Exklusiv-Interview: Polizeiopfer spricht nach brutaler Festnahme bei Wien-Demo

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"Sie knieten auf meinem Rücken und drückten mich brutal zu Boden!"

Exklusiv-Interview: Polizeiopfer spricht nach brutaler Festnahme bei Wien-Demo

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Inhalt

Es sind Szenen, die unter die Haut gehen. Eine zierliche Frau wird von mehreren Polizisten gewaltsam zu Boden gedrückt. Sie knien auf ihrem Rücken und biegen ihre Arme zur Seite. Rufe wie “Lasst die Frau los! Lasst die Frau los!” sind zu hören. Nein, es sind keine Szenen aus einem anderen Staat. Es sind Szenen, die sich in Österreich ereignen. Mitten in Wien! Wochenblick sprach mit der verletzten zweifachen Mutter über ihre schreckliche Festnahme.

Bisher wisse sie immer noch keinen konkreten Grund für die gewaltsame Festnahme. Immer und immer wieder würde sie über besagten Tag in Gedanken durchgehen, um eine Antwort zu finden. Immer noch habe sie körperliche Schmerzen von der Festnahme. “Ich spazierte am 29. Jänner gemeinsam mit meinem Partner in Wien bei der Demo mit. Ich hatte ein Schild mit der Aufschritt: “Lieber sterbe ich im Stehen als kriechend zu leben!” bei mir. Das verkörpert einfach mein Lebensmotto. Ich denke nicht, dass man mir aus dieser Aufschrift einen Strick drehen kann. Weshalb die Polizisten ausgerechnet mich herausgeholt haben, kann ich wirklich nur vermuten. War es mein Schild oder mein maskenloses Gesicht? Ich war aber nicht die einzige, die keine Maske trug.”, ist Michelle Tschurnig ratlos. Sie weiß, dass unzählige Videos ihrer Festnahme in den sozialen Medien geteilt wurden. Ihr bisher positives Bild von der österreichischen Polizei sei nun jedenfalls stark erschüttert.

Friedlicher Spaziergang

Es sei vorerst ein friedlicher Spaziergang gewesen. Bis plötzlich ein Polizist sie aus der Menge herausgeholt habe. “Ich bin mit dem Polizisten mit und habe ihm meine E-Card zum Nachweis meiner Daten gegeben. Ich dachte, ich würde einfach eine Anzeige wegen Nichtragens der Maske bekommen und die Angelegenheit wäre somit erledigt.” Dass sie plötzlich von unzähligen Polizisten umzingelt wurde, habe für sie im ersten Moment wie eine Absperrung ausgesehen. Auf einmal fand sie sich inmitten unzähliger mit Schlagstock und Helm bewaffneter Polizisten wieder. Weil nun die Polizisten dicht gedrängt standen, bat Tschunig um etwas Abstand: “Ich lächelte die Polizisten an und sagte, sie sollen doch bitte etwas Abstand halten, weil ich immerhin keine Maske trage. Diese Aussage dürfte mir zum Verhängnis geworden sein!”

Brutale Festnahme

Mit Schwung sei die zweifache Mutter mitgerissen und gegen eine Glasscheibe gedrückt worden. “Die Situation ist plötzlich völlig eskaliert. Minutenlang drückten mich die Polizisten gegen diese Scheibe und verrenkten mir meine Arme. Ohne Vorwarnung warfen sie mich dann zu Boden und knieten sich auf meinen Rücken. Sie verbogen mir die Arme und drückten mich immer wieder zu Boden. Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich fühlte. Es war einfach schrecklich. Ich versuchte natürlich mich zu wehren! Ich hatte starke Schmerzen an den Knien, Oberschenkeln und Armen und habe da auch Verletzungen davongetragen.”, schildert Tschurnig unter Tränen.

Eine endlose halbe Stunde Martyrium

Nie habe sie gedacht, unschuldig einmal in eine derartige Situation zu kommen. Ein Polizist hätte ihr Aggressivität vorgeworfen, was für die 40-Jährige unbegreiflich ist. Die Zeit der brutalen Amtshandlung sei ihr endlos vorgekommen. Wie sie im Nachhinein erfuhr, habe das Martyrium eine knappe halbe Stunde gedauert. Ihr Lebenspartner musste all das mit ansehen und wäre immer wieder zur Seite geschubst worden. Als man die 40-Jährige wieder ausließ, sei plötzlich ihre E-Card verschwunden gewesen. “Ich konnte nicht glauben, dass man mich derart malträtiert, dann einfach auslässt und sagt ich solle gehen. Als ich nach meiner E-Card fragte, stellte sich heraus, dass keiner der umstehenden Polizisten sie mehr hatte. Ich hätte wohl eben Pech gehabt. Das war noch die Krönung für mich!”

Augenzeuge ist erschüttert

Ein älterer Herr habe sich wenige Tage nach der Demo bei ihr gemeldet, weil er von einem Polizisten irrtümlich ihre E-Card erhalten habe, wie Tschurnig schildert: “Er hat mir meine E-Card per Post zugesandt. Er war Zeuge meiner Festnahme und wurde selbst auch kontrolliert. Für ihn ist es völlig unverständlich, wie die Polizei gegen mich vorgegangen ist.” Auch Wochenblick berichtete der Augenzeuge, dass er den Eindruck hatte, Michelle Tschurnig wurde dezidiert herausgepickt. “So, als hätte man es auf sie abgesehen!” Völlig erschüttert sei er über die brutale Festnahme der jungen Frau, wie der Zeuge Wochenblick gegenüber schildert.

Große Belastung

Mittlerweile sind seit der Festnahme fast drei Wochen vergangen. Erst jetzt leide Michelle Tschurnig an Schlafstörungen und habe immer wieder die schrecklichen Szenen vor Augen, wie sie gegenüber Wochenblick berichtet: “Anfangs dachte ich es würde mir leichter fallen mit der Situation umzugehen. Doch jetzt kommen die schrecklichen Szenen immer wieder hoch in mir. Das alles belastet mich sehr.” Ihre Verletzungen habe sie selbst dokumentieren müssen und leide immer noch unter einer Einschränkung des rechten Armes. Hilfe werde sie benötigen, sowohl rechtlich und als auch seelisch. Ob sie sich diese finanziell leisten kann, weiß Michelle Tschurnig noch nicht. Dennoch werde sie sich nicht unterkriegen lassen und weiter für die Freiheit auf die Straße gehen, ist sich die Mutter sicher.

Video von Michelle Tschurnig zur Verfügung gestellt
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