Markenzeichen: Lange Zigarette

Markenzeichen: Lange Zigarette

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Vor 30 Jahren – drei Jahre nach seiner Pensionierung – ist der oberösterreichische Kriminalschriftsteller Leo Frank von Wels nach Bad Ischl übersiedelt, „um dort noch ein paar schöne Jahre zu haben“ wie er sagte.

Ein Bericht von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

17 Jahre sind es dann geworden, am 21. März 2004 ist Frank im Alter von 79 Jahren im Pflegheim verstorben – eine Spurensuche und Erinnerung.

Vor 30 Jahren zog Krimiautor Leo Frank von Wels nach Ischl

Ich habe Leo Frank, der mit bürgerlichem Namen Leo Maier hieß und von Beruf Polizist war, immer gemocht – und damit war ich nicht allein. Sogar die Gauner, die er ins Gefängnis brachte und die Maier „Pülcher“ nannte, sagten nie etwas Schlechtes über ihn.

Meine letzte Begegnung mit Frank im Ischler Pflegheim, wo ich ihn noch kurz vor seinem Tod besuchte, erschütterte mich. Das war nicht mehr der Leo, den ich kannte.

Gangsterjäger

Im Heim erzählte man mir, dass es ein Glück sei, dass Maier überhaupt noch lebt. Denn schon ein Jahr früher, am 3. April 2003, hätte für ihn alles vorbei sein können. Damals war er in der Nähe seines Hauses nachts in eine Senke gestürzt, wo ihn ein Spaziergänger erst frühmorgens aufklaubte und die Rettung alarmierte.

Dass Maier, der nur mit einem Bademantel bekleidet war, nicht erfroren ist, grenzte an ein Wunder. Eine gute Figur hat der einst stattliche Mann mit den weißen Haaren in den letzten Jahren seines Lebens nicht mehr gemacht.

Respektable Erscheinung

Dabei war der ehemalige Kriminalpolizeioberst, der seine Laufbahn als Probegendarm in Braunau begann, eine respektable Erscheinung gewesen. Seine noch lebenden Wegbegleiter haben noch immer das beeindruckende Zeitungsbild im Kopf wie der Linzer Kriminalchef Maier 1978 während eines gerade laufenden Bankraubes mit Geiselnahme in der Linzer Innenstadt in seinem hellen Trenchcoat einsam und rauchend am Trottoir sitzt, und sich von dort aus bemühte, die Gangster zum Aufgeben zu überreden, was ihm auch gelang.

Die Stadt, das Land, die ganze Nation jubelte und Maier ließ es lässig über sich ergehen. 1984 ging er nach 35 Jahren Polizeidienst in Pension und war von da an nur noch Kriminalschriftsteller. Leo hat sich immer gern ein bisschen selbst inszeniert, als „Kieberer“ wie auch als Thriller-Autor. Das Blitzlichtgewitter der Reporter hat er nie gescheut. Doch dass einer, der immer gern vorn und im Licht stand, heute im hintersten Winkel des Bad Ischler Friedhofs seinen letzten Aufenthaltsort gefunden hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Hofhaltung

Zu Lebzeiten war das Café Urban einer von Leos liebsten Plätzen in Ischl, wo er ab drei Uhr nachmittags Hof gehalten hat. Dabei kippte er seinen ersten G‘spritzten, bei dem es natürlich nicht blieb und wenn er nicht gerade an neuen Thrillern oder „Tatort“-Folgen schrieb, was ihm in seinem Pensionistendomizil in den ersten zehn Jahren noch gelang, empfing er dort Reporter zu Interviews oder erzählte anderen Gästen aus seinem bewegten Polizistenleben.

Dabei hatte er immer die unvermeidliche Zigarette im Mundwinkel und ein Glas Wein vor sich stehen. Fast nie ließ sich Leo ohne seine Zigarette sehen, geschweige denn fotografieren, weshalb er auch die ganz langen „Milde Sorte 100“ (King Size) rauchte, weil diese auf den Bildern besser zur Geltung kam.

Tatort-Geld

Dass das Kaffeehaus von Ingrid und Walter Urban heute geschlossen ist und zuletzt ein Nichtraucherlokal war, würde ihn heute traurig stimmen. Zum Glück aber musste er das nicht mehr erleben. Den Vormittag hatte der Krimiautor meist mit Zeitungen lesen im Café Ramsauer zugebracht, danach fütterte er die Tauben an der Traun mit Brotresten.

Er selbst aß zuletzt immer weniger. Dabei hätte er sich alle Köstlichkeiten dieser Welt leisten können, denn finanzielle Sorgen plagten den Rentner nicht. Immerhin hatte er 15 Romane geschrieben wie auch einige „Tatort“-Folgen fürs Fernsehen, deren Wiederholungen für ein stets gut gefülltes Bankkonto sorgten.

Ischl-Fan

Leo und ich hatten einmal die Idee, gemeinsam einen Krimi zu schreiben. Wie er sich den Beginn dieses Werks vorgestellt hat, hat er mir in einem Brief skizziert. Zur gemeinsamen Arbeit ist es nicht mehr gekommen. Was ihn einst dazu bewegt hat, seine langjährige Wohnung in der Welser Gartenstadt (Sauerbruchstraße 58) aufzugeben und nach Ischl in ein eigenes kleines Haus an der Brennerstraße mit der Nummer 14 zu ziehen, erklärte mir Leo seinerzeit mit den knappen Worten „schöne Gegend, viel Sonne und gute Luft“.

Bis spätestens 15. September müsse er hier weg sein, erzählte er mir im August 1987 bei einem Glas Wein im Schanigarten des Welser „Greif“-Cafés am Kaiser-Josef-Platz, im Mund natürlich die unvermeidliche lange Zigarette. Zum Glück für ihn, denke ich mir, hat dieser Mann mit seinen Ecken und Kanten die heutige Ächtung der Raucher wie auch andere gesellschaftliche Veränderungen in unserem Land nicht mehr erlebt.

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