Österreichs Kunst- und Kulturszene war bis vor einem Jahr noch auf streng politisch-korrektem Kurs. Corona und die damit verbundenen existenziellen Probleme haben aber mittlerweile bei einigen bislang systemkonformen linken Staatskünstlern einen gewissen Nachdenkprozess ausgelöst. Doch schon zuvor gab es unbeirrbare Einzelkämpfer, die sich der linken Kulturpolitik und dem Diktat des zeitgenössischen Kunstbetriebes nicht gebeugt haben. Dazu ist zweifelsohne der vielseitige Musiker und Komponist Alexander Blechinger zu zählen, den der „Wochenblick“ zum Exklusivinterview getroffen hat.

Von Konrad Reisinger

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Ich besuche Herrn Blechinger in seinem schmucken Heim im Südwesten der Bundeshauptstadt, wo er mich gewissermaßen in seine „heil’gen Hallen“ eingeladen hat. Der quirlige, sympathische Wiener erzählt mir von seinem musikalischen Werdegang, der zu jener Zeit begann, als sich die Beatles trennten: Der vierzehnjährige Gymnasiast gründete mit Mitschülern eine Band, wo er nicht nur sang und Elektro-Orgel spielte, sondern bereits erste Kompositionsversuche unternahm. Bald war klar, dass Blechinger Junior – entgegen den Wünschen seines Vaters, eines Druckunternehmers – Musiker werden wollte. So studierte er nach der Matura u. a. an der damaligen Wiener Musikhochschule Tonsatz, Komposition, Gesang, Klavier und erlernte bei Generalmusikdirektor Otmar Suitner das Dirigieren. An der Musikhochschule gab es damals zwei Lager: die Progressiven wie Friedrich Cerha, bei dem er Komposition studierte, und die eher Konservativen.

Verarmung der Musikkultur

Für Blechinger wurde bald klar, dass er in keine der beiden Schubladen passte, da er eigene musikalische Wege einschlagen wollte, und so kam es 1982 zur Gründung eines Vereins, der sich zur Aufgabe setzte, schöne neue und beliebte klassische Musik dem Publikum darzubieten. Zu dieser Zeit, erzählt mir Blechinger, gab es kein Forum für Werke, die Schönheit als gemeinsamen Nenner beinhalteten, seine Forderung nach „schöner neuer Musik“ wurde von anderen Komponisten als Provokation empfunden. Was Schönheit für ihn wäre, frage ich nach – und er antwortet mir souverän mit Goethe: „Das Schöne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die uns ohne dessen Erscheinung ewig wären verborgen geblieben“. Darauf zu verzichten, würde eine Verarmung der Musikkultur bedeuten. So haben sich die Musikenthusiasten der „Harmonia Classica“, deren künstlerischer Leiter Alexander Blechinger bis heute ist, in den letzten Jahrzehnten einen Namen bei all jenen gemacht, die politisch wie musikalisch mit dem Zeitgeist wenig am Hut haben. Über 40 CDs – immer auch mit Blechingers Kompositionen – sind bislang entstanden, rund 180 Konzertprogramme hat „Harmonia Classica“ aufgeführt – es gibt sowohl eine eigene Vereinszeitung als auch eine Netzpräsenz

Schicksale der Vertriebenen

Aus Blechingers Oeuvre sind vor allem das Oratorium „Die Vertriebenen“ einem breiteren Publikum bekannt geworden, das 2001 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins uraufgeführt wurde (Ehrenschutz: Otto von Habsburg und Dr. Josef Pühringer). Das bewegende Oratorium für Sprecher, Solisten, Chor und Orchester schildert das Schicksal der 17 Millionen vertriebenen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Eindringlichkeit, die zu Tränen rührt. Ein zweites Oratorium „1919 Märzgedenken“, das den Beginn des Leidensweges der Sudetendeutschen realistisch schilderte, behandelt ebenfalls das Schicksal der Vertriebenen. Wenig bekannt ist hingegen seine erfolgreiche Tätigkeit als Filmkomponist, so hatte er z.B. einen großen Teil der Folgen der Kinderzeichentrickserie „Tao Tao“ musikalisch untermalt.
Auch seine Oper „Max und Moritz“, die im Römersteinbruch in St. Margarethen uraufgeführt wurde, zählt Blechinger zu seinen großen Würfen, „allerdings mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie er mir erklärt. Denn die Oper sei auf Interesse eines Stardirigenten gestoßen – eine Aufführung durch diesen hätte einen weltweiten Durchbruch bedeutet – dennoch scheiterten die Verhandlungen mit einem großen Opernhaus kurz vor Abschluss. Ein Zufall? Gegenwind und keine Gegenliebe vom linksdominierten Kulturbetrieb ist Blechinger jedenfalls gewohnt. So wurde es für die „Harmonia Classica“ in den letzten Jahren immer schwieriger, geeignete Konzertsäle zu finden – trotz großen Publikumsinteresses.

Schwieriges Jahr durch Corona

Das letzte Jahr war auch für „Harmonia Classica“ durch den Corona-Wahnsinn getrübt, doch konnten die zuletzt geplanten Konzerte immerhin live gestreamt stattfinden. „Wahre Kunst kapituliert nicht!“, kommentiert Blechinger die Lage kämpferisch und erklärt, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturschaffenden gewohnt sei, Schwierigkeiten zu überwinden – und den Herrschenden würde er ohnehin schon lange nichts mehr glauben. Gegen die Corona-Lügen und -Panikmache der Regierenden schrieb Blechinger daher auch ein eigenes Lied, „Ihr habt uns 1000x belogen“, bei dem er einen Schlager von Andrea Berg satirisch verarbeitete. „Vielleicht“ resümiert der vitale, vor Ideenreichtum nur so sprühende Komponist, „sollte man Corona auch als Nachhilfestunde für all jene sehen, die bislang gerne den Kopf in den Sand gesteckt oder mit den Wölfen geheult haben – insbesondere die Kulturschaffenden.“ Vielleicht… Nach dem gut zweistündigen Gespräch mit Blechinger bin ich eher geneigt, an eine glückliche Wende zu glauben. In jedem Fall tut es gut, endlich wieder einmal einen „kolossalen Optimisten“ getroffen zu haben!

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