Reederei verbannt E-Autos von Bord

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Hohe Brandgefahr

Reederei verbannt E-Autos von Bord

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Dieser Betrag von Kornelia Kirchweger erschien zuerst auf AUF1.INFO

Ohrfeige für die E-Auto-Lobby: Eine Reederei in Norwegen lässt keine Strom- und Hybrid-Fahrzeuge mehr an Bord. Die Brandgefahr sei zu hoch, der Löscheinsatz unmöglich, das Risiko für Passagiere zu groß. 

Die norwegische Reederei „Havila Kystruten“ nimmt keine Strom-, Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffautos mehr an Bord. Begründet wird das mit Sicherheitsbedenken wegen des hohen Brandrisikos von Stromfahrzeugen. Die Schiffe der Reederei sind für die aufwändigen Löscharbeiten bei möglichen Bränden dieser Autosparte nicht gerüstet. Zudem stellten die Versicherer bereits höhere Kosten in Aussicht. Private „Benziner“ dürfen nach wie vor an Bord.

 

Ohrfeige für Stromauto-Lobby

Für die Stromauto-Lobby in Norwegen ist das eine Ohrfeige. Ihre Lieblingsfahrzeuge geraten damit in Verruf. Norwegen ist Vorreiter bei Stromautos. Bis 2025 sollen sie 100 Prozent der Neuzulassungen ausmachen. Aktuell liegt dieser Anteil bei 80 Prozent. Reedereichef Bent Martini beruft sich bei diesem weltweit ersten Transportverbot von Stromfahrzeugen auf eine Risikoanalyse. Demnach erfordert ein möglicher Brand bei solchen Fahrzeugen einen besonders aufwändigen Rettungseinsatz. Das sei mit den vorhandenen Mitteln und der Mannschaft an Bord nicht zu bewerkstelligen. Zudem wären die Passagiere dadurch gefährdet.

Benziner kein Problem

Besitzer von E-Autos sind damit in den Häfen von Bergen und Kirkenes festgenagelt. Weitere Reedereien werden – allein aus Kostengründen – dem Beispiel folgen. Im fjordreichen Norwegen wird das künftig ein Problem für Stromautofans. Das Verbot gilt nicht für private „Benziner“. Bei diesen Fahrzeugen wäre ein möglicher Brand an Bord gut zu bekämpfen, hieß es seitens der Reederei. Man sei sich bewusst, dass die Küstengemeinde von den Schiffen entlang der Küstenroute den Transport privater Fahrzeugen zwischen den Häfen erwarte. Es gebe aber keine Vereinbarung mit dem Verkehrsministerium, dass Schiffe Privatautos transportieren müssen. Versicherer warnten die Reederei bereits, dass sie aufgrund der erhöhten Gefahrenlage sonst mit zusätzlichen Kosten rechnen müsse.   

Brandkatastrophe im Vorjahr

Die mit dem Transport von Stromautos auf Schiffen verbundenen Risiken landeten spätestens durch das spektakuläre Unglück der „Felicity Ace“ weltweit in den Schlagzeilen. Im Februar 2022 waren auf dem Autotransporter offenbar E-Fahrzeuge in Brand geraten. Das Feuer konnte damals nicht gelöscht werden. Das komplette Schiff versank, inklusive tausender Elektrofahrzeuge und Luxuskarossen der Marken VW, Audi, Porsche und Bentley. Auch Sonderanfertigungen waren dabei. Der Versicherungsschaden belief sich auf 500 Millionen Euro. Die Schiffsladung war für den amerikanischen Markt bestimmt. Das Schiff gehörte der japanischen Reederei MOL Ship. 

Tausende Schiffe am Meeresgrund

Den Schaden dieser Katastrophe trägt in jedem Fall die Natur. Die Fahrzeuge liegen nahe den portugiesischen Azoren mehr als 3.000 Meter tief unter der Wasseroberfläche. Eine Bergung ist aus technischen und Kostengründen unmöglich. Die Fahrzeuge verrotten dort unter hohem Druck, und es werden große Mengen an Schadstoffen freigesetzt. Das bestätigte auch Manfred Santen, Chemiker für Meeresschutz im Greenpeace-Team. Er räumte auch ein, es gebe beständig Umweltprobleme mit Bränden und Havarien auf Schiffen. Beinahe täglich gehen – insbesondere Container – auf hoher See verloren. Generell sind Elektronikbauteile und insbesondere Stromfahrzeuge ein Risiko für jeden Transport. Wegen der hohen Energie geladener Batterien seien daraus entstehende Brände nur schwer zu löschen.

 

Verschärfte Brandschutzvorschriften

Angesichts der hohen Risiken bei Stromautotransporten auf hoher See will die Internationale Maritime Organisation (IMO) die Brandschutzvorschriften weltweit verschärfen. Auch die Deklaration der Schiffsladungen müsse künftig genauer überprüft werden, diese werde oft gefälscht. Der Schiffsversicherer AGCS, eine Tochter der Allianz, listete in einem aktuellen Bericht über 70 Brände von Frachtern in den letzten fünf Jahren auf. Vor allem für Autotransporter seien Brände kritisch. Denn die Frachten mit Stromfahrzeugen auf dem Seeweg nehmen deutlich zu und erhöhen das Risiko.

Zum Autor: Kornelia Kirchweger war Journalistin bei Austria Presse Agentur, Bundespressedienst, BBC, Asahi Shimbun. Fokus: EU, Asien, USA, Afrika. Seit 2016 beim Wochenblick. Rockte die sozialen Medien mit ihrem offenen Brief an Greta Thunberg und machte gegen den UNO-Migrationspakt mobil.

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