Zu links, zu woke, zu zeitgeisthörig: Spitzenjournalist verlässt Axel Springer

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Zu links, zu woke, zu zeitgeisthörig: Spitzenjournalist verlässt Axel Springer

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Beim Springer-Verlag setzt sich der allmähliche Exodus renommierter, rückgratstarker und noch in normalen Zeiten ausgebildeter bzw. sozialisierter Vollblutjournalisten fort: Vergangene Woche sorgte Ralf Schuler, der Leiter der Parlamentsredaktion der Bild-Zeitung, für Aufsehen, als er beim Chef des Axel-Springer-Verlages, Mathias Döpfner und bei Bild-Chefredakteur Johannes Boie seine Kündigung einreichte. Hintergrund ist die zunehmende linkszeitgeistig-woke Ausrichtung des Verlages.

Schuler hatte in einem der Zeitschrift „Cicero” vorliegenden Schreiben als Grund für den drastischen und für Außenstehende überraschenden Schritt die Anbiederung des Verlages an die „LGBTQ+“-Bewegung genannt. Der Top-Journalist erklärte, er sei „nicht bereit, für eine politische Bewegung und unter ihrer Flagge zu arbeiten.“

Weiter führte er aus:

Jedwede Diskriminierung ist von Übel. Sich gegen Diskriminierung zu wenden, bedeutet aber nicht, sich die Agenda der LGBTQ-Bewegung zu eigen zu machen, wie wir es derzeit tun. Im Geiste Axel Springers treten wir selbstverständlich im besten freiheitlich-bürgerlichen Sinne für die Rechte des Einzelnen ein, diskriminierungsfrei zu leben, solange er niemandes Freiheit beschneidet”.

„Stalinistischer Schwulst“

Dies bedeute aber ausdrücklich nicht, so Schuler,  „dass wir „fest an der Seite der LGBTQ-Community im eisenharten Kampf für Menschenrechte und gegen Diskriminierung” stehen, wie es ein stellvertretender BILD-Chefredakteur im täglichen Briefing dieser Tage schrieb. Vom stalinistischen Schwulst der Formulierung einmal abgesehen, stehe ich keiner politischen Bewegung „fest zur Seite” und halte dies auch ganz grundsätzlich NICHT für die Aufgabe von Journalisten.“

Schuler bekannte sich dazu „jederzeit die Freiheit des Einzelnen verteidigen”, er wolle sich aber „keinen Kampfgruppen welcher Coleur auch immer” anschließen und genauso wenig unter der Regenbogen-Fahne arbeiten, wie unter den Flaggen anderer Bewegungen.

Dabei gehe es nicht nur um das Thema der sexuellen Identität, sondern im viel größeren Sinne darum, ob die Marke Bild als klassische Boulevard-Marke im besten Sinne Massenmarke bleibe oder sich laustarken Micro-Milieus oder internationalen Wirtschaftseliten verpflichtet fühle. Schuler sieht darin eine „tödliche Bedrohung des Markenkerns.“

Schulers Kündigung trägt zur weiteren Polarisierung im Springer-Verlag bei, der die Erfüllung von dessen Arbeitsvertrag bis zum 31. März 2023 einfordert.

Anlass: Zoff um Wissenschaftler-Gastbeitrag in der „Welt“

Hintergrund des Konflikts ist ein Gastbeitrag mehrerer Wissenschaftler, der Anfang Juni in der „Welt erschien. Darin wurde ARD und ZDF vorgeworfen, Kinder und Jugendliche mit der Trans-Gender-Ideologie zu indoktrinieren, ohne diese auch nur im Geringsten zu hinterfragen.

So würden etwa die beliebige Wahl des Geschlechts und auch entsprechende Operationen als Normalität dargestellt. Nur zwei Tage nach Erscheinen des Beitrages, veröffentlichte Springer-Chef und Welt-Herausgeber Döpfner einen offenen Brief, in dem er sich schärfstens von dem Text im eigenen Blatt distanzierte. Unter anderem behauptete er, der Gastbeitrag sei wissenschaftlich „bestenfalls grob einseitig”, der ganze Tonfall „herablassend und ressentimentgeladen.” Er habe „einen Sound, der für jeden freien toleranten Geist unangenehm ist” und sei „eine Verletzung und Zumutung“ für alle, „die sich der LGBTIAQ*-Community zugehörig fühlen.

