„Wir machen unsere Kinder lebensuntüchtig und dumpfbackig“

Teil II des Interviews aus der Ausgabe 29/18

„Wir machen unsere Kinder lebensuntüchtig und dumpfbackig“

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In Teil I des „Wochenblick“-Interviews mit dem Bestseller-Autor Dr. Michael Winterhoff drehte sich unser Gespräch um die Themen „Smartphone-Nutzung in der Kindheit“ und „Überforderung der Eltern“.

Ein Interview geführt von Elsa Mittmannsgruber

In der Fortsetzung führt der Kinder- und Jugendpsychiater nun aus, wie wichtig Klarheit und Grenzen für Kinder sind.

Vom Bauchgefühl lenken lassen

Wochenblick: Sollte man sofort reagieren, wenn das Kind quengelt?

Dr. Winterhoff: Wenn man immer sofort springt, dann verbleiben die Kinder in einer früheren Entwicklungsstufe. Aber hier würde einen wieder das Bauchgefühl lenken. Wenn sie einen Säugling schreien lassen, bekommen sie eine Schweißattacke, aber mit acht-neun Monaten hat man das Gefühl, der kann jetzt auch warten und man würde das Kind auch warten lassen. Und nur, wenn man das Kind auch warten lässt, würde sich eine Frustrationstoleranz bilden und die Fähigkeit, sich auf andere einzustellen. Aber wir halten heute die Kinder auf der Stufe von Kleinkindern, sowohl in den Familien, als auch im pädagogischen Bereich.

Kinder werden in den Schulen bestimmt

Soll man die Kinder mehr selbstständig entscheiden lassen?

In unserer Gesellschaft wird Selbstbestimmung und Selbstständigkeit vertauscht. Ich arbeite den ganzen Tag selbstständig, aber ich bin den ganzen Tag bestimmt durch Patienten, durch Probleme. Dass ich mich bestimmen kann, geht fast gegen Null. Der Säugling kommt auf die Welt und bestimmt 24 Stunden. Wenn dieses Kind dann nicht irgendwann in einem Säuglingsalter erlebt, dass es sich einstellen muss, abwarten muss, bestimmt wird, dann wird dieser Mensch nie eine Fremdbestimmung akzeptieren können. Also nehmen wir einen Grundschüler, der nach Hause kommt.

Er kann mich fragen, ob er Hausaufgaben machen kann und ich entscheide, ob er sie macht, wo er sie macht und welche er macht, aber er führt es selbstständig aus. Heute wird das gleichgesetzt. Eltern sind stolz, dass ihre achtjährigen Kinder morgens von alleine aufstehen und sich selbst am Kleiderschrank bedienen usw. und wundern sich dann, wenn die Kinder in der Schule Probleme haben, weil sie dort nämlich bestimmt werden. Das heißt, es ist unheimlich wichtig, dass die Kinder angeleitet werden, geführt werden. Dadurch entsteht auch Kontakt und Bindung. Da ist eben heute ein großes Missverständnis, sobald man Kinder führt oder anleitet, wird das als negativ gesehen, als würde man quasi in das Kind eingreifen, das Kind einschränken.

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