Selbstbestimmungsrecht der Völker: Freiheit muss man sich erkämpfen

Taten statt Recht als Grundlage

Selbstbestimmungsrecht der Völker: Freiheit muss man sich erkämpfen

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Am 10. Oktober 1920 wurde in Teilen Kärntens über den Verbleib bei Österreich abgestimmt. Am selben Tag vor einhundert Jahren wurde den Südtirolern das Recht auf Selbstbestimmung verweigert.

Ohne Volksabstimmung wur­de Südtirol damals gegen den Willen der Bevölkerung an das Königreich Italien angeschlossen. Kärnten konnte damals seinen südlichen Teil nur erhalten, weil man dem jugoslawischen Staat Widerstand entgegensetzte.

Dabei lag das Selbstbestimmungsrecht der Völker dem 14-Punkte-Plan des US-Präsidenten Woodrow Wilson und dessen Friedensbemühungen am Ende des Ersten Weltkriegs zugrunde. Doch mit dem Recht auf Selbstbestimmung war es nicht so weit her – zumindest für die deutschen Bevölkerungen; zu kleinlich war die europäische Politik nach vier Jahren Krieg.

Statt der Verhandlung eines dauerhaften Friedens wurde Rachegelüsten nachgegeben und wurden „alte“ Rechnungen beglichen. Und während der „Völkerkerker“ der österreichisch-ungarischen Mo­nar­chie zerfiel, entstanden neue Staaten, wie der jugoslawische, in dem Serben, Kroa­ten, Montenegriner, Slowenen sowie auch Mazedonier und die bosnisch-herzegowinischen-sandschakischen Muslimen freiwillig vereint miteinander leben sollten.

Dazu erfand man international als Notlösung das „jugoslawische Volk“, um auf diplomatischen Parkett reüssieren zu können. Der emigrierte slowenische Aktivist und Sozialist – sowie spätere Kommunist – Dragotin Gustincic schrieb 1923: „Wir konnten doch nicht im Namen des Rechts auf Selbstbestimmung das Zerschlagen eines Vielvölkerstaates fordern, um einen anderen Vielvölkerstaat zu gründen!“ Aber auch an der nördlichen Grenze der alten Monarchie entstanden neue „Vielvölkerkerker“.

In der Tschechoslowakei forderte die deutsche Bevölkerung am 4. März 1919 ihr Recht auf Selbstbestimmung und demonstrierte in mehreren Städten. Die Kundgebungen wurden von tschechischer Seite unterdrückt. Im Kugelhagel starben 54 Personen, rund 200 wurden verletzt. Die Schüsse schufen vollendete Tatsachen, die mehrheitlich deutschen Gebiete blieben tschechisch besetzt und wurden dem neuen Staat einverleibt. Damals wie heute zeigt sich, dass das Selbstbestimmungsrecht mehr auf Taten beruht, denn auf rechtlicher Kraft. Nur darf es heute schon keine Völker mehr geben…

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