Zudem beklagte Döpfner, dass das Erscheinen des Beitrages zur Ausladung des Springer-Verlages von der  „queeren Jobmesse“ Sticks & Stones geführt habe. Diese ungeheuerliche Illoyalität sorgte für erheblichen Unmut innerhalb des Verlages. Bereits im Juni hatte die Bild-Reporterin Judith Sevinç Basad, gekündigt und in einem offenen Brief an Döpfner erklärt: „Der Grund für meine Kündigung ist am Ende der Umgang von Axel Springer, also auch Ihr Umgang, mit der woken Bewegung.”

Auch Judith Sevinc Basad ging – und wechselte zu Julian Reichelt

Sie habe das Gefühl, so Basad, dass sie nicht mehr über die Gefahren berichten könne, die von dieser gesellschaftlichen Bewegung ausgingen:

 „Und ich habe das Gefühl, dass der gesamte Verlag in dieser Sache nicht mehr hinter mir steht. Keine Thematik hat mich als Journalistin so sehr um den Verstand gebracht wie der Aktivismus einer kleinen Minderheit, die offiziell behauptet, für Diversität zu stehen, aber eine im Kern radikale Ideologie verfolgt.“

Basad kritisierte desweiteren, dass ein Artikel von ihr, der den Gastbeitrag in der Welt verteidigt hatte, nicht veröffentlicht worden sei, weil dessen gegenüber der Queer-und-Trans-Bewegung kritischer Inhalt bei der Bild-Chefredaktion auf Ablehnung gestoßen sei.

Auch Schuler berichtet, von dieser innerredaktionellen Quasi-Unterdrückungskultur Döpfner bereits bei einer Redaktionssitzung, in der dieser den „Welt”-Beitrag ebenfalls heftig kritisiert habe, scharf widersprochen zu haben.  Zwar hätten sich Kollegen dafür bei ihm bedankt, allerdings sei er auch der einzige gewesen, der gegen Döpfner aufbegehrt habe, was, so Schuler „schon bedenklich“ sei.

Bizarrer Kurs „toxisch für die Gesellschaft”

 „Unter Gesichtspunkten der Medienfreiheit kann ich nicht akzeptieren, dass ein Gastbeitrag mit einer völlig akzeptablen Meinung so untergebuttert wird“, sagte er weiter. Zudem kritisierte er, dass sich „Künstler, Journalisten, Schauspieler gern auf der progressiven Seite“ sähen und „den Fortschritt vorantreiben“ wollten. Das sei „allerdings nicht repräsentativ für die Gesellschaft.“ Er habe „den Eindruck, dass die im Prinzip unstrittige Gleichbehandlung für Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten inzwischen mehr und mehr zu einem Dogma geworden ist“, sagte derEx-Springer-Mann.

Wer sich der unkritischen Übernahme der LGBTQ-Forderungen widersetze, werde als „Transfeind“ oder als „homophob“ gebrandmarkt. Aus Angst vor der dominanten „Lautstärke der Bewegung“ würden Kritiker sich zurückhalten. „Wenn eine Minderheit mit brachialen Mitteln ihre Weltsicht durchsetzen will, unabhängig davon, welche Auswirkungen das hat, halte ich das für toxisch für eine Gesellschaft“, so Schuler.

Döpfners bizarrer Kurs hat den Springer-Verlag nun bereits zwei renommierte Journalisten gekostet, die als erfolgreiche Buchautoren auch bundesweit bekannt sind. Ihr öffentlichkeitswirksames Ausscheiden aus dem Unternehmen dürfte den Verlag bei seinen hiesigen Lesern mehr Reputation gekostet haben, als er bei der überwiegend links dominierten Woke-Bewegung gewinnen könnte, für die gerade Springer ohnehin ein geradezu identitätsstiftendes Feindbild ist.

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