Nanu? Offenbar scheinen die PR-Aktionen von Kanzler Kurz und den Seinen doch nicht so evidenzbasiert zu sein, wie er das gerne hätte. Denn zum wiederholten Mal stellt sich nun ausgerechnet ein Haus- und Hof-Experte der Regierung gegen deren umstrittene Massentests.

Möglichst viele Österreicher sollen sich testen lassen, um einen „Dauerlockdown“ zu verhindern. Nach dem dritten Lockdown gibt es eine zweite Schiene Massentests, wer nicht daran teilnimmt, muss eine Woche länger zuhause bleiben – mit derartiger Rhetorik und dem folgenden Aktionismus der Türkis-Grünen kann zumindest der Innsbrucker Infektiologe und Chefdirektor der dortigen Universitätsklinik für Innere Medizin, Günter Weiss, nichts anfangen. Er hält nämlich nur gezielte Testungen für zielführend. 

Massentests als falsches Instrument

Der Experte, der dem Beraterstab der Corona-Taskforce im Gesundheitsministerium angehört verweist sogar darauf, dass man die Nutzlosigkeit für die Beurteilung der Pandemie bereits am slowakischen Vorbild ablesen hätte können. Obwohl sich dort beinahe die gesamte Bevölkerung beteiligt hätte, gewönne man „nicht dem Eindruck, dass es irgendwas Positives für das Infektionsgeschehen gebracht hat„, zitiert der ORF den renommierten Mediziner aus Tirol.

Es hätte sich vielmehr um einen „Sturm im Wasserglas, der keinen nachhaltigen Erfolg gebracht hat“, gehandelt. Nicht einmal das in der Pandemie wortführende Robert-Koch-Institut empfehle Massentests, so Weiss. Die Antigen-Tests an asymptomatischen und gesunden Menschen seien nicht das richtige Instrument und zeigten die „Verzweiflung der Politik“. Tests brächten nur mit Maß und Ziel etwas: „Und nicht quer durch den Gemüsegarten.“

Steuergeld für Momentaufnahme verprasst

Neben der Wirkungslosigkeit solcher Aktionen stellte er zudem heraus, dass er die Massentests sogar für potenziell schädlich erachtet. denn: „Es ist eine gefährliche Message, wenn ich über die Medien quasi erfahre: ‚Geht testen – und dann ist Weihnachten gerettet‘.“ Immerhin sei ein negativer Test nur eine Momentaufnahme und sorge für falsche Erwartungshaltung. 

Weiters seien die Tests nicht besonders empfindlich, sie könnten daher nur einen Teil der Infizierten überhaupt herausfiltern. Er moniert auch den freigiebigen Umgang mit den dafür notwendigen Steuermillionen: „Für dieses Geld könnte man ein oder zwei Spitzenforschungszentren bauen und unterhalten – mit einem nachhaltigen Benefit.“

Weiss hofft auf Impfstoff und kritisiert Lockdown

Kritik übte er auch daran, dass die Regierung bereits zum dritten Mal auf einen Lockdown zurückgreift. Auf diese Art und Weise würde sie das Vertrauen der Bevölkerung verspielen. Bereits ein Drittel der Menschen im Land seien für Empfehlungen der Kurz-Regierung gar nicht mehr empfänglich. Dies liege auch an nicht nachvollziehbaren Entscheidungen, zu vielen Regeln, mangelnder Solidarität und „zu viel erhobenem Zeigefinger“.

Positiver blickt er indes der Impfung entgegen, seine Daten würden einen breiten Infektionsschutz anklingen lassen. Er geht von einem „sehr hochprozentigen Schutz“ aus – „zumindest mal für ein paar Monate“. Von einer „Normalität“ geht er trotzdem erst im Frühsommer aus. Andere Experten sind da kritischer und bezweifeln eine langfristige Wirkung des Impfstoffes. Teilweise führten teils erhebliche Nebenwirkungen bei ersten Testgängen in der englischsprachigen Welt bei vielen Bürger zu großer Sorge.