Heimatreportage: Wir schlimmen Kinder von der Wiese beim Rosenhügel

Als das Welser Welldorado noch ein schlichtes Freibadareal ohne große Attraktionen war:

Heimatreportage: Wir schlimmen Kinder von der Wiese beim Rosenhügel

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Nächstes Jahr kommt mein einst innig geliebtes Welser Freibad, Geburtsjahrgang 1955, ins Rentenalter. Doch ein Ruhestand ist für diese rüstige Freizeitanlage nicht vorgesehen. Sie hatte zwar einige Jahre gebraucht, um groß zu werden, ist danach aber über sich noch enorm hinaus gewachsen und zum „Welldorado“ mutiert. Ein beliebter Ausspann für viele Welser ist das Freibad aber auch schon davor gewesen.

Ein nostalgischer Rückblick von Kurt Guggenbichler

In diesen Tagen locken die warmen Temperaturen die badefreudigen Menschen in Scharen in das Feuchtgebiet westlich des Messegeländes, wo 4.500 Kubikmeter Wasser zur Abkühlung bereitstehen.

Aber schon zu den Zeiten, als ich mich dort noch herumtrieb, war das Freibad bereits gut frequentiert, obwohl es das Erlebnisbecken mit der 100 Meter langen Rutsche noch nicht gab. Doch bereits in den 1960er-Jahren gab es viele sonnige Sommer-Sonntage, an denen das Bad von bis zu 5.000 Besuchern gestürmt wurde.

Auch für mich und meine Freunde war dieses Areal an der Rosenauerstraße viele Jahre ein zweites Zuhause gewesen. Das Bad und ich waren noch jung, als ich Anfang der 1960er-Jahre erstmals mit ihm Bekanntschaft machte.

Damals existierte dort nur ein 50 Meter langes Sportbecken sowie ein halbkreisförmiges Nichtschwimmerbecken mit einem schön gestalteten Wasserrutschen-Turm aus strahlendem Weißzement. Dort haben wir Kinder besonders gern Fangen gespielt.

Für unsere Generation, die noch keine sozialen Netzwerke kannte und sich lieber im Freien tummelte, war dieses Badeareal unser kleines Paradies. Das, was mich dort schon als Zwölfjähriger faszinierte, war das schöne Capriblau des Wassers, das seine Farbe durch die Beckenbemalung erhalten hatte.

Nach dem dunklen, undurchschaubar-grünen Wasser im Vorläuferbad, der sogenannten Schwimmschule, die 1954 aufgegeben worden war, dürfte es für die meisten Welser eine Wohltat gewesen sein, im neuen Freibad bis auf den Grund der Bassins schauen zu können.

Winter sorgte für Ruhe

Von den beiden eleganten Wasserrutschen-Anlagen meiner Kindheit ist heute nur noch das Becken übrig. Dahinter erstreckte sich in westlicher Richtung eine durchgehende Liegewiese bis zum sogenannten Giaßabacherl, welches das Badeareal begrenzte.

Große Bäume und üppig wucherndes Buschwerk gab es damals im Freibadgelände noch nicht, weshalb es damals weitläufiger wirkte als heute, aber dafür nur wenig Schatten bot.
Der bevorzugte Liegeplatz von mir und meinen Freunden war der vom legendären Welser Stadtgärtner Pichler geschaffene Rosenhügel, wo wir unsere Handtücher platzierten.

Diesen Hügel, an dessen Südseite sich heute ein Kinderspielplatz befindet, kann man nur noch erahnen. Damals war diese Fläche eine Art Spielstätte für die Kinder auf dem Weg ins Teenageralter. Dort waren wir nämlich der Sicht des Bademeisters wie auch der meisten Badegäste im Erwachsenenalter entzogen.

Diese mieden den Rosenhügel, weil sie es von dort zu weit zu den Badebecken gehabt hätten. Daher blieben wir dort weitgehend unter uns, wo wir nach Herzenslust Krach machen, mit den Mädels herumalbern und auch schon so manche Zigarette (Marke: „Nil Filter“) rauchen konnten.

Das war uns Zwölfjährigen zwar verboten, doch von den Bademeistern, die wir „Badewaschln“ nannten, hatten wir nichts zu befürchten. Diese waren mit der Aufsicht über das Badegeschehen bei den beiden Wasserbassins mehr als ausgelastet.

Nur wenn wir Rosenhügel-Kinder es gar zu bunt trieben, weil wir die Kofferradios wieder einmal in voller Lautstärke plärren ließen, kreuzte wild gestikulierend der Senior-Bademeister auf. Das war ein an und für sich sehr freundlicher, älterer und stets weiß gekleideter Herr namens Winter, der uns dann mit Rausschmiss und Badeverbot drohte. Das wirkte!

Haschen am Becken-eck

Schnell drehten wir dann den Lautstärkenregler am Radio zurück und gaben uns lammfromm. Dieses Verhalten besänftigte Winter im Nu und als er sich weit genug von uns entfernt hatte, ging es im alten Trott weiter. Es gab viele Badetage in jedem unserer Sommer, da kam der Herr Winter einige Male angelaufen….

Aber: Es gab auch stille Momente an der Stätte unseres jugendlichen Übermuts. Denn wenn wir uns im Wasser genug ausgetobt hatten, fielen wir erschöpft auf unsere Handtücher, um schnell in eine Art Halbschlaf zu verfallen.

Wenn ich zwischendurch einmal kurz durch die Augen blinzelte, sprang mir sofort das viele Grün auf der Anhöhe des gegenüberliegenden Traun-Ufers im Ort Aschet ins Auge, wo das Würzburger Ziegelwerk quasi aus den Bäumen wuchs und auf uns herunterschaute.

Mit dieser Ruhe aber war es jedes Mal schnell vorbei, wenn sich unsere Mädels zum Wasser hin aufmachten. Sofort zogen sie einen Rudel johlender Knaben hinterher. Dieser Haufen jagte dann in Richtung Sportbecken, um an einer Ecke des Bassins „Haschen“ zu spielen.

Dieses Räuber- und Gendarmenspiel spielte sich sowohl im Wasser als auch zu Lande ab und war von fröhlichem Gekreische begleitet. Damit erregten wir garantiert die Aufmerksamkeit der „Badewaschln“, zumal auch das Springen vom Beckenrand streng verboten war. Und gesprungen wurde beim Haschen viel.

Badeschluss oft ignoriert

Von den Gehilfen des Herrn Winter wurde uns dies natürlich prompt verboten, was man uns mit einem kurzen, schrillen Pfeiferl-Pfiff signalisierte. Die „Badewaschln“, die meist Studenten waren und oft nur einige Jahre älter als wir, schauten aber oft über unsere Springeskapaden hinweg.

Während der großen Schulferien haben wir unser geliebtes Freibad meist schon um neun Uhr morgens betreten und erst wieder verlassen, wenn es bereits dämmerte. Um den Badeschluss um 20 Uhr kümmerten wir uns trotz der Lautsprecherhinweise nicht. Also kam wieder der gütige Herr Winter angetrabt, um uns eigenhändig rauszuwerfen.

Bevor wie uns schließlich auf den Heimweg machten, hatten wir noch sondiert, wer welches Mädel heute nach Haus begleiten würde. Wir waren seinerzeit noch alle Radfahrer, die ihren Drahtesel – oh Wunder! – noch unversperrt vorm Freibad stehen lassen konnten. Meines Wissens nach wurde dort keinem aus unserer Clique jemals ein Rad geklaut.

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