Reportage: Dichtes Gedränge auf raren öffentlichen Natur-Badeplätzen

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OÖ: Viele Seeufer schon dicht verbaut

Reportage: Dichtes Gedränge auf raren öffentlichen Natur-Badeplätzen

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Sommerzeit ist Badezeit, auch für die Oberösterreicher, die es in diesen Tagen wieder an die mehr als 40 Seen im Salzkammergut zieht. Diese warten auch alle mit einer hervorragenden Wasserqualität auf, doch die öffentlichen Badeplätze an unseren Lieblingsgewässern sind rar.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

Vom Ufer des 19 Kilometer langen Attersees sind nämlich 76 Prozent in Privatbesitz. Frei zugänglich sind nur noch 13 Prozent und der Rest sind Naturuferzonen, die sich nicht als Badeplätze eignen. Nicht sehr viel anders sieht es am Mondsee, Traunsee und Wolfgangsee aus. Am 10,3 Kilometer langen See mit der Rössl-Gemeinde St. Wolfgang sind „nur“ 51 Prozent des Ufers in Privatbesitz, trotzdem sind lediglich 16 Prozent öffentlich zugänglich.

Handtuchgroße Badeplätze

Vom elf Kilometer langen Mondsee mit seinen 54 Prozent privaten Uferzonen kann die Bevölkerung nur noch acht Prozent der Gestade zum Baden nutzen, während es am zwölf Kilometer langen Traunsee immerhin noch 18 Prozent sind. Doch auch auf dem zweitgrößten See Oberösterreichs sind 43 Prozent des Ufers in privater Hand.

So kann man im Salzkammergut zwar gut lustig sein, wie es in dem bekannten Operettenlied heißt, doch gut baden können dort nur jene Menschen, die Bekannte oder Verwandte mit einem Seegrundstück haben, resümieren Salzkammergut-Fans. Sie müssen sich in Ferienzeiten in den meist überfüllten Seefreibädern oder auf den wenigen zugänglichen und oft nur handtuchgroßen Uferplätzen drängen.

Wer als Tourist halbwegs angenehm baden möchte, bucht entweder ein Hotel mit eigenem Strand oder parkt sein Wohnmobil auf einem der Campingplätze an den Seen. Gut dran sind auch Bootsbesitzer mit eigenen Liegeplätzen. Allen anderen bleiben jene Liegeplätze an den Ufern, die Land und Gemeinden vorsorglich schon vor Jahren dem privaten Zugriff entzogen haben.

Land muss helfen

Viel zu wenig und viel zu spät, klagen nicht nur Oberösterreichs Grüne, die einen weiteren Ausverkauf der Ufergrundstücke und die Umwidmungen von Grünland in Bauland stoppen wollen. Dabei zählen sie auf die Hilfe des Landes, das zur Zeit gerade „ein mögliches Engagement beim Vorderen Langbathsee prüft.“

Dieses idyllische Badegewässer in der Nähe des Ortes Ebensee ist zweifellos ein Naturjuwel und von daher auch ein gefragter Erholungsraum für Einheimische und Touristen. Nun soll dort aber ein 4.600 Quadratmeter großes Ufergrundstück verkauft werden, weshalb die Gemeinde Schlimmstes befürchtet. Sollte damit wieder ein schönes Uferareal für die Allgemeinheit verloren gehen?

Tourismuslandesrat Markus Achleitner weiß, dass so etwas nicht passieren darf. Bis zum Herbst will er nun ventilieren, in welcher Form sich die öffentliche Hand dort engagieren sollte. Dazu Volkes Stimme: Was gibt es da noch zu überlegen? Oberösterreich habe doch erst im April dieses Jahres den freien Seezugang als so genannte Staatszielbestimmung in der Verfassung verankert. Zudem plädieren die Grünen dafür,  den Bundesforsten den Verkauf von Gründen zu erschweren. Dass diese auch jede Menge Gründe verpachten, erscheint manchen schon frevlerisch genug.

Alles wird genutzt

Seit einem Jahr etwa haben die Bundesforste auch die ehemalige Kaiservilla am Westufer des Vorderen Langbathsees samt Ufergrundstück in Pacht vergeben und es ist nicht anzunehmen, dass man dort als zufällig des Weges kommender Spaziergänger schnell in den See hüpfen darf, um sich zu erfrischen. Ansonsten braucht man an diesem Gewässer schon akrobatisches Geschick, um entlang des restlichen und zum Teil dicht verwachsenen Ufers die wenigen betretbaren Mini-„Lichtungen“ als Sitzbadeplatz nutzen zu können.

Von daher hält sich der Ansturm auf den Vorderen Langbathsee auch in Grenzen, und daher erscheint es umso notwendiger, sein Ostufer für die Öffentlichkeit zu erhalten. Doch trotz der vielfach und allerorten verstellten Seeufer samt dazugehöriger Betretungsverbotszonen hat die erfahrene oberösterreichische Freibadegesellschaft im Laufe der letzten 30 Jahre ihre kleinen oder auch größeren zur  Badebenutzung erlaubten Plantsch-Areale für sich gefunden.

Jeder hat da so seine Favoriten, allein für den Attersee listet das Land Oberösterreich etwa 20 Volksbadeplätze auf. Andere bevorzugen die Badestrände von Mondsee oder Wolfgangsee – alles eine Glaubensfrage. Die wenigsten Oberösterreicher vermögen sich jedoch für ein erfrischendes Bad im Traunsee zu erwärmen, wie eine Wochenblick-Blitzumfrage ergab, weil ihnen dieser dann doch zu erfrischend sei. Sogar eingefleischte Gmundner weichen zum Schwimmen gern an den ihrer Auffassung nach wärmeren Attersee aus, der ihnen mehr Glück beschert als ihr Heimatsee „lacus felix“. Es scheint aber ebenso viele Menschen zu geben, die gegenteiliger Ansicht sind, vermutlich auch aus lokalpatriotischen Gründen.

Warmer Hallstättersee

Im Hallstättersee will meiner Umfrage zufolge, die keineswegs repräsentativ ist, überhaupt niemand baden. „Zu kalt“, hieß es, obwohl die am Mittwoch voriger Woche gemessene Temperatur mit 23 Grad Celsius angegeben wurde. Damit war er mit dem Wolfgangsee der wärmste See des Landes. Mondsee und Attersee hatten nur um einen Grad weniger und vom Traunsee wurde ein 21 Grad warmes Gewässer gemeldet. Aber auch das ist den Leuten in Oberösterreich noch zu kalt. Die ganz Harten im Lande könnten ihre Erfüllung beim Schwimmen am Ostufer des glasklaren Almsees finden mit einer Temperatur um die 18 Grad.

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