Seit der Verschärfung der Regierungsmaßnahmen im Dezember gilt durchgängig: Wer im Altersheim lebt, der darf nur einmal pro Woche von einer Person besucht werden. Diese muss einen maximal 24 Stunden alten Test haben. Wahrscheinlich warb man auch mit diesem Druckmittel bei den Senioren für die Impfung – nach dem Prinzip: Lass euch impfen, dann dürft ihr die Enkerl wieder sehen. Vorerst muss dies aber noch warten.

Tatsächlich waren dies auch die Worte der ersten Österreicherin, die am 27. Dezember geimpft wurde: „Ich will ohne Bedenken ihre Kinder, Enkel und Urenkel wieder sehen“. Zwei Monate später fahren die Vertreter der Regierungen herum und brüsten sich damit, dass bereits drei Viertel der Bewohner von Altersheimen eine Impfung erhalten hätten. Ihre Liebsten dürfen sie trotzdem nicht sehen. Wie Gesundheitsminister Anschober (Grüne) erklärte, plant man dies offenbar frühestens im März.

OÖ: 24 Fälle bei 12.000 Bewohnern in über 130 Heimen

Doppelt beunruhigend daran, dass die Senioren weiterhin wochenlang warten müssen, um wieder normale Besuche empfangen zu können, ist dass die Ankündigung, es wäre eh bald so weit, im Zuge der Debatte um „Privilegien“ für Geimpfte fiel. Gut möglich also, dass die Altersheime also zum Testballon werden könnten, Menschen je nach ihrem Impf-Status ihre Grund- und Freiheitsrechte zurückzugeben oder weiter vorzuenthalten.

Impfung hin oder her – Zumindest in Oberösterreich sind die Zahlen deutlich: Denn in über 130 Alten- und Pflegeheimen gab es zu Wochenbeginn gerade einmal 24 Fälle – bei 12.000 Bewohnern also 0,2 Prozent aller Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Dies finden nicht nur zahlreiche Betroffene absurd, sondern erreicht mittlerweile auch die Politik. Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner bezeichnete die weitere Beschränkung der Besuche als „völlig unverständlich“.

Haimbuchner: „Lasst Familien normale Kontakte pflegen!“

Daher, so der FPOÖ-Obmann, sei eine Anpassung der Besuchsmöglichkeiten „längst überfällig“. Die Maßnahmen in diesem Bereich seien insbesondere widersprüchlich vor dem Hintergrund, dass eben viele Bewohner einer Impfung nur zugestimmt hatten, weil sie sich davon wieder einen normalen Alltag erhofften. „Nun sind die Heime durchgeimpft und nichts hat sich geändert,“ wundert sich Haimbuchner daher.

Gerade nachdem die Regierung die Impfung „als ‚Gamechanger‘ und ’sicher‘ beworben“ hätte, seien die Maßnahmen – auch in Verbindung mit den aktuellen Zahlen – nicht mehr verhältnismäßig. Schon seit langer Zeit trenne man Pflegebedürftige von ihren Familien. Dies schaffe auch andere Probleme, Haimbuchner warnt daher vor den „gesundheitlichen Kollateralschäden, die durch die Einsamkeit entstehen“.

Der blaue Spitzenpolitiker empfiehlt, schleunigst den Schritt zur Normalität zu wagen: „Lass die Familien endlich wieder ihre normalen sozialen Kontakte pflegen!“ Dies würde unsere Gesellschaft gerade in diesen schwierigen Zeiten „ganz besonders“ benötigen.