Wegen verlogener Klima-Agenda: Öl-und Plastik-Lobby nimmt Afrika ins Visier

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Afrika wehrt sich gegen Neokolonialismus

Wegen verlogener Klima-Agenda: Öl-und Plastik-Lobby nimmt Afrika ins Visier

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Weil die Klimawandel-Agenda fossile Rohstoffe auf die „Pfui“-Liste setzte, sucht vor allem die US-Öl-Lobby neue Absatzmärkte für Produkte aus Erdöl. Die westliche Industrie braucht neue Deponien für ihre Plastikabfälle. Im Visier steht Afrika. Dortige Regierungen wehren sich indes seit Jahren mit strengeren Vorschriften gegen die Vermüllung und junge Afrikaner entwickeln digitale Plattformen zum Online-Müllmanagement. Sie haben es satt, dass der Westen ihre Länder, als Folge seiner verlogenen Klima-Agenda, erneut ausbeutet.

USA nehmen Kenia ins Visier

In Ruanda, Tansania, Marokko, Mali, Kamerun und Äthiopien sind Plastiktüten verboten. Trotzdem kommt das Material in großen Mengen über die dick in Kunststoff eingepackten Palletten beim Warenimport regelmäßig in die Länder. Die Bemühungen, das in den Griff zu bekommen werden verstärkt. Kenia ist Vorreiter. Das Land hat sei 2019, auf Grundlage des Baseler Abkommens, das weltweit strengste Verbot zum Gebrauch, der Herstellung und Einfuhr von Kunststoff. Die US-Industrie will das über ein Freihandelsabkommen aufbrechen und sich den Export von Plastikmüll für die Zukunft sichern.

Massiver Druck von US-Öl-Lobby

Ganz vorne mit dabei ist die American Chemistry Council (ACC), das neben großen Chemieunternehmen auch ExxonMobil, Chevron und Shell vertritt. Ihr Ziel: Kenia soll wieder den Handel mit Kunststoff erlauben und generell zur Drehscheibe für die Lieferung von US-Chemikalien und -Kunststoffen auf andere Märkte Afrikas werden. Das Druckmittel dafür haben sie in der Hand. Kenia verdankt sein aufstrebendes Wirtschaftswachstum auch dem Freihandel mit den USA und darf noch bis 2025 zollfrei Produkte dorthin liefern. Dann muss neu verhandelt werden.

Industrie braucht Plastik-Deponien

Die westliche Industrie wiederum sucht nach neuen Deponien für ihre Plastikabfälle und will nicht auf den Müll-Handel mit Afrika verzichten. Vordergründig argumentiert sie das mit dem Ausbau der Recycling-Infrastruktur auf dem Kontinent. Nicht ohne Hintergedanken. Denn ihr nach Afrika entsorgter und dort recycelter Plastikmüll wird zu Hause in die Recyclingquote eingerechnet und ergibt Klima-Punkte. Tatsächlich wird aber der – offiziell mit dem Ziel des Recyclings – dorthin exportierte Plastikmüll in den Zielländern illegal entsorgt. Die Zahl solcher Deponien steigt. Lokale Umweltschützer, vor allem in Kenia, sind alarmiert. Sie befürchten, ihr Land – und damit ganz Afrika – wird zur neuen Plastik-Mülldeponie.

Junge Start Ups – clevere Ideen

Junge Afrikaner gründen immer öfter Start Ups, die Online-Plattformen zur Müllsammlung, Entsorgung und Recycling entwickeln. So etwa in Nigeria die Software-Firma „Wecyclers“, eine Plattform, die Plastikrecycling ermutigt und belohnt. Darauf werden Abfallsammler mit einer Flotte lokal zusammengebauter Abfalltransportfahrzeuge verbunden. Haushalte abonnieren sie und werden für den gesammelten Abfall belohnt. Der wird an bestimmten Orten in der Hauptstadt Lagos deponiert und von Recyclern in großen Mengen gesammelt. Das wiederum liefert Materialien für Produzenten, die daraus neue Artikel wie Seidenpapier, Füllmaterial für Bettzeug, Kunststoffmöbel, Aluminiumplatten und Nylontaschen herstellen.

Online-Müllmanagement

In Sambia verbindet „Recyclebot“ Abfallverkäufer mit Abfallkäufern über eine Crowdsourcing-Plattform, die Abfälle nach Art und Standort zusammenträgt. Die Kunststoffabfallproduzenten entsorgen ihren Abfall kostenlos, Abfallkäufer tragen die Kosten für Trennung, Transport und Lagerung. In Uganda hat das Technologie-Startup „Yo Waste“ eine mobile, cloudbasierte Lösung entwickelt, die Abfallerzeuger mit den nächstgelegenen Abfalltransportunternehmen in ihrer Gemeinde verbindet. Das verbessert die Effizienz der Planung. Abfallsammlung und Recycler haben einfacheren Zugang zu Kunststoffabfällen.

Frauen-Power: Plastik-Rucksäcke

Ebenfalls in Uganda gründeten engagierte Frauen die Initiative „Reform Africa“. Sie sammeln, reinigen und bearbeiten anfallenden Müll und erzeugen daraus wasserdichte (Ruck)Säcke und Kulturbeutel mit lederähnlicher Konsistenz. Die Produkte werden in sechs Boutiquen in ganz Uganda und über die Reform-Webseite vertrieben. Preis: Zwischen neun und 25 US-Dollar. Humanitäre Organisationen kaufen die Rucksäcke und verteilen sie in armen ländlichen Gebieten an Kinder als Schultaschen. Die Rucksäcke werden bereits in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien und den USA verkauft. „Reform Africa“ will  jetzt eine Recyclingfirma gründen, die aus Hartplastik u.a. Blumentöpfe und Wäscheklammern erzeugt.

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