Mindestlohndebatte: Nur Netto zählt!

Mindestlohndebatte: Nur Netto zählt!

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Vorlesen"]

In den letzten Tagen wurde die politische Diskussion um das Thema Mindestlohn angefacht. Die Zahl 1.600 Euro brutto wurde in den Raum gestellt.

Wenn das der neue Mindestlohn sein soll, werden wir für so manche Dienstleistung und Ware in Zukunft deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Auf das eine oder andere werden wir dann aus finanziellen Gründen verzichten müssen.

40 Stunden Arbeit müssen reichen!

Ob der tatsächliche Lohn die Lebenskosten abdecken kann, hängt auch stark davon ab wo man lebt. Gerade Mietpreise können erheblich variieren. Ich fände es sinnvoll gleich Tacheles zu reden, also von Netto nach Steuern und Sozialversicherungsbeitrag. Jemand, der 40 Stunden arbeitet, sollte sich das Leben in Österreich ohne Wenn und Aber leisten können. Eine Situation wie in manch anderen Ländern, wo man mehrere Jobs braucht, um sich über Wasser halten zu können, sollte jedenfalls vermieden werden. Ebenso sollte der Anreiz einen Job anzunehmen, der eine geringe Qualifikation erfordert, im Vergleich zum Bezug des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe groß genug sein.

Brutto-Mindestlohn verjagt Unternehmer

Ein zu hoher Brutto-Mindestlohn birgt Risiken, die nicht unter den Teppich gekehrt werden sollten: Die Abwanderung von Unternehmen ins Ausland und das Zusperren von Unternehmen, weil sie nicht die Preise am Markt erzielen können, die ihre Kosten abdecken. Das würde den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten. Gerade das Angebot an Jobs mit geringer Qualifikation könnte empfindlich unter einem derartigen Mindestlohn leiden. In vielen Branchen gibt es ohnedies einen Kollektivvertrag.

Hohe Nebenkosten zwingen viele in die Knie

Aus meiner Sicht sollten Lohnsteuern und Lohnnebenkosten ins Zentrum der Diskussion gestellt werden. Die Gesamtbelastung sollte explizit auf dem Gehaltszettel ausgewiesen werden, damit der enorme Unterschied zwischen tatsächlichen Lohnkosten und Nettosalär transparent wird. Österreich hat zu hohe Lohnkosten. Vater Staat kassiert auf Arbeitnehmerseite und Arbeitgeberseite kräftig mit. Unternehmen, die zu hohe Lohnnebenkosten vorfinden, werden es schwer haben, auf Dauer international konkurrenzfähig zu bleiben. Im Extremfall kann dies für so manches Unternehmen bedeuten: auswandern oder Pleite gehen.

Nettolohn erhöhen – Lohnnebenkosten senken

Man sollte den Nettolohn anheben, Steuern und Nebenkosten senken. Ein höherer Bruttolohn ist Augenauswischerei. Bleibt uns mehr zum Leben, können wir mehr ausgeben. Damit wird auch die Wirtschaft gefördert und so wiederum Arbeitsplätze geschaffen. Ein höherer Nettolohn könnte also eine Aufwärtsspirale in Gang setzen. Nur müsste unser Staatsapparat zumindest zeitweise – bis das Wachstum die gesunkenen Staatseinnahmen wett macht – mit weniger Geld auskommen. Ob das in unserem Lande umsetzbar ist, darf allerdings bezweifelt werden. Sparen ist ja nicht gerade eine Stärke unseres Staates!

ein Kommentar von “Wochenblick”-Wirtschaftsexperten Dr. Herbert Samhaber: [email protected]

++++

Der Artikel hat für Sie wichtige Neuigkeiten enthalten? Sie wollen kritischen Journalismus unterstützen?
Dann tun Sie das mit einem ABONNEMENT unserer Wochenzeitung!

Aktuelle Ausgabe: Alarmstufe Linz 1

Mindestlohndebatte: Nur Netto zählt! TEILEN
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on telegram
Telegram
Share on reddit
Reddit
Ähnliche Artikel
Schlagwörter
NEWSLETTER

Bleiben Sie immer aktuell mit dem kostenlosen Wochenblick-Newsletter!

Neuste Artikel