Mächtige Giganten als stille Lehrer

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Mächtige Giganten als stille Lehrer

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Ein Bericht von Elsa Mittmannsgruber

Drei Stunden bergauf, die Füße schmerzen, die Kleidung ist durchgeschwitzt und der Magen knurrt. Es sind nur noch wenige Schritte bis zum Gipfel und die Vorfreude verdrängt mit jedem Meter jegliches Murren des Körpers. Dann ist da plötzlich dieser erhabene Moment: Du bist angekommen und ringsherum erschließt sich dir ein Panorama, das dir den Atem raubt. Schönheit, die man nicht in Worte fassen kann. Ein Erlebnis, das jede Mühe Wert ist.

Mächtige Giganten als stille Lehrer 1

Das Bergwandern erlebt in den letzten Jahren eine wahre Renaissance bis hin zum Begriff „Trendsportart“, über den es sich wahrlich streiten lässt. Auf eine gewisse Weise ist diese Bezeichnung aber auch sinnbildlich für die „Bergjogger“, die die rauen Felsen mit einem Fitnessstudio verwechseln.

Nicht selten erblickt man solch besondere Exemplare, die mit Kopfhörern in den Ohren und Handy sowie kleinen rosa Trinkfläschchen in der Hand ihre Höhenmeter machen, weder Weg noch Ziel in deren Anmut würdigen und oben angekommen schnurstracks den Berg wieder hinunterlaufen.

Es heißt „Grias di“ – und nicht „Hallo“

„Wo sind die Bergsteiger mit kariertem Hemd, Hut und echtem Wanderstock geblieben?“, wurde ich einmal gefragt. Ebenso wie sich eingefleischte Wanderer immer wieder über die Unart des „Hallo“ statt eines „Grias di“ beschweren. Und noch weit schlimmer sind solche Flegel, die ihren Müll in der Natur liegen lassen. Warum aber regt uns das alles so sehr auf? Weil uns die Bergwelten auf viele Arten tief berühren.

Die Berge als Teil von uns

Sowohl geografisch als auch im Herzen sind die Berge ein Teil von uns Österreichern. Unsere Kultur ist durch unzählige Facetten von den Steinriesen beeinflusst. Die Schönheit der Natur nimmt uns ein. Wir sehnen uns im hektischen und lauten Alltag nach der Ruhe, die uns die Berge geben.

Einen solchen stolzen Giganten zu besteigen, macht uns demütig. Mit jedem Schritt geschieht eine innere Einkehr. Es ist beinahe wie ein Trancezustand, den man mit steigender Höhe erreicht. Meter um Meter nehmen die Gespräche mit dem Wanderpartner ab.

Wir werden achtsamer

Mächtige Giganten als stille Lehrer 2

Die Gedanken werden leise und man nimmt immer stärker seine Umgebung wahr. Man genießt die Natur, hört Geräusche, auf die man sonst kaum achtet. Den Gipfel erreicht, mischen sich dann noch Gefühle der absoluten Entspannung mit Überwältigung ob des Ausblicks und Stolz über die eigene Leistung. Empfindungen, von denen man noch Tage nach dem Gipfelsieg zehren kann.

„Die Berge sind stumme Meister und machen schweigsame Schüler“, schrieb Goethe. Doch nicht jeder besteigt einen Berg gleich. Berge werden oft als „Spiegel der Seele“ bezeichnet. Ich sage immer: Geh Wandern und du sparst dir jeden Therapeuten!

Spiegel der Seele

Bereits die Gefühle, die der Anblick eines Berges in einem hervorruft, sind ein Spiegel, den einem die Natur vorsetzt. Sie können sich mit den Lebensumständen ändern. Wirkt der Berg auf mich bedrohlich, anziehend, herausfordernd, mächtig, ergreifend oder schlicht schön?

Je nachdem kann man sich selbst die Frage stellen, warum die jeweiligen Empfindungen vorherrschen. Was man selbst vom Giganten erwartet und was man fürchtet. Für einige Menschen, die auch sonst im Leben zu den „Getriebenen“ zählen“, dient der Berg der eigenen Leistungsschau. Es geht nur um „Performance“ und Grenzen ausreizen. Alles andere tritt in den Hintergrund.

Gesunde Balance ist gefragt

Mächtige Giganten als stille Lehrer 3

Bergführer und Psychologe Dr. Ronald Newerkla sagt im Interview mit dem Magazin „Sportaktiv“ dazu, dass viele Ruhe und Nachdenken gar als etwas Bedrohliches empfinden würden: „Nachdenken über das eigene Tun kann bei solchen Menschen große Unsicherheit hervorrufen, deshalb betäuben sie sich gerne mit einem sportlichen Kick nach dem anderen. Sie flüchten dann vor ihrer Familie, vor der eigenen inneren Leere. Beschäftigt sein ist das Wichtigste.“

Doch sich Herausforderungen stellen zu wollen und den Willen zur Leistung zu haben, sei ja grundsätzlich positiv. Es gehe jedoch um eine gesunde Balance zwischen Genuss und Streben am Berg. „Bergsteigen ermöglicht nun Menschen, mit der Natur und mit sich selbst in Kontakt zu treten. Man erwirbt dabei auch das Gefühl, dass eigene Leistungen und Anstrengungen zu einem Ziel führen können.

Etwas, was im heutigen Berufsleben mehr und mehr verschwindet”, führt Newerkla weiter aus. (Berg-)Sport lehrt uns, Ziele konsequent zu verfolgen und mit Niederlagen konstruktiv umzugehen. Daher sei er laut Newerkla „mit Sicherheit eine Schule fürs Leben.”

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