In Chaos-„Klinik“ kommen gebeutelte Seelen wieder zur Ruhe

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In Stöttham baute sich Paulus Ploier sein eigenes „Gesundenhaus“

In Chaos-„Klinik“ kommen gebeutelte Seelen wieder zur Ruhe

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Das Wort Krankenhaus mag Paulus Ploier nicht. Lieber spricht er von einem „Gesundenhaus“. So eine Art Gesundenhaus beziehungsweise Gesundungshaus hat er sich nun auf eigene Kosten und ohne Zuschüsse in Atterseenähe gebaut.

Von Kurt Guggenbichler

Nanu? Wo bin ich hier? In einem Luxus-Hotel-Ressort? – „Das ist das neue Chaos-Interventions-Zentrum“, sagt Hausherr Paulus Ploier (55) und rollt mit dem Rollstuhl näher an mich heran. Er ist seit seinem 19. Lebensjahr querschnittgelähmt. Die Ursache dafür war eine kurze Unachtsamkeit. Gleich an seinem ersten Arbeitstag als Surf- und Segellehrer verunglückte er 1984 bei einem Kopfsprung ins Wasser des Mondsees, der dort nicht tief genug war.

Seitdem kämpft sich Ploier tagtäglich ins Leben zurück. Dabei bringt er aber auch noch die Energie auf, für andere etwas zu tun. „Wie Chaos sieht es hier nicht gerade aus?“, sage ich grinsend und schaue mich um. Das, was Paulus hier in den letzten Monaten schaffen ließ, ist schon beeindruckend.

Kämpferisch

Auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück in Stöttham bei Straß im Attergau stehen drei schmucke Holzhäuser im Salzburger Stil, darunter auch das Haupthaus, das Paulus mit seiner Frau Monika (51) bewohnt. Davor erstreckt sich ein großer Schwimmteich mit einer Rollstuhltreppe, auf der der Hausherr bequem ins Wasser fahren kann. Der Teich wäre auch tief genug, um gefahrlos hineinspringen zu können, denn „das was mir seinerzeit passiert ist, passiert mir kein zweites Mal“ sagt der Paulus selbst­ironisch.

Heute, nach einer jahrelangen Psychotherapie, bei der er auch einigermaßen schmerzfrei wurde, kann er nun wieder darüber reden und sogar scherzen. „Ich war eine Sturzgeburt“, sagt er, „vermutlich hat alles so kommen müssen.“

Der Sohn des Nußdorfer Raika-Direktors hat auch davor in seinem Leben schon einiges mitgemacht. Zum einen hätte es viele familiäre Streitigkeiten und Gewalt im Umfeld gegeben, schildert Paulus, zum anderen sei auch er selbst im Alter von sechs Jahren bei einem Urlaub in Ungarn das Opfer eines Vergewaltigers geworden.

Aus diesem Grund wollen er und seine Frau, die Heilmasseurin ist und mit ihrem Mann auch eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht hat, nun anderen Menschen mit Problemen bei deren Bewältigung helfen. Dafür gibt es auf ihrem Areal noch zwei weitere Häuser. Eines steht gleich vorn an der Einfahrt.

„Dabei handelt es sich um das sogenannte Seminarhaus, in dem wir Kurse abhalten und das wir auch für Einzelbesprechungen mit Patienten nutzen“, erläutert Monika Ploier.

Umtriebig

Im zweiten Holzgebäude, das zwischen Seminarhaus und Haupthaus steht, können Patienten auch kurzfristig wohnen und verweilen, wenn sie sich über ihr Leben und ihre Probleme klar werden wollen. „Vier bis fünf Leute können wir dort schon unterbringen.“

Warum, um Himmels willen, tut sich der Paulus das alles an? Weil er schon immer nicht nur im Rollstuhl sitzen wollte, sagen viele seiner Bekannten und verweisen auf seine Aktivitäten als Maler und Musiker. Andere wiederum vermuten, dass dieses Chaos-Interventions-Zentrum, das „CHITZ“, auch so eine Art Selbsttherapie für ihn sei.

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