Gesundheitsministerin Khumbize Kandodo Chiponda legte bei der Impfstoff-Verbrennung sogar selbst Hand an...

Mehrere afrikanische Staaten kündigten die Vernichtung zigtausender abgelaufener AstraZeneca-Impfstoffe an. Malawi machte nun den Anfang und verbrannte letzte Woche knapp 20.000 Dosen, öffentlich, im Beisein der Gesundheitsministerin. Auch der Südsudan, Sierra Leone, Ghana, Uganda und die DR Kongo kündigten dies aus demselben Grund an. Die WHO ist diesbezüglich auf Zick-Zack-Kurs: noch vor einem Monat riet sie vor einer Vernichtung ab, jetzt empfahl sie das sogar.

von Kornelia Kirchweger

Ministerin wirft Impfstoffe ins Feuer

Die Vernichtung in Malawi fand medienwirksam und im Beisein von Gesundheitsministerin Khumbize Kandodo Chiponda in der pharmazeutischen Verbrennungsanstalt des Kamuzu-Zentralspitals in Lilongwe, statt. Sie wolle damit Transparenz demonstrieren und das Vertrauen der Menschen in die Impfkampagne stärken. Die Menschen sollen nicht glauben, sie bekommen „alte“ Seren – sie sind am 13. April 2021 abgelaufen.

Auf Twitter wird die Verbrennung minutiös dokumentiert, die Ministerin verfrachtete einige Pakete höchstpersönlich in den Ofen.

Auf einem weiteren Foto sieht man einen rauchenden Schlot, dazu kommentierte das Ministerium: „Die Impfstoffe werden nun zerstört“. 


Impfskepsis verzögert Ausrollung in Malawi

Die Seren waren Teil eines Kontingents von 102.000 Impfstoffen, die am 26. März auf Initiative der Afrikanischen Union (AU) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geliefert wurden. Bis zum Ablaufdatum blieben drei Wochen. Die Impfungen gingen nur langsam voran.

Einerseits herrscht im Land große Impfskepsis, andererseits gab es Verteilungsprobleme. In Malawi wurden bisher 300.000 Menschen geimpft. Ziel sind 11 Mio – also 60 Prozent der Bevölkerung. In Malawi sind 1153 Menschen an oder mit Corona gestorben. Die Corona-Fälle gehen täglich zurück.

60.000 Dosen im Süd-Sudan vor Vernichtung

Auch der Süd-Sudan will 60.000 Dosen AstraZeneca vernichten. Sie liefen ab, bevor sie überhaupt eingesetzt werden konnten. Ein Teil soll verbrannt, ein Teil zurück, an die Afrikanische Union gehen. Der Süd-Sudan hat Ende März 132.000 Dosen AstraZeneca Impfstoff über das Covax-Programm für ärmere Länder erhalten. Die Impfkampagne startete gerade, etwa 2.000 Personen, vor allem Mitarbeiter im Gesundheitsbereich, waren geimpft.

Im Land herrscht große Impfskepsis wegen möglicher Nebenwirkungen, u.a. Impotenz. Zudem mangelt es an Personal, das die Impfungen verabreicht. Im Süd-Sudan wurden bisher rund 10.500 Corona-Fälle registriert, es gab 114 Todesfälle. In Summe wurden 144.000 Menschen getestet. Im Süd-Sudan leben 12 Mio Menschen.

DR Kongo sitzt auf 1,7 Mio Dosen

Die Demokratische Republik Kongo gab bekannt, sie könne einen Großteil der über das Covax-Programm gelieferten 1,7 Mio. AstraZeneca-Dosen nicht verwenden. Aus ähnlichen Gründen, wie in den anderen Staaten. Sie laufen am 24. Juni ab. Bis Ende April wurden dort 1000 Dosen verimpft. Die Seren sollen jetzt an andere Länder, u.a. an Ghana und Madagaskar, gehen.

Auch Nigeria steht vor demselben Dilemma. Nicht verwendbare Kontingente sollen nach Togo und Ghana gehen. Einige gingen schon nach Jamaica. Nur Togo und Gambia haben, laut eigenen Angaben, alle erhaltenen Seren verimpft. 

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