Als mit dem Uridil der Starkult begann

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Als mit dem Uridil der Starkult begann

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Die Fußballsaison strebt alle Jahre wieder ihrem Höhepunkt zu, sprich dem Finale der Champions League am 4. Juni in Cardiff zwischen Real Madrid und Juventus Turin. Ein milliardenschweres Unternehmen, das von UEFA und FIFA gewinnträchtig betrieben wird, hat einen seiner großen Zahltage.

In den Bilanzen stehen Begriffe wie Fernseh- und Werberechte, Transfersummen, Spielergagen… Und Fußball wurde und wird auch gespielt, damit diese Weltsportart weiterhin ihren Profit abwirft.

Alte Fachsprache

Man kann das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen, aber ein nostalgischer Rückblick in die Zeiten, die noch von einer urigen „Fachsprache“ geprägt war, sei erlaubt.
Man denke an Fetzenlaberl, Ballesterer, Goi-Esel (heute: Tormann, Keeper), Autwachler (heute: Linenrichter, offiziell gar Schiedsrichter-Assistent), Ballschanis oder Torstangl-Bewässerer und habe Mitleid mit all jenen Möchtegern-Uridils, die „nicht einmal einen Hydranten überspielen können“.

Eigenes Uridil-Lied

Soeben wurde ein Name genannt, der den heutigen Fans so gut wie nichts mehr sagt. Und doch war dieser 1895 in Wien geborene Josef „Pepi“ Uridil, einer der legendärsten Rapid-Spieler aller Zeiten, ein Kicker, mit dem der Starkult begonnen hat. Ein treffsicherer Sportler, der als Werbeträger, Filmstar oder Couplet-Sänger vermarktet wurde. Für ihn texteten in seiner Glanzzeit in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Dr. Robert Katscher und der berühmte Hermann Leopoldi das Lied „Heute spielt der Uridil“ mit dem damals sattsam bekannten Refrain „Heute spielt der Uridil, Uridil, Uridil. Man kann sagen, was man will, so wundervoll trifft keiner mehr ins Goal! Jawohl!“ Mit Werbe-Einnahmen hat der Fußball also seit jeher gelebt. Kein Wunder daher, dass man heutzutage die Fußballplätze längst in den Rang von Stadien, ja Arenen erhoben hat, denen zahlungskräftige Versicherungen oder andere reiche Unternehmen ihren Namen geben. Die Zeiten einer Pfarrwiese (Hütteldorf/Rapid) oder einer „Gruabn“ (Graz/Sturm) sind vorbei. Und weil der Fußball dem Groscherlgeschäft längst entwachsen ist, zahlt man in diesen multifunktionellen Freizeitzentren nicht mehr bar, sondern lässt von einem Ladebon abbuchen.

Schoko-Dandler

Blenden wir zurück in ein Stadion vor 40 oder 50 Jahren: Da schlängelte sich der geschickte Zuckerl- und Getränkeverkäufer durch die Reihen, und wenn er kein Kleingeld zum Herausgeben hatte (was sehr oft der Fall war), rückte er eine Tafel „Bensdorfer“ heraus: „Do host hoit an Tschuklad…“ So eine Wechsel-Schokolade hatte sicher schon viele solcher Transaktionen auf den Rippen, wurde sie doch von den meisten Käufern gleichsam als Trinkgeld hinterlassen.

“Schofkasliga”

Heute sind, der Sicherheit und Ordnung halber, die Stadien für rivalisierende Fangruppen genau unterteilt. Das war in Zeiten der echten Lokalderbies noch anders. Da machten es sich die Fans noch mündlich und handgreiflich auf den Stehplatzrängen oder nach dem Match auf Wiesen und Äckern aus.
Nostalgie, wohin man blickt. Wenigstens ein paar originelle Namen haben sich erhalten, zum Beispiel die „Schofkasliga“, eine 2. Klasse im Ennstal, oder die „Marillenliga“ (2. Klasse Wachau). Doch selbst dort haben schon so manche „Legionäre“ Einzug gehalten…

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