre, welche die beliebte und erfolgreiche Österreichische Bundesregierung zu Fall brachte, haben beim Medienprojekt „EU-Infothek“ ihren Ursprung. Der Medieninhaber, Professor Gert Schmidt, gab dem Wochenblick ein exklusives Interview zum aktuellen Stand der Ermittlungen. Die Affäre könnte kurz vor der Aufklärung stehen.

Das Gespräch führte Willi Huber für den Wochenblick.

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Wochenblick: Herr Professor Schmidt, was ist Ihre Motivation, quasi im Alleingang die Ibiza-Affäre aufzuklären?

Prof. Gert Schmidt: Als normaler Steuerzahler und Staatsbürger habe ich mit Interesse die Berichterstattung über die Ibiza Affäre verfolgt und wartete dann mit Spannung auf den zweiten Teil. Denjenigen, wo Journalisten Fragen stellen, die Hintermänner und Auftraggeber suchen, Antworten und Aufklärung liefern. Doch dieser Teil kam nicht. Das war mir völlig unverständlich, denn gerade bei so einer großen Sache wäre es journalistische Pflicht, diese Fragen zu stellen und das Interesse der Öffentlichkeit zu befriedigen.

WB: Sie betreiben die Nachforschungen also aus privatem Interesse? Dabei entstehen doch riesige Kosten, wer trägt die Finanzierung?

GS: Ja, das kann man so sagen. Und ich verfüge nicht nur über die fachlichen Möglichkeiten sondern auch über die Mittel. Ich finanziere das gesamte Projekt selbst und würde dazu auch von niemandem Geld annehmen. Es hat mir bisher auch niemand Geld angeboten.

WB: Die Gerüchte, HC Strache oder Johann Gudenus hätten die Nachforschungen bestellt und würden diese bezahlen, sind also unrichtig?

GS: Die Herren bezahlen uns nicht und ich bezweifle auch, dass sie die Mittel dafür hätten. Wir waren aber mit beiden einige Male in Kontakt, wobei der Kontakt in der Regel von uns ausgeht. Wenn wir neue Informationen erhalten und sich daraus Fragen ergeben, welche nur von den beiden Beteiligten beantwortet werden können, rufen wir sie an und klären das.

WB: Können Sie mittlerweile mit Gewissheit sagen, dass die „ÖVP-Mails“ echt sind?

GS: Wir gehen davon aus, dass sie echt sind. Der Wiener IT-Experte Michael Eisenriegler, mit dem ich mich in der Sache auch persönlich getroffen habe, ist ebenso davon überzeugt, dass sie echt sind. Mit 100%iger Sicherheit können wir das aber erst feststellen, wenn wir die Mails selbst und nicht nur unvollständige Kopien vorliegen haben. Es gibt aber sehr viele Indizien, die auf die Echtheit hindeuten. So beinhalten Sie Details, die einem Fälscher gar nicht bekannt sein können. Wir haben dazu schon einen Artikel publiziert, da geht es um ein abgebrochenes Meeting von Ex-Kanzler Kurz mit EU-Kommisar Günther Oettinger, von dem die Öffentlichkeit keine Kenntnis hatte. Die Darstellung der ÖVP, dass es sich um Fälschungen handeln würde, ist für diverse IT-Experten nicht nachvollziehbar.

WB: Über welche Mails verfügt eigentlich „Fass Ohne Boden“, die auch einen Leak von tausenden Schriftstücken haben wollen?

GS: Das sind allgemein bekannte Inhalte eines Gerichtsaktes, welche im Zuge von Hausdurchsuchungen sichergestellt wurden. Das ist nichts Neues und wird uns auch nicht weiterhelfen.

WB: Was kann man über die Auftraggeber und Hintermänner sagen?

GS: Die Produktion wurde unter Führung des Wiener Anwalts Ramin M. gemeinsam mit Julian H. durchgeführt. Doch ich sehe den Täter, den Schuldigen, in der Person, welche dafür eine beachtliche Summe Geld bezahlt hat. Wir folgen zur Zeit der Spur des Geldes. Hochinteressant ist, wem das Video bereits 2017 angeboten wurde. Beispielsweise dem Strabag-Lobbyisten Zoltán A. (Name der Redaktion bekannt), aber auch einem Berater der SPÖ. Das ist alles gesichert und rückbestätigt.

WB: Denken Sie, ist die STRABAG beziehungsweise Herr Haselsteiner in die Sache involviert?

Dazu kann ich mit dem heutigen Wissensstand keine Aussage tätigen. Gesichert ist, dass der ehemalige Geschäftspartner von Julian H., Sascha W., an Herrn Haselsteiner persönlich berichtete. Es gibt also frühere Kontakte.

WB: Es soll sich um 600.000 Euro in Goldmünzen, Krugerrand, gehandelt haben.

GS: Ja, und das ist dahingehend spannend, als dass es den Personenkreis eingrenzt, die einen schnellen Zugriff auf diese Summe in Gold haben. Zudem kann man solche Beträge nicht ohne weiteres umtauschen, das hinterlässt Spuren. Eine dieser Spuren verfolgen wir derzeit. So ist Julian H. wohl mit dem Gold in die Schweiz und nach Liechtenstein gereist. In Liechtenstein gelang es schließlich, Münzen im Wert von 100.000 Euro einzutauschen. Das könnte natürlich auch die Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Möglichkeit von Geldwäsche interessieren.

WB: Übermitteln Sie Ihre Erkenntnisse laufend an die Staatsanwaltschaft?

GS: Nein. Wir haben zu Beginn eine Anzeige gemacht, wie es Bürgerpflicht ist, wenn man von einem Verbrechen erfährt. Seither wurden wir hin und wieder von der Sonderkommission im Bundeskriminalamt für Nachfragen kontaktiert.

WB: Haben sie das gesamte Videomaterial gesehen? Was ist in den restlichen Stunden zu sehen.

GS: Nein, ich kenne nur Auszüge. Unser Informant entscheidet, wann er uns etwas zeigt und wie viel er uns zeigt. Insgesamt gibt es 7 Stunden Material. Die sonstigen Inhalte sind größtenteils privater Natur, wo sich jegliche Veröffentlichung verbietet. Im Prinzip kann man sagen, der Rest ist langweilig.

WB: Wer hat das ganze Band? Der Falter?

GS: Das müssen Sie Klenk fragen. Aber soweit ich weiß, hat man dort auch nur Auszüge erhalten. Gesichert ist, dass die SZ das gesamte Material hat. Und hier stellt sich wieder die Frage nach journalistischer Sorgfalt und Vollständigkeit. Es ist bis heute nicht ersichtlich, dass dort nach den Hintergründen recherchiert wird.

WB: Welches Interesse hat ihre Quelle an der Aufklärung der Hintergründe?

GS: Das ließ sich nicht klären. Jedenfalls wurde nie Geld verlangt oder bezahlt. Es dürfte sich um eine persönliche Motivation handeln, vielleicht auch Idealismus.

WB: Diese Person hat sich bei ihnen gemeldet?

GS: Nein, wir wurden durch ein anonymes, nicht nachverfolgbares Mail darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Person gibt, welche über all diese Informationen, Daten und Unterlagen verfügt. Wir haben dann den Kontakt hergestellt.

WB: Was halten sie von der Geschichte, der österreichische „Staatsfeind“ Werner R. wäre Auftraggeber und Finanzier der Affäre?

GS: Das würde ich eher ausschließen. Der Herr wollte sich wohl wieder einmal in den Schlagzeilen sehen, was ihm auch für ein, zwei Tage gelungen ist.

WB: Hatte ein verstorbener, SPÖ-naher Wiener Filmproduzent etwas mit den Aufnahmen zu tun?

GS: Nach all unseren Recherchen: Nein. Wir haben die diesbezügliche Publikation aus Pietätsgründen auch wieder zurückgezogen. Die Behauptung, er hätte sich zum Tatzeitpunkt in Ibiza aufgehalten, erwies sich als nicht haltbar.

WB: Was ist davon zu halten, dass der österreichische Inlandsgeheimdienst BVT in die Affäre verwickelt ist?

GS: Davon halte ich gar nichts und es weist auch nichts darauf hin. Es wäre schon möglich, dass BVT Beamte zur gleichen Zeit nach Ibiza gereist sind, aber dann weil sie zum Schutz des Bundesparteiobmanns der FPÖ eingeteilt waren. Sehr wahrscheinlich ist, dass sich Personen aus dem BVT und aus dem Produktionsteams des Videos kannten. Julian H. und sein ehemaliger Geschäftspartner Sascha W. arbeiteten ja immer wieder für Behörden. Eine Verwicklung des BVT in die Aufnahmen halte ich aber für Blödsinn.

WB: Was sind Ihre nächsten Schritte, welche Veröffentlichungen dürfen wir erwarten?

GS: Da ist zum einen die Fährte des Goldes, wo wir zuversichtlich sind, die Quelle ermitteln zu können. Zudem sind wir dicht auf der Spur des weiblichen Lockvogels, der angeblichen Oligarchentochter, die einige Male in den Videos zu sehen ist. Wir kennen bereits ihren Freundeskreis und erwarten uns hier in Kürze Erfolge.

WB: Vielen Dank für Ihre Zeit!