Mit einem großen Fest feiert Marchtrenk am Samstag (2. Juni) sein Wahrzeichen – den 1916 errichteten Wasserturm. Dabei handelt es sich um das letzte kriegsbedingt errichtete Bauwerk aus dem Ersten Weltkrieg, das in Oberösterreich noch existiert. Alle Versuche, den schon 1918 nutzlos gewordenen Turm zu beseitigen, hat er überstanden. Zu seinem 100. Geburtstag stellt sich nun mehr denn je die Frage nach seiner Vergangenheit.

Die Antwort verweist auf eine verschwundene Lagerstadt, die es von 1914 bis 1919 in Marchtrenk gegeben hat, informiert Erwin Prillinger in der Broschüre „Das k.u.k. Kriegsgefangenenlager und der Kriegerfriedhof in Marchtrenk“, die 2013 erschienen ist.
Im Endausbau gab es dann drei Teillager mit insgesamt 500 Barracken zur Unterbringung von 50.000 Gefangenen, doch mehr als 35.000 waren dort nie interniert. Angeschlossen war ein 1.600 Betten-Spital − und 1.879 Menschen sind dort und im Lager gestorben. Sie haben im Kriegerfriedhof nahe dem Wasserturm ihre letzte Ruhe gefunden.
Der Bau dieses großen Kriegsgefangenenlagers, der zeitweise bis zu 3.000 Arbeiter beschäftigte, hat viel Wirbel in „das stille Heidedorf“ gebracht wie man damals über Marchtrenk sagte.

Alter Lager-Wasserturm steht nun schon 100 Jahre 1

Schon zu Beginn der Errichtungsphase zogen die ersten 300 Russen ein. Sie waren am 31. Dezember 1914 vom nur 13 Kilometer entfernten Wegscheid, wo es auch ein Lager gab, nach Marchtrenk marschiert. Der Kommandant in Marchtrenk war zuerst ein Generalmajor namens Ferdinand Goglia, sein Adjutant ein Oberleutnant namens Aubert Salzmann, der später Welser Bürgermeister war. Bewacht wurden die Gefangenen von einem ungarischen Bataillon, das aus 23 Offizieren und 850 Soldaten bestand.
Um den Bau des Lagers beschleunigen zu können, errichtete man eine vier Kilometer lange Lagerbahn, die quer über die Felder zum Bahnhof Marchtrenk führte und die später auch Kriegsgefangene transportierte.
Zur Versorgung der Gefangenen wurden auch diverse Versorgungseinrichtungen wie ein Schlachthof und ein außerhalb des Lagers gelegener fast 30 Meter hoher Wasserturm mit einem Fassungsvermögen von 250.000 Litern gebaut. Der Turm hat die Zeiten bis heute überdauert: Er erinnert daran, dass sich Marchtrenk heute auch über das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers erstreckt.

 

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