Ein brisanter Bericht von AMS-Mitarbeitern wurde jetzt verschiedenen Medien zugespielt. Dort heißt es u.a.: Für Ausländer und Österreicher mit Migrationshintergrund gibt es kaum passende Jobs. Muslime lehnen bestimmte Berufe von vorneherein ab.

Von Kornelia Kirchweger

AMS-Mitarbeiter werden häufig bedroht oder sogar angegriffen. Worüber alternative Medien schon lange berichten und dafür als Hetzer verurteilt wurden, steht jetzt schwarz auf weiß in dem 50-Seiten AMS-Dossier.

AMS-Chefetage rastet aus

Der Bericht brachte die AMS-Chefetage derart in Rage, dass sie ihren Mitarbeitern Fremdenfeindlichkeit unterstellte: sie könnten offenbar nicht zwischen Wahrnehmung und Vorurteilen unterscheiden, man empfehle ihnen „Schulungen zum interkulturellen Verständnis“.

Zudem sei der Bericht, der in OÖ, Salzburg, Vorarlberg und Wien durchgeführt wurde, nicht repräsentativ. An Schulungen zum interkulturellen Verständnis mangelt es den AMS-Mitarbeitern aber kaum: Von den 230 Schulungen im Jahr 2016 beschäftigten sich 20% mit Migrationsthemen, insbesondere mit den Chancen der kulturellen Vielfalt.

Kein Deutsch, kein Servicegedanke, religiöse Barrieren

Die größten Job-Hindernisse stellen laut Bericht mangelnde Deutschkenntnisse sowie religiöse und kulturelle Ursachen dar. Jugendliche der zweiten Generation beherrschen trotz Schulbesuch in Österreich kaum Deutsch, weil es zu Hause nicht gesprochen werde. Tschetschenen, Syrer und Afghanen gehen zudem nicht in soziale Berufe oder in die Gastronomie.

Ihnen fehle der „Servicegedanke“. Auch Musliminnen wollen nur eingeschränkt in (sozialen) Berufen arbeiten, weil sie Männer nicht berühren dürfen. Muslimische Mädchen dürfen bis zum 18. Lebensjahr nicht an Ausbildungen teilnehmen – weil sie nicht mit Männern in Kontakt kommen dürfen. Bei Muslimen würden Väter und Ehemänner die „Integration“ verhindern. Sie treffen Entscheidungen für Frauen und Kinder.

Aus Angst: Nachