Requiem für den „Bäck ums Eck“

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Requiem für den „Bäck ums Eck“

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Die klassische Backbranche zerbröselt:

Mit der  Schließung der Linzer Bäckerei Hofmann, eines Traditionsbetriebes mit 150jähriger Erfahrung, geht das Bäckersterben in Oberösterreich munter weiter. Vor fünfzehn Jahren gab es in diesem Land noch 500 Bäcker, mittlerweile ist diese Zahl auf 367 geschrumpft. Österreichweit existieren nur noch etwa 1.500 Betriebe und die betroffene Handwerksbranche stöhnt: Das Brot als Kulturgut verkommt!

Schuld daran sind die Backstationen des Großhandels und Diskonter wie Lidl oder Hofer, aber auch Spar und viele andere mehr. Überall dort, wo sie aufsperren, bricht der Umsatz beim „Bäck ums Eck“ um 20 Prozent ein. Der kleine oder mittlere Handwerksbetrieb ist heute ohnedies schon längst nicht mehr der Hauptlieferant für Brot und Gebäck, von dem jeder Oberösterreicher angeblich 60 Kilogramm pro Jahr verzehren soll.

Die Qualität scheint vielen unserer Landsleute dabei völlig egal zu sein, wenn die Semmel nur billig ist. Mit Semmelpreisen wie bei Hofer oder Lidl, können unsere traditionellen Bäcker nicht mehr konkurrieren – Qualität hin oder her. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass auch bei Lidl oder Hofer gute Semmeln zu bekommen sind. Dabei handelt es sich jedoch immer um Aufbackware, die von unterschiedlicher Qualität sein kann, weil nicht alle Filialen der jeweiligen Diskonterkette von ein- und demselben Teiglinghersteller beliefert werden.

Für traditionelle Mittelständler ist kein Platz mehr in so einer auf Masse hin ausgerichteten Welt, weil er sich darin nicht mehr behaupten kann. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass nur mehr 20 Prozent des Brotes und des Gebäcks beim kleinen Bäcker gekauft werden. Auch der Linzer Traditionsbetrieb Hofmann, der 1862 gegründet wurde, sieht in den Supermärkten die Hauptverursacher für seinen Niedergang.

Wenn es nur irgendwie gegangen wäre, hätte Dieter Hofmann gern weitergemacht, doch er sieht für sich und seinen Betrieb absolut keine Zukunft mehr. Dabei dürften ihm aber nicht nur die Aufbackshops der Supermärkte einen Strich durch die persönliche Lebensplanung gemacht haben, sondern auch zahlreiche EU-Verordnungen, die der Bäckerbranche das Wirtschaften bewusst erschweren, wie die Noch-Betreiber vieler kleinerer Bäckereien unisono klagen. Was diese Bäcker schon beim bloßen Gedanken daran zur Weißglut bringt, ist das Wissen, dass man dieses EU-Diktat an Bestimmungen der Industrielobby in Brüssel verdankt.

Wer sich von den Kleinen in der Branche trotzdem noch einigermaßen über Wasser halten will, muss versuchen, seinen Kunden einen Zusatznutzen zu bieten und diesen mit so genannten Nischenprodukten versorgen.

Trauriges Bäckereisterben in Österreich

In den letzten Jahrzehnten sind viele „Bäck ums Eck“ eingegangen. So hat es vor 50 Jahren noch 5.120 Betriebe in Österreich gegeben. Schon 1975 war die Zahl auf 3.618 geschrumpft und heute sind höchstens noch 1.580 Bäckereien mit etwa 20.400 Mitarbeitern aktiv.

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