Eine türkische Facebook-Gruppe mit dem bezeichnenden Titel „Österreich ist ein Topf, ich bin eine Schöpfkelle“ propagiert Busreisen ins türkisch-kurdische Kriegsgebiet. Der Reiseveranstalter dürfte die Erdogan-Partei AKP sein. Weitere Postings in der Gruppe weisen auf eine enge Verbundenheit mit ATIB und IGGIÖ hin. Administriert wird die Seite von einer „Austro-Türkin“ namens Barak Necla die auch andere Facebook-Seiten mit brisanten Inhalten betreibt. Mit an Bord ist auch der berüchtigte SPÖ und AKP-Aktivist Irfan Ünsal.

Die türkischsprachige Facebook-Seite „Österreich ist ein Topf, ich bin eine Schöpfkelle“ ist ein interessantes Beispiel für all die Parallelgesellschaften, die sich so unbehelligt wie unbeachtet neben der autochthonen österreichischen Bevölkerung gebildet haben. Nachdem außerhalb dieser Parallelgesellschaften kaum jemand deren Sprache spricht oder sich in ihren Gruppen bewegt, fühlt man sich sicher. Auf Facebook und anderswo werden von manchen Türken die extremsten Inhalte offen geäußert und verbreitet. Die mittlerweile sehr strengen Gesetze gegen „Hate Speech“ finden gegen Mitglieder dieser oft sehr homogenen Kulturgemeinschaften nicht zuletzt deshalb nie Anwendung, weil von außen keine Kontrolle stattfindet.

Die türkischen Soldaten unterstützen

Aktuell propagiert die genannte Seite Busreisen ins türkisch-kurdische Kriegsgebiet. Manche Beobachter werfen Präsident Erdogan und seiner AKP vor, dort Massenvertreibungen durchzuführen und Kriegsverbrechen zu begehen. Ob die Busreisenden beim Krieg „zusehen“ oder selbst mitmachen sollen, bleibt offen. Jedenfalls sollen sie dem Werbetext gemäß „die Soldaten unterstützen“. Klar ist hingegen, dass die Betreiber der Seite enge Kontakte zu den AKP-kontrollierten „Kulturvereinen“ der ATIB pflegen. Es dürften aber auch äußerst freundschaftliche Bande zur IGGIÖ bestehen.

Die sonstigen Inhalte der Gruppe sind hauptsächlich Treuebekundungen zu Erdogan oder religiöser Natur. Dabei werden auch „halal“-Großveranstaltungen in Österreich dokumentiert und zeigen die Größe, welche die türkische Parallelgesellschaft hierzulande bereits erreicht hat.

Irfan Ünsal, Aktivist für AKP und SPÖ

In der Gruppe sehr aktiv ist Irfan Ünsal, der als stramm türkisch-nationalistisch gilt und immer wieder mit entsprechenden Aktivitäten auffällt. Er ist Korrespondent des türkischen Senders Avrupa 7. In der Kronenzeitung wurden bereits Vorwürfe gegen Ünsal laut, er würde türkische Veranstaltungen in Österreich filmen und dokumentieren, welche nicht vom AKP-nahen Netzwerk organisiert werden. Das so gewonnene Material würde er an türkische Behörden weiterleiten. Ob dies bereits als Spionage zu werten wäre, müssten eigentlich Polizei und Gerichte klären – konkrete Ermittlungshandlungen sind aber nicht bekannt.

Ünsal tritt auch immer wieder in einem engen Naheverhältnis zur SPÖ auf. Er tritt abwechselnd in der Nähe von SPÖ-Bürgermeister Luger, SPÖ-Chefin Gerstofer aber auch für die AKP auf. Der linke Autor Thomas Rammerstorfer behauptet, Ünal würde immer wieder den Gruß der Muslimbruderschaft zeigen sowie Erdogan-Gegner Fethullah Gülen als „Juden“ oder „Armenier“ denunzieren.

Die offizielle Betreiberin der Facebook-Seite, Barak Necla moderiert außerdem „Necla ile Sokagin Sesi“ (Straßengeräusche mit Necla) und wirkt in vielen YouTube-Videos als Straßenreporterin mit. Sie interviewt hauptsächlich Türken in Wien und anderen österreichischen Orten – ausschließlich in türkischer Sprache.