Samhabers Finanz-Check zu Währungsmanipulation

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Samhabers Finanz-Check zu Währungsmanipulation

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Im abgelaufenen Monat haben einige Medien über einen brisanten Vorwurf von hoher Stelle berichtet. Unser OeNB-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hat laut Medien den USA die Manipulation des Wechselkurses der Währung US-Dollar vorgeworfen.

Finanz-Check von Dr. Herbert Samhaber

Details zum Vorwurf waren in den Medien nicht zu finden. Dieser Vorwurf ist schwerwiegend und der Umstand, dass dieser von einem erfahrenen und renommierten Experten in hoher Funktion mutmaßlich geäußert wurde, verleiht dem Vorwurf umso mehr Gewicht.

Vorwurf von OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny

Da ich von vielen Seiten gefragt wurde, ob an dem Vorwurf etwas dran ist, möchte ich in meinem heutigen Beitrag darauf eingehen.
Für mich ist der mutmaßliche Vorwurf von OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny nachvollziehbar. Es sprechen politische Faktoren und die Volkswirtschaftslehre für die Möglichkeit der Manipulation.

Politische Faktoren:
Die von Donald Trump ausgegebene Doktrin lautet „America first“. Ein niedriger Währungskurs fördert die US-Wirtschaft und sorgt für mehr Gewinne der US-Unternehmen, sowie Arbeitsplätze in Amerika. US-Unternehmen können durch einen schwächeren Dollar verhältnismäßig günstiger im eigenen Land produzieren als im Ausland. Exporte aus den USA z. B. nach Europa sind für europäische Konsumenten und Firmen günstiger, wodurch der Absatz für amerikanische Firmen steigt.

Komplexe Modelle mit vielen Faktoren

Last but not least werden Exporte aus anderen Währungszonen in die USA teurer für US-Konsumenten und Firmen. Dadurch sind amerikanische Produkte preislich attraktiver für heimische Käufer. Man kann den Mechanismus durchaus mit einem Schutzzoll vergleichen.

Volkswirtschaftslehre:
Die Volkswirtschaftslehre beschreibt unter anderem den Zusammenhang zwischen verschiedenen Faktoren wie Geldmenge, Währungskurs und Leitzinsen. Es gibt komplexe Modelle mit vielen Faktoren, die zusammenspielen und einfachere Modelle mit wenigen Faktoren.

Geldmenge, Währungskurs und Leitzinsen

Ich werde mich auf eine kurze Erklärung des Zusammenspiels von Geldmenge, Währungskurs und Leitzinsen beschränken – Basics würden die Amerikaner sagen. Steigt die Menge eines Gutes wird dieses weniger wert. Dasselbe gilt prinzipiell für die Geldmenge. Die USA haben ihre Geldmengenerhöhung (Quantitative Easing) bereits aus dem Krisenmodus zurückgefahren. Europa beginnt erst allmählich damit.

Zudem kauft Europa Anleihen auf und wirft damit mehr Euro auf den Markt. Das spricht beides für einen stärkeren US-Dollar. Die Leitzinsen der USA werden sukzessive angehoben, Europa hat diese bei 0 belassen. Höhere Zinsen machen eine Währung für ausländische Investoren interessanter. Eine erhöhte Nachfrage nach einer Währung führt zu einer Kurssteigerung. Auch das spricht für einen stärkeren US-Dollar.

Mutmaßlicher Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen

Im letzten Jahr hat der US-Dollar zum Euro rund 10 Prozent verloren. Das widerspricht den oben genannten politischen und volkswirtschaftlichen Faktoren. Es wäre spannend zu erfahren, ob der Gouverneur zusätzliche Informationen hat, die eine Manipulation belegen.

Zumindest belegen meine Ausführungen, dass der mutmaßliche Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen ist. Es kann andere Faktoren geben, die diese Entwicklung des Wechselkurses erklären können. Eine Manipulation ist ein Erklärungsansatz. Somit hätte die Regierung Trump Schutzzölle durch die Hintertüre eingeführt.

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