Irfan Peci gilt als bekanntester Islamismus-Aussteiger im deutschsprachigen Raum. Vor der Angelobung der neuen Justizministerin Alma Zadić schockte er mit der Enthüllung, dass Zadić ein Grazer Islam-Zentrum besucht hat, in dem auch radikale Salafisten predigten. Im Interview verlangt der 30-Jährige, dass Zadić sich von der Moschee distanziert. 

Ein Interview geführt von René Rabeder

Renommierter Islam-Kenner

Es sei eine regelrechte Hasskampagne von Rechten, die derzeit über Österreichs neue Justizministerin Alma Zadić (Grüne) hereinbrechen würde. So schlimm, dass die Ministerin nun sogar Personenschutz der Polizei-Sondereinheit EKO Cobra in Anspruch nehmen muss. Ende vergangener Woche eilte Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Hilfe, sprach von einer vermeintlichen „Hasswelle“ gegen Zadić. Was war passiert? Kurz vor der Angelobung der neuen Regierung tauchte  im Internet ein Video des bekannten Islamisten-Aussteigers Irfan Peci auf, der darin die Frage stellt, ob die neue Justizministerin Kontakte zur Salafisten-Szene hätte. Tatsächlich zeigt Peci Bilder, in denen man die grüne Politikerin bei einem Besuch des umstrittenen „Islamischen Kulturzentrum Graz“ im September des Jahres 2019 zeigt. Dieses Zentrum ist weit mehr als eine Moschee.

Der Komplex ist neben Gebetshaus zudem Kindergarten, Jugendzentrum, Sportverein. Die Finanzierung des zwölf Millionen Euro teuren Zentrums ist undurchsichtig. Der Verdacht der eigentlich verbotenen Auslandsfinanzierung steht im Raum. Dass es Fotos der beiden Grazer Imame mit dem Botschafter der Vereinten Arabischen Emirate gibt, taugt laut Experten nicht gerade dazu, diesen Verdacht zu entkräften. Doch warum genau soll es ein Problem sein, dass die selbst aus Bosnien stammende Alma Zadić diese Moschee besucht hat? Und wer ist dieser Irfan Peci, der sie laut Mainstream-Medien gemeinsam mit der FPÖ und „extrem Rechten Gruppen“ mit dem radikalen Islam in Verbindung bringen will. Peci gilt heute als eine der renommiertesten Quellen, wenn es um den radikalen Islam geht. Das Kind jugoslawischer Einwanderer ließ sich in der Jugend selbst verführen, radikalisierte sich immer mehr. Eltern und Lehrer bemerken davon nichts. Bereits mit 17 wurde er zum Deutschland-Chef der „Globalen Islamischen Medienfront“, machte Propaganda für die islamistische Terror-Organisation Al-Kaida und rief zum Heiligen Krieg auf. Mit 19 wurde er vom BKA enttarnt, saß im Gefängnis und wurde als einer der wichtigsten V-Männer in der Islamisten-Szene für den Verfassungsschutz angeworben. Anfragen des Wochenblicks zu den im unten stehenden Interview aufgeworfenen Fragen wurden von Alma Zadić bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Wie passen Salafisten in das feministische Weltbild der grünen Zadić?

Wochenblick: Die jetzige Justizministerin Alma Zadić besuchte im September 2019 eine Moschee in Graz. Warum ist das in Ihren Augen problematisch? Handelt es sich hier um eine „Salafisten-Moschee“?

Peci: Ich sage nicht, dass es sich in Graz um eine „Salafisten-Moschee“ handelt. Ich würde sagen, es ist dort eher konservativ. Was aber problematisch ist und ich in meinem Video auch aufzeige, ist die Tatsache, dass dort regelmäßig radikale Salafisten eingeladen werden und predigen dürfen. Wie etwa der bekannte salafistische Prediger Adnan Mrkonjic, der schon öfter eingeladen war und gerne über weibliche „Sklavinnen“ referiert. Dort werden minderjährige Mädchen verhüllt und Koran-Wettbewerbe für Kinder aus Graz organisiert. Dort wird gepredigt, dass der Feminismus nicht mit der Sharia zu vereinbaren ist. Alles ganz offen, nicht geheim. Ich frage mich, wie das alles ins angeblich so feministische grüne Weltbild der Frau Zadić passen soll?

Könnte man ihr da eventuell einfach eine gewisse Naivität unterstellen? Dass Frau Zadić vielleicht gar nicht wusste, was in dieser Moschee alles geschieht?

Frau Zadić wurde selbst in Tuzla (Bosnien) geboren. Das ist eine echte Hochburg des radikalen Islams, des Salafismus. Sie kennt sich in diesem Bereich sicher aus. Viel wichtiger aber noch: Sie spricht die Sprache. Oft ist es in Moscheen ja so, dass harmlose Dinge auf Deutsch gesprochen werden – kommt es dann aber zu Themen, die die Österreicher nicht mitkriegen sollen, spricht man Bosnisch. Natürlich könnte man jetzt sagen, sie habe nichts gewusst. Aber sie weiß sicherlich über all diese Hintergründe Bescheid. Also hätte sie sich zumindest über das „Islamische Kulturzentrum Graz“ erkundigen müssen und hinterfragen, wer dort alles sonst noch eingeladen ist. Zumindest aber sollte sie sich jetzt im Nachhinein distanzieren, wenn sie ehrlich über die Vorgänge dort nichts gewusst haben will, aber das tut sie ja auch nicht.

Wo sehen Sie jetzt aber die konkrete Gefahr für die Demokratie? Genauer, warum hätte die Angelobung der Alma Zadić als Justizministerin verhindert werden sollen?

So ein hoher Besuch einer Spitzenpolitikerin wertet natürlich auf. Am Rande dieses Besuchs wurde sicher geplaudert und Visitenkarten ausgetauscht. Vielleicht ist man jetzt sogar per Du? Wenn wieder ein radikaler Islamist dort zu Gast ist, wird es von nun an bei Kritik heißen: Was wollt ihr denn? Bei uns war auch die Justizministerin persönlich zu Besuch. Wie soll da im Zweifelsfall in Zukunft vielleicht sogar ermittelt werden, wenn es jetzt persönliche Kontakte bis ins Justizministerium gibt?

Zadić selbst spricht von einer „Hass-Kampagne“ gegen ihre Person. Sie wird jetzt sogar von einer Sondereinheit der Polizei ständig bewacht. Wie sehen Sie das?

Völlig überzogen! Bei meinem Video zum Beispiel waren mindestens 95 Prozent der Kommentare sachliche Kritik. Lediglich zwei Kommentare habe ich gelöscht, weil diese unter der Gürtellinie waren. Niemand sagt etwas über ihre Herkunft oder ihren Glauben. Ich war selbst im Zeugenschutzprogramm. Damals gab es ganz konkrete Pläne, mich zu ermorden. Und auch jetzt bekomme ich aus Bosnien Drohungen, ich sei ein Verräter. Dass Frau Zadić deswegen extra beschützt wird, finde ich fast schon lächerlich. Es wundert mich jedenfalls nicht, dass der Auftrag dazu vom BVT kam. Das BVT kann man einfach nicht ernst nehmen, da spielt viel Politik rein. Ich würde gerne diese Gefährder-Analyse sehen, die da gemacht wurde. Aber ich bin mir sicher, die wird niemals öffentlich werden.