Bald steht er wieder an, der Preisregen in der Kulturszene. Oscars, Grammys, goldene Bären, Romys u.v.a. prasseln ein auf würdige Träger dieser Auszeichnungen. Und wehe einer erweist sich als nicht so würdig. Aber keine Angst, da siebt das künstlerische Kollektiv schon im Vorfeld streng etwaige Gedankenverbrecher aus.

Ein Gastkommentar von Bernhard Riegler

Stramm auf Willkommens-Linie gebracht

Ich erinnere mich noch gut an das traumatisierende Erweckungserlebnis im Februar 2016 im Berlinale-Palast. Einer meiner Helden, der großartige Kameramann Michael Ballhaus, bekommt den Goldenen Bären für sein Lebenswerk.

Ein Künstler aus einer anderen Epoche, die aber heute fast nur bedeutungslos verblasst in den neuen, gewichtigeren One World Zeiten. Laudator Frank-Walter Steinmeier und Moderator Rainer Maria Jilg rauben mit ihrer Anwesenheit dem Moment viel von seinem Licht.

Jeder gute Bürger hat jetzt die Pflicht, die Invasion zu bejubeln, mahnen sie. Mutter Merkula und das System kontrollieren sehr genau, wer da so eifrig sein Fähnchen schwenkt.

Refugees als Sinn des Lebens

Jilg, mitgerissen von der Euphorie des Augenblicks, wagt sich weiter vor, reckt keck das geballte Fäustchen und plärrt mit kippender Stimme ins Auditorium: „ALL FOR THE REFUGEEEES!“ Der Saal rast!

1.500 ebenso flaumbärtige, genderfluide, gretaartige, vegane Hornbrillenträger und grüne Gören hören die Signale, brechen aus ihrer schuldkultgebeugten Apathie heraus, erkennen plötzlich Sinn im Dasein, bäumen sich auf in ekstatischer Begeisterung, nässen ihre Höschen und kreischen hysterisch bedingungslose Zustimmung zum totalen Flüchtlingsglück: „JA, JAAA, JAAAAA!“

Dieser Ausbruch erwischt mich kalt, ich kralle mich an meinen Sitz, um von diesem Orkan der Fremdenliebe nicht wie die kleine Dorothy ins magische Land Oz geblasen zu werden. Oder bin ich am Ende gar schon dort?

Alle machen dabei mit

Die Mekkas dieser Elite sind bekannt und austauschbar, die zentrale Botschaft nicht: nur linke Ansichten sind gut! Kunst darf nicht traditionalistisch sein, muss nicht gefallen, aber frei und divers sein!

Sätze, die, mit reichlich finanzieller Muttermilch aus öffentlichen Zitzen, schon den kleinen Kulturferkeln eingeimpft werden. Der Kodex verlangt rigorose Unterwerfung. Vom Kabelträger bis zum Star: die gute Kunstarbeiter*in ist entweder weltoffen und tolerant oder auf der schwarzen Liste.

Wie sieht das die echte Welt?

Wenn sich dieses Klüngel von Spitzenverdienern, Privatschulerziehenden und Frauenvolksbegehrern in diesem Frühjahr wieder selbst feiert, hämisch die Regierung verspottet, den bösen Donald in den Dreck zieht, gegen abtrünnige Kollegen und Stacheldraht in den Köpfen wettert, offene Grenzen und reichlich Zaster für jedermann fordert, wer denkt dann an die Opfer dieser Attitüden?

Was sagt die alleinerziehende Mutter, die sich im verslumten Floridsdorf an der Supermarktkasse für kleines Geld abrackert, ihrem Schlüsselkindsprößling, der als autochthoner Fremdkörper in der Dritteweltschule seine Zukunft verspielt, über Chancengleichheit? No border, no nation, no deportation? Wohl kaum.