Mindestlohn als Medaille mit zwei Seiten

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Mindestlohn als Medaille mit zwei Seiten

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Ein Kommentar von Dr. Herbert Samhaber

Die Forderung nach einem gesetzlich geregelten, höheren Mindestlohn kommt alle paar Monate auf regionaler oder nationaler politischer Ebene neu auf die Agenda. Aktuell liegt die Vorstellung von Seiten der Arbeitnehmervertreter im Bereich von 1.700,- Euro.

Ein höherer Mindestlohn klingt zunächst nach einer Verbesserung der Situation für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen. Zudem kann man argumentieren, dass dadurch die Kaufkraft erhöht wird.

Hohe Lohnnebenkosten

Somit können sich Niedrigverdiener mehr leisten und liefern mehr Geld in den Konsumkreislauf wodurch wiederum Unternehmen profitieren und mehr Arbeitsplätze entstehen. Das klingt doch toll und nach einer Gewinnsituation für alle. Leider berücksichtigt diese Argumentation einige wichtige Aspekte von höheren Mindestlöhnen nicht.

Höhere Löhne bedeuten höhere Kosten für Unternehmen. Man muss zusätzlich zu den Bruttolöhnen auch die Lohnnebenkosten berücksichtigen, die die Unternehmen zu tragen haben. Die meisten Lohnprogramme bieten die Möglichkeit, auch die Lohnnebenkosten aus der monatlichen Abrechnung auszuweisen. Mit diesem Hinweis könnte bei den Arbeitnehmern das Bewusstsein für diese oft „vergessenen“ Nebenkosten gestärkt werden.

Österreich bietet gute Infrastruktur

Regionale Kleinunternehmen und Dienstleister haben aus meinem Blickwinkel zwei Hauptmöglichkeiten um diese höheren Kosten bewältigen zu können. Nur Unternehmen mit einem außergewöhnlich lukrativen Geschäftsmodell haben die Chance die höheren Kosten anders abzufedern. Der Bäcker oder Friseur von nebenan kann entweder die Preise erhöhen oder Personal abbauen. Beides trifft im Wesentlichen Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen. Höhere Preise für Güter und Dienstleistungen des täglichen Lebens wiegen besonders schwer. Zudem könnte es zu einem beschleunigten Aussterben regionaler Kleinunternehmen kommen, die durch multinationale Konzerne verdrängt werden.

Für Unternehmen, die nicht regional verankert und groß genug sind, bedeuten höhere Löhne eine deutliche Verringerung der Attraktivität Österreichs als Firmenstandort. Österreich bietet gute Infrastruktur und ein hohes Bildungsniveau. Werden die Lohnkosten zu hoch, wird dieser Nachteil die Standortvorteile überwiegen. Die Abwanderung großer Unternehmen in Länder mit geringeren Lohnkosten könnte die Folge sein. Konkret heißt das weniger Jobs in Österreich, weniger Steuereinnahmen für den Staat und weniger Beiträge für unser Kranken- und Pensionsversicherungssystem.

Mehr Kaufkraft für das verfügbare Einkommen

Arbeit muss sich lohnen. „Sich lohnen“ kann aber bei höheren Preisen bedeuten, dass die Löhne noch mehr steigen müssten, um einen Effekt zu erzielen. Dies wird aber zwangsläufig zu einer Aufwärtsspirale bei den Löhnen, Lohnnebenkosten und den Preisen führen. Man sollte das Thema nicht zu einseitig betrachten. Höhere Löhne bedeuten eben nicht, dass man sich mittelfristig unbedingt mehr leisten kann.

Die Senkung von Lohnnebenkosten könnte helfen die Standortattraktivität von Österreich zu verbessern und dazu beitragen Lohnerhöhungen auch in mehr Kaufkraft umzusetzen. Der Schlüssel heißt nicht Mindestlohn oder Lohnerhöhung, sondern mehr Kaufkraft für das verfügbare Einkommen. Denn sonst verpuffen die Effekte von Mindestlöhnen und Lohnerhöhungen für Arbeitnehmer.

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