Bier: Wenn alte Technik zur Spezialität wird

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Bier: Wenn alte Technik zur Spezialität wird

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Hopfen und Malz, Gott erhalt’s! Die Geschichte des Biers reicht Tausende Jahre zurück. In Österreich ist es wie auch in einigen anderen europäischen Ländern das Traditionsgetränk schlechthin. 105 Liter Bier werden hierzulande pro Jahr und Kopf getrunken, womit wir nach Tschechien und Deutschland Platz drei beim Bierkonsum in Europa einnehmen.

Ein Bericht von Elsa Mittmannsgruber

In Oberösterreich gilt das Mühlviertel als eine besondere Bierbrau-Region. Dort liegt auch die älteste Brauerei Österreichs: Das Landbrauhaus Hofstetten in St. Martin im Mühlkreis. Seit beinahe 600 Jahren entsteht dort bereits der sprudelnde Gerstensaft.

„Wochenblick“ auf Entdeckungstour in Österreichs ältester Brauerei im Mühlviertel

Wenn alte Technik zur Spezialität wird
Foto: Wochenblick

Es staubt, rattert und klopft, als Hofstetten-Chef Peter Krammer die alte Malzmühle unterm Dach des Hofes einschaltet. So wie das dazugehörige Sudhaus hat die Anlage bereits hundert Jahre am Buckel und ist nach wie vor in Betrieb. Jedoch seit einem Jahr nur noch für Spezial-Biersorten. Denn im April 2016 investierte die Brauerei Hofstetten 1,5 Millionen Euro in moderne Technik, die die alten Maschinen zum großen Teil ersetzten.

Der Wartungs- und Personalaufwand war enorm und die Bier-Nachfrage stieg stetig. „Wo vorher ein Mitarbeiter sechs Stunden dabeistehen musste, muss er dies jetzt nur noch eine Stunde. Zudem gibt es keine Ersatzteile mehr für solche Anlagen und kaum jemand kann diese noch reparieren. Dennoch wollen wir sie weiterhin instandhalten und brauen einmal im Monat im alten Sudhaus“, erklärt Bierpionier Peter Krammer.

Bier seit fünf Generationen

Wenn alte Technik zur Spezialität wird 3
Foto: Wochenblick

In den 800 Jahre alten Mauern braut die Familie Krammer bereits in fünfter Generation Bier. Dabei entwickelt sie immer wieder neue, kreative Sorten. Vergangenes Jahr entstanden 16 verschiedene Kreationen im Umfang von 7.800 hl Bier. Eines der ganz besonderen Art ist der „Granit-Bock“, der in mehr als hundert Jahre alten Granittrögen heranreift. Der Granit-Bock ist auch eines der Spezial-Biere, die noch in den alten, bronzefarbenen Bottichen und Kesseln gebraut werden. „Jedes Jahr werden zwischen Jänner und März 300 hl Granit-Bock hergestellt.

Das geht auch immer nur in der kalten Jahreszeit, da es zwei Wochen offen im tiefen Gewölbekeller in den alten Steintrögen gären muss, um anschließend fünf Monate zu reifen“, schildert Braumeister Krammer und lüftet zugleich das Geheimnis der unverwechselbaren Karamell- und Röstaromen im dunklen Bock: „Granitzwecken werden über offenem Feuer zum Glühen gebracht. Wenn diese dann in das Bier getaucht werden, karamellisiert der Zucker der Würze an den heißen Steinen.“

Äußerst kreatives Handwerk

„Die Welt des Bierbrauens ist so groß, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, weiß Peter Krammer, dem gerade die Vielfalt des Brauens besonders fasziniert. Mit seinem Wissen über das Traditionsgetränk könnte er Bände füllen. Über viele Jahre eignete er sich dieses auf Basis des familiären Wissensschatzes selbst an, obwohl er anfänglich in den Beruf „eher ein bisschen reingestoßen“ wurde, wie er sagt.

Doch dann begann er sich immer mehr für das Brauen zu interessieren, bis schließlich sein Kampfgeist geweckt wurde: „In den 1980iger-Jahren ist die Brauerei wirtschaftlich schlecht dagestanden, wir mussten sie beinahe schließen. Das war dann die Motivation für mich, dass man etwas mit so einer langen Geschichte nicht einfach zudrehen kann“, erinnert sich der Hofstettner-Inhaber. „Als ich Neues hineinbringen wollte, hatten wir den klassischen Generationenkampf.

Dennoch haben wir dann vieles verbessert und investiert. Die Nachfrage wurde immer größer und unsere Tanks zu klein“, ist Peter Krammer, der mit seiner gesamten Familie am Hof wohnt, stolz. Nach wie vor ist er stets bemüht, im direkten Austausch mit seinen Kunden zu bleiben und das Landbrauhaus weiterzuentwickeln. Das Jahrhunderte alte Wissen wird dabei stets bewahrt und über die Lehrlinge im Betrieb weitergegeben.

Bier-Patent und Regionalität

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Foto: Wochenblick

Besonders stolz ist der zweifache Familienvater Peter Krammer auf die biologischen und regionalen Zutaten in seinen Produkten. „Einen Teil der Gerste, die für unser Malz verwendet wird, kommt seit 2012 erstmals wieder aus der eigenen BIO-Landwirtschaft“, freut sich der Braumeister. Die restlichen Rohstoffe stammen ebenso überwiegend aus der Region.

Umso mehr verärgert Krammer der derzeitige Streit um die Patente auf Biergerste. Die Großkonzerne Heineken und Carlsberg brachten nämlich bereits drei Patentanträge auf eigens gezüchtete Gerstenpflanzen, ihre Ernte sowie alle damit erzeugten Produkte ein. Für den Hofstettner-Chef geht dies am Grundrecht vorbei. Er betrachtet vor allem die Patentierung von Saatgut kritisch.

Kleinere Betriebe geraten damit in Gefahr, da sie sich keine Registrierung und Lizenzierung von Saatgut leisten können. Die Großkonzerne sichern sich so einen beschränkten Markt an Rohstoffen. Krammer befürchtet, dass die drei Patente auf Braugerste nur der Anfang sein könnten.

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