Abartiger TikTok-Trend: „Messy Dinner“

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Entwertung des Essens als kulturelle Errungenschaft

Abartiger TikTok-Trend: „Messy Dinner“

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Ein aktueller, ekelerregender Hype „trendet” derzeit auf TikTok, der die Degeneration durch soziale Medien ebenso eindrucksvoll belegt wie das unaufhaltsame Zurückdriften des Westens in die dekadete Barbarei: Beim sogenannten „Messy Dinner“ wird das Essen nicht mehr auf Tellern serviert, sondern als Ganzes auf einen mit Klarsichtfolie überzogenen Tisch gekippt. Messer und Gabel werden zwar gerade noch benutzt – allerdings müssen alle Anwesenden gleichzeitig in dem Mahlzeit-Berg herumstochern.

„Mit Essen spielt man nicht“ war einst ein Merksatz für Generationen, der auch Demut gegenüber ausreichend vorhandenen Lebensmitteln und Abhandensein von Hunger widerspiegelte. Davon ist in einer fettgefressenen westlichen Wohlstandsgesellschaft, die zwar Verzicht, Nachhaltigkeit und soziales Gewissen predigt, aber wie die Maden im Speck lebt, nichts mehr übriggeblieben, wenn man die „Messy-Dinner“-Akteure auf den digitalen Selbstdarstellungsplattform verfolgt. Deren Treiben kann man schon nicht mehr als spätrömische Dekadenz, sondern als westgotische Primitivität bezeichnen.

Hier ein Beispiel:

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Entwertung des Essens als kulturelle Errungenschaft

Ein schleichender Verfall der Esskultur lässt sich dabei seit Jahren beobachten. Die Entwicklung zum schnellen Herunterschlingen von Fast Food oder anderen wenig nahrhaften Erzeugnissen, das Verlernen der Fähigkeit, zu kochen und die immer seltener werdenden gemeinsamen Mahlzeiten haben bereits zu einer Entwertung des Essens als kulturelle Errungenschaft geführt.

Der spanische Starkoch Ferran Adrià klagte bereits vor Jahren: „Zum ersten Mal erleben wir in Europa eine Phase ohne Hunger, einen historischen Wendepunkt im Verhältnis von Kochen und Gesellschaft. Essen und Kochen ist keine Überlebensfrage mehr – doch gleichzeitig ereignet sich ein Skandal: die völlige Entwertung der Ernährung!“ Und weiter: „Essen ernährt auch die Seele, nicht nur den Körper. Gut kochen und gemeinsam genießen ist ein integrativer Bestandteil der Gesellschaft.“

Im Zuge der Corona-Krise stellte auch der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) fest: „Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die Kochkompetenz der Deutschen drastisch sinkt.” Das stelle viele Menschen nun, wo die Restaurants geschlossen haben, vor erhebliche Probleme.

Begrenzte Kochkünste

„Der Wegfall des Angebots von Schnellrestaurants, Pommes-Buden und Italiener-um-die-Ecke wirft die Leute nun dramatisch zurück auf ihre eigenen Kochkünste. Und die sind begrenzt”, so BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. In den Familien werde kaum noch vermittelt, wie man eine Mahlzeit aus mehreren Komponenten zubereite. Wenn überhaupt, werde fast nur noch am Wochenende gekocht, so Minhoff, „dann eher als Event und nicht als Teil einer gewöhnlichen Nahrungsaufnahme“

Da passt der neue „Messy-Dinner”-Trend, der – wenn er sich durchsetzt – wie ein weiterer Sargnagel für eine verfallende Tradition wirken dürfte, wie die Faust aufs Auge. Hier wird zwar noch gekocht, dafür ähnelt der Verzehr jedoch einer Sauherde, die sich vor dem Trog versammelt. Damit ist zumindest das Niveau jener, die daran teilnehmen, passend abgebildet.

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