Zugbremser ist jetzt Andenkenbewahrer

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Zugbremser ist jetzt Andenkenbewahrer

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„Der da links auf der Lok liegt, das bin ich“, bringt sich Alfred Köstler (75) bei einer exklusiven Führung durch das Papiermachermuseum in Laakirchen ein.

Ein Bericht von Georg M. Hofbauer

Der Mann ist seit 2002 Obmann des Museumsvereins und sein Lebensweg ist eng mit dem Papiermacherstandort an der Traun verknüpft.

Papiermachermuseum feiert 20-jähriges Bestehen

Das alte Foto in diesem Bericht zeigt Köstler in seiner damaligen Funktion als Bremser auf der Werkslokomotive, auf der er malerisch verweilt – aus heutiger sicherheitstechnischer Sicht ist das vermutlich der blanke Horror. Mit der eigenen Werksbahn wurden Holzstämme angeliefert, die später zu Papier vermahlen wurden.
Fünfzig Jahre nach dieser alten Schwarzweissaufnahme ist der frühere Werksbahnbedienstete aktiver Promotor einer Ausstellung, in der das Andenken an die Papierherstellung bewahrt und auch gezeigt wird.

Das Museum wie auch Köstler erzählen von der Geschichte des Standortes, der Kunst des Papiermachens und der regionalen Industriegeschichte. Aber gelernt hat Köstler was anderes, und zwar Barocktischler im nur unweit entfernten Gmunden. „Das Arbeiten mit Holz hat mich immer schon fasziniert“, erzählt der Geschichtsvermittler.

Von Hadern zum Holz

Durch seinen Vater, der in der Papierfabrik gearbeitet hatte, entstand später der Kontakt zum Werk und das Holz blieb, irgendwie, wenn auch verschliffen und zu Papier verarbeitet, ein fixer Bestandteil im Leben von Alfred Köstler. Bis heute arbeitet er 15 bis 20 Stunden pro Woche für den Verein, für das Museum.

Man glaubt kaum, woraus man alles Papier machen kann. Angefangen hatte alles mit aufgeweichten Hadern (Stoffresten) die von Lumpensammlern angeliefert wurden. Mit Wasser versetzt, gemahlen und zerstampft war das lange Zeit der Rohstoff für zumeist handgeschöpftes Papier. Lange wurde herumexperimentiert, auch Stroh wurde zu Papier verarbeitet. Erst um das Jahr 1825 begannn man Holz zu schleifen. Meist war es Fichtenholz.

Arbeiter aus Kronländern

Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Johannes Gutenberg, Erfinder des Buchdruckes, war der wichtigste Mann für die Entwicklung der Papierindustrie. Und es wurden mehr Menschen gebraucht als in der Umgebung verfügbar waren. Aus den Kronländern der damaligen Monarchie wurden deshalb Arbeiter angeworben.

Kleine, bescheidene Arbeiter-Wohnhäuser, auch Infrastruktur, wie ein Kino wurde geschaffen. Inzwischen sind nur noch Bilder dieser Industriegeschichte übrig. „Alles wurde weggerissen“, schildert Köstler. Aber im Museum ist die bescheidene Stube, die Küche, Badezimmer und Wohnraum vereinte, noch zu sehen.

Lebendiges Papiermachen

Überaus lebendig ist das Papiermachen, das Handschöpfen für alle Museumsbesucher, die sich ein Andenken mitnehmen möchten: Papierbrei in einem riesigen Bottich wird aufgerührt, ein Sieb samt Wasserzeichen-Vorgabe, wird eingetaucht. Nach dem Abtropfen wird das rohe Blatt auf Filz gekippt, zum Trocknen – und zum Mitnachhausenehmen.

Das Museum feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Bis Ende Oktober kann es dienstags bis sonntags von 10:00 bis 16:00 Uhr besichtigt werden. Weitere Infos unter: http://papierwelten.co.at/

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