Viele Gläubige schöpfen gerade in schwierigen Zeiten durch eine Pilgerfahrt neue Kraft – unzählige Marterl zeugen in unseren ländlichen Regionen von religiösen Verbundenheit und Dankbarkeit seitens des Volkes, um jede Prüfung zu bestehen. Am wohl bekanntesten Pilgerweg Europas ist dies künftig nicht mehr möglich – ein großer Teil des Jakobswegs wird wegen der Corona-Pandemie gesperrt. 

Es handelt sich dabei um einen Teil der spanischen Endstrecke der beliebten Pilger- und Wanderstrecke – nämlich jene 150 Kilometer, oder ein Fünftel der Wegstrecke im Land auf der iberischen Halbinsel, die sich in der Autonomen Provinz Navarra befindet. Das gilt allerdings nicht nur für den Hauptweg („Französischer Weg“), sondern auch für die zweite beliebte Variante („Aragonesischer Weg“, weil diese ebenfalls durch die Provinz führt. Das berichtet der ORF unter Berufung auf die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA).

Nach vielen Sommer-Pilgern derzeit keine Wallfahrt

Nachdem der Weg infolge der Maßnahmen der spanischen Regierung – das Land ist von der Pandemie derzeit am stärksten betroffen – bereits zwischen März und Juni und somit auch in der Osterzeit brachlag, dürfen ausgerechnet rund um Allerheiligen die Pilger also erneut nicht nach Santiago de Compostela. Denn der „Lockdown“ an der malerischen Wallfahrts-Strecke bleibt zumindest bis nach der ersten Novemberwoche aufrecht.

Dies ist für die ganze Region ein schwerer Schlag – insbesondere auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn am spanischen Abschnitt des Jakobswegs befinden sich zahlreiche Herbergen, in denen die Pilgerfahrer gerne übernachten oder einkehren. Sie müssen nun ihre Pforten schließen. Dabei hatte eine starke Pilgerbewegung die ursprünglichen Verluste abfedern können, in den Sommermonaten trafen über 40.000 Pilger in Santiago ein. 

Lockdown auch im Hinblick auf Heiliges Jakobusjahr?

Das die Gläubigen trotz aller Widrigkeiten sich so zahlreich auf den Weg begaben, liegt neben einem Ausspannen aus der bedrohlichen Gesamtsituation sicherlich auch daran, dass 2021 ein Heiliges Jakobusjahr ist. Davon spricht man, wenn dessen Gedenktag am 25. Juli – wie zuletzt 2004 und 2010 – auf einen Sonntag fällt. In solchen Jahren verzeichnet die Pilgerstrecke traditionell einen besonders starken Zulauf. 

Möglicherweise will man also durch den zweiten Lockdown auch sicherstellen, dass dieses ohne grobe Hindernisse vonstatten gehen kann – koste es im Herbst davor, was es wolle. Politische Insider spekulieren bereits seit Längerem, das wichtige europäische Tourismus-Destinationen einen regionalen Lockdown riskieren könnten, um in den jeweiligen Haupt-Saisonen möglichst ohne Beschränkungen auszukommen.

Lockdown für Jakobsweg – Radrundfahrt darf passieren

Für einiges Unverständnis in der Region sowie unter Experten sorgt indes, dass es für die die Spanien-Radrundfahrt „Vuelta“ dennoch eine Ausnahme gibt. Die diesmal in den Spätherbst verlegte und von 21 auf 18 Etappen verkürzte Veranstaltung fährt nämlich noch durch die Region – was allerdings zumindest ein wenig Geschäftstreiben in die Provinz im Nordosten Spaniens bringen dürfte.

Die zweite Etappe am gestrigen Mittwoch startete in Pamplona. Auf der Höhe von Estella kreuzte sie auf der Höhe von Estella den Jakobsweg, um in Lekunberri zu enden. Auch der Startort der heutigen dritten Etappe fand mit Lodosa in Navarra statt, der Tross verließ das Gebiet im Laufe des Tages aber in Richtung Kastilien. Mit dem aus Wels stammenden Felix Großschartner auf dem siebten Gesamtrang befindet sich auch ein heimisches Rad-Ass in aussichtsreicher Position (+1:17 Minuten).