Eine nachdenkliche und verzweifelte Michaela Schäffer.

Es gibt Zeiten, in denen manche Menschen zu Helden werden. Es gibt aber auch
Helden, die keine bestimmten Zeiten dafür benötigen, weil sie vom Schicksal
dazu verdammt sind, für den Rest ihres Lebens Helden zu sein. Zu diesen
Dauerkämpfern gehört die 54-jährige Michaela Schäffer aus Linz, die von den
Behörden schon seit 21 Jahren mit der Bürokratie schikaniert wird, weil
Michaela ihren von Geburt an schwerstbehinderten Sohn Sven nicht in ein Heim
verfrachtet, sondern selbst zu Hause versorgt.

Von Kurt Guggenbichler

Sozialstaat hat versagt

In einem Heim, so sagt sie, würde ihr Kind untergehen, weil dieses eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung braucht. „Ich selbst kann schon bald nicht mehr“, sagt die Mutter, für die alles leichter wäre, bekäme sie von den Beamten in den Ämtern und Behörden, die eigentlich für die Bürger da sein sollten, nicht ständig Knüppel zwischen die Beine geschmissen.

„Alle reden von unserem Sozialstaat“, moniert Schäffer, „den es aber nicht gibt, wenn man ihn am dringendsten benötigt.“ Wegen des Pandemie-Lockdowns erlebten jetzt erstmals auch viele andere Menschen, was schon seit vielen Jahren zu ihrem Alltag gehöre – die Pflanzerei durch die Vertreter des Staates.

Denn obwohl es in vielen Bereichen ganz klare gesetzliche Regelungen für Hilfen und Unterstützungen in Notsituationen gebe, müsse sie sich diese regelmäßig erbetteln oder sogar vor Gericht erstreiten, um in den Genuss von Zuwendungen, auch finanzieller Art, zu kommen.

Teure Therapie nicht aus Eigenmitteln bestreitbar

„Ich kann das schon seit langem gar nicht mehr alles stemmen“, sagt Schäffer, und meint damit die Bezahlung der Arzneien und Pflegemittel, die sie für die Betreuung ihres behinderten Sohnes benötigt. Dazu gehören beispielsweise nicht nur orthopädische Schuhe, von denen sie mindestens drei Paar pro Jahr für Sven brauchte, aber nur ein Paar bezahlt bekäme, ferner auch Wundcreme und die superteuren CBT-Tropfen gegen epileptische Anfälle.

Allein 150 Milliliter davon kosten 400 Euro. Auch den Rollstuhl für Sven habe sie sich Michaela ein dreiviertel Jahr lang erstreiten müssen. „Da ich schon seit 21 Jahren meinen Sohn pflege und betreue konnte ich sonst nichts mehr arbeiten und beziehe daher nur eine Berufsunfähigkeitspension von 900 Euro im Monat, die hinten und vorn natürlich nicht reichen“, erläutert Schäffer.

Jetzt kämpft sie gerade dafür, eine Ganztagsbetreuerin bezahlt zu bekommen, weil sie sich selbst schon am Ende ihrer Kräfte wähnt. Auch eine neue Wohnung würde Frau Schäffer für sich und Sven dringend benötigen, weil die derzeitige in den Wänden verschimmelt sei.

Behörden rieten von Pflege daheim ab

Sie könnte es sich um vieles leichter machen, bekommt sie dann regelmäßig von den Behörden zu hören, wenn sie ihren Sohn doch in die Wohngemeinschaft eines Heims gebe. Doch das kommt für Michaela niemals in Frage. „Sven würde dort verkümmern“, ist sie überzeugt.

Sie kann nicht verstehen, dass der Staat nicht schon längst einmal Vorkehrungen getroffen und klare Gesetze und und unbestreitbare Hilfen und Unterstützungen dafür ins Leben gerufen hat, für einen Fall wie den ihren, wenn Familienangehörige ihre eigenen Leute zu Hause pflegen wollen.

Doch für seine Bürger, das zeigten die nur schleppend ausbezahlten Corona-Hilfen, sagt Schäffer, rücke der Staat Geld immer nur sehr ungern heraus.