Staatsschuldenkrise: Die Ruhe vor dem Sturm?

Staatsschuldenkrise: Die Ruhe vor dem Sturm?

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Auf EU- und Staatsebene ist den Lenkern die Schuldenproblematik entglitten. Solange die EU Geld ins System pumpt, die Zinsen niedrig hält und die europäischen Staaten auslaufende Altschulden durch neue ersetzen können, läuft das System weiter.

Ein Kommentar von Dr. Herbert Samhaber

Wie lange kann das noch gut gehen?

Jedem Häuslbauer, der sein Haus mit einem Kredit finanziert, ist klar, dass er seinen Kredit zurückzahlen muss. Sonst nimmt ihm – salopp formuliert – die Bank das Haus weg. Auf Staatsebene ist dieses Prinzip schon länger ausgehebelt.

Wird die Rückzahlung von Schulden fällig, werden einfach neue Schulden gemacht. Der Häuslbauer würde mit diesem Verhalten seine Erben schädigen (falls es ihm die Bank überhaupt ermöglicht). Die Staaten schädigen ihre heutigen und zukünftigen Bürger.
Staatsschulden – z. B. in Form von Staatsanleihen – sind dazu gedacht schlechte Jahre zu überbrücken.

In guten Jahren sollten Schulden abgebaut werden

Diese Überbrückung wurde zu einem revolvierenden Dauerzustand. Ich befürchte, dass wir uns in einer Spirale befinden, in der unsere Staatslenker versuchen, einen möglichst positiven aktuellen Zustand herzustellen und darauf vergessen, dass irgendjemand die Suppe auslöffeln wird müssen.

Je länger das so weiter geht, desto höher wird die Belastung und desto wahrscheinlicher wird an Stelle eines sanften Übergangs ein Fall über die sprichwörtliche Klippe.
In guten Jahren sollten Schulden abgebaut werden, um in schlechten Jahren wieder die Möglichkeit zu haben Schulden aufzunehmen.

Sprunghafte Mehrbelastung

Die anhaltende Niedrigzinsphase verlockt dazu immer höhere Schulden aufzubauen – oder zumindest die Altschulden nicht abzubauen, weil der Zinsendienst relativ gering ist. Steigen die Zinsen dann schließlich, führt das zu einer sprunghaften Mehrbelastung, wenn alte Staatsanleihen durch neue ersetzt werden müssen. Wer das bezahlen soll? Wir Bürger, wer sonst!

Es ist es für den Sparer schmerzhaft, aber aus Sicht von EZB-Chef Mario Draghi verständlich, dass er die Zinsen so tief lässt. Die Situation in Griechenland zeigt, was passiert wenn einem Staat die Schulden über den Kopf wachsen: Drastische Einschnitte im Staatsdienst, Pensionskürzungen und Abhängigkeit vom Wohlwollen externer Geldgeber, die dem Staat und seinen Bürgern immer mehr Auflagen aufbürden. Droht uns eine ähnliche Situation, wenn wir so weiter machen?

Eine simple Milchmädchen-Rechnung

Es gilt zu bedenken, dass die Pensionierung der Babyboomer-Generation eine deutliche Mehrbelastung für unser System darstellen wird. Früher kamen mehrere Beitragszahler auf einen Pensionsbezieher, dies hat sich zu Ungunsten der Beitragszahler geändert. Es ist daher eine simple Milchmädchen-Rechnung, dass die Belastung für die arbeitende Bevölkerung steigen muss. Diese Problematik kommt zur Schuldenthematik noch hinzu.

Wir brauchen auf EU-Ebene und nationaler Ebene endlich langfristig orientiertes Denken und Handeln. Auch wir selbst als Wähler sollten uns bei der Nase nehmen. Jedoch müssten die Parteien auch mutige Angebote machen, um uns das zu ermöglichen. Die Gefahr ist natürlich für Mut in diesem Fall von den Wählern abgestraft zu werden. Ich persönlich bin überzeugt, dass der Mut zu Neuem, zu Anderem bei den nächsten Wahlen von den Österreichern honoriert wird.

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