Unfassbar, was da jetzt durchsickerte: die Türkei will offenbar in einer getarnten Aktion 30.000 „Flüchtlinge“ und illegale Migranten ins albanische Nordepirus umsiedeln, um damit einen neuen Asylstrom über Griechenland, in die EU auszulösen. Befürchtet wird auch, dass mitgeschleuste Ex-Dschihadisten und Agenten dort eine zweite Destabilisierungsfront errichten könnten. Brisant: die EU-Beitrittsgespräche mit Albanien, in dem über die Hälfte der Bevölkerung muslimisch ist, sollen noch heuer starten. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz befürwortet das.

Von Kornelia Kirchweger

Geheime Arbeitsgruppe

Der albanische TV Sender „Top Channel“ berichtete schon letzten Sommer über eine geheime Arbeitsgruppe zur Errichtung von permanenten Migranten-Empfangs-Zentren bzw. Unterkünften an verschiedenen Grenzübergängen zu Griechenland. Laut Greek-City Times haben Ankara und Tirana kürzlich eine Art „Verteidigungs-Zusammenarbeit“ beschlossen, dessen Inhalt nicht veröffentlicht wurde. Man vermutet, dass darin auch ein Kapitel über die Umsiedlung von Migranten aus der Türkei nach Albanien enthalten ist. Dazu passen auch Berichte, wonach Albanien seit kurzem Flüge von und nach Tirana stoppte – ausgenommen Flüge von und nach Istanbul. Man vermutet, das habe mit diesem Plan zu tun.

„…mobile Bomben biologischer Kriegsführung“

Der griechische Oberstleutnant Christos Pougialis analysierte Mitte April die Situation auf SLpress.gr. Alleiniges Ziel dieser Migranten sei, in die EU zu gelangen, niemand wolle in Albanien bleiben. Die 300 km lange Grenzzone sei schwer zu bewachen, es sei einfach, nach Griechenland zu gelangen und dort Asyl zu beantragen. Der Oberstleutnant sprach von „mobilen Bomben der biologischen Kriegsführung“. Denn er vermutet, Erdogan werde absichtlich auch Corona-Infizierte schicken. Der Transfer einer ersten Migranten-Gruppe dürfte bereits erfolgt sein. Diese wurde nämlich bereits in Thessaloniki aufgegriffen und festgesetzt.

Zweite Front gegen Griechenland

Pougialis vermutet, dass die Türkei auch eigene Agenten und vormalige (bewaffnete) Dschihadisten mitschleusen werde. Dies, um entlang der Grenzlinie eine zweite Angriffsfront für hybride oder normale Kriegsführung zu eröffnen. Die erste Front bleibe weiterhin Evros und die Ägäis. Wie bekannt, belagerten bis vor kurzem tausende Migranten die Evros-Grenze und attackierten griechische Soldaten. Der Oberstleutnant vermutet auch, dass von türkischen Agenten angeführte Banden griechische Häuser und Dörfer in Epirus verwüsten könnten und die griechische Bevölkerung endgültig vertreiben, was im Sinne Albaniens sei.

Der lange Arm Erdogans

Brisant ist das Ganze auch, weil Albanien sich damit zum verlängerten Arm Erdogans und dessen EU-feindlicher Strategie macht. Trotzdem will Brüssel, nach mehrmaligen Verschiebungen, noch heuer EU-Beitrittsverhandlungen mit Albanien aufnehmen. Neben Bundeskanzler Kurz befürwortet das auch Griechenland. Oberstleutnant Pougialis vermutet, die griechische Regierung kenne den Erdogan-Rama Plan nicht und sei sich dieser Bedrohung nicht bewusst. Umso mehr müsse man sich dagegen wappnen. Griechenland solle Druck auf Albanien ausüben, damit an der nord-westlichen Grenze keine weitere Einwanderungsfront entsteht. Es solle zudem die Möglichkeit von Asylanträgen auf unbestimmte Zeit einfrieren, um ein Eindringen der Migranten in die EU zu verhindern.