Der Fall um den 19-jährigen Afghanen Ehsan I. aus Ried im Innkreis sorgte für Aufsehen. Der junge Asylwerber befand sich bereits in Schubhaft, sollte außer Landes gebracht werden. In letzter Sekunde erkannte der Verfassungsgerichtshof (VfGH) aufschiebende Wirkung zu („Wochenblick“ berichtete).

Dann kommt raus: Der Lehrling wurde im vergangenen November 2017 rechtskräftig wegen Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Monat verurteilt. Die „Krone“ berichtete exklusiv.

Anschober „wusste das nicht“

Wie jetzt bekannt wurde, war die Verurteilung schon im Vorhinein bekannt – zumindest seinem Chef Michael Großbötzl. Das bestätigt er im Gespräch mit dem „Wochenblick“. Der grüne Landesrat Rudi Anschober hatte sich über Monate hinweg mit einer Kampagne gegen die Abschiebung von Asylwerbern in Lehre eingesetzt.

Mit ganzer Kraft versuchte auch Großbötzl, Chef eines Malereibetriebes und ÖVP-Gemeinderat in Ried im Innkreis, die Abschiebung seines Lehrlings zu verhindern. 

Anschober verärgert

Anschober sagt in einem Facebook-Posting, er habe nichts von der Verurteilung gewusst. Gegenüber dem „Wochenblick“ beschwert er sich über eine angeblich unangemessene Behandlung durch die Medien.

„Vor der gestrigen Berichterstattung hat es keinerlei Versuche einer Kontaktaufnahme und Rücksprache gegeben. Alle Medien, die es versucht haben, konnten mich zur Gegenfrage erreichen. Das Ergebnis ist untragbar. Dieser unkorrekte Vorgang lässt sich sicherlich nicht dadurch ausgleichen, dass nun im Nachhinein die Kommunikation gesucht wird“, ärgert sich Anschober gegenüber unserer Zeitung.

Unternehmen war Verurteilung bekannt

Großbötzl aber wusste von der Verurteilung und gibt dies im „Wochenblick“-Gespräch auch offen zu: „Als sein Chef wusste ich natürlich davon. Aber es handelt sich ehrlich gesagt um eine Bagatelle“. Er erklärt: „Ehsan hat mit einem anderen Afghanen gerauft. Und natürlich ist Gewalt grundsätzlich abzulehnen. Er hat aber von seiner Lehrlingsentschädigung finanzielle Wiedergutmachung geleistet.“ Ehsan sei seiner Einschätzung nach nicht gewaltbereit.

„Zweite Chance“

Dass es eher „unvorteilhaft“ war, gerade einen verurteilten Straftäter als „Vorzeigelehrling“ medial zu präsentieren, gibt Großbötzl zu. Er habe aber mit dem Lehrling ein eingehendes Gespräch geführt, ihn „sich zur Brust genommen“ und klar gemacht, dass „das so nicht geht“ und man sich an die Gesetze halten muss.

Das sei für ihn genug Anlass gewesen, ihm eine zweite Chance zu geben. Großbötzl spricht weiters von „Vorverurteilungen“, besonders in entsprechenden Postings in den Sozialen Medien.

Daten-Weitergabe „befremdlich“

Besonders ärgert sich Großbötzl über die Tatsache, dass ein Mitarbeiter des Bezirksgerichts Ried im Innkreis Informationen aus einem Strafakt an die „Krone“ weitergab und bezeichnet dies „gerade in Zeiten von verstärktem Datenschutz“ als „befremdlich“.

Ob die Verurteilung einen Einfluss auf das Asylverfahren nehmen wird, ist unklar: „Ein Vorteil ist es sicher nicht“, weiß Großbötzl.

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Wäre es sonst nie bekannt geworden?

Freiheitsstrafen von bis zu drei Monaten unterliegen einer so genannten „beschränkten Auskunft“. Das heißt: Sie scheinen im Strafregister nicht auf. Ohne die interne Info aus dem BG Ried wäre die Verurteilung also vermutlich nie an die Öffentlichkeit gekommen.

Insgesamt handelt es sich um drei Brüder, die von einer möglichen Abschiebung nach Kabul betroffen sind.

Ausgang unklar

Wie es weitergeht, ist unklar. „Es heißt jetzt abwarten bis zum Urteil“, so der Unternehmer abschließend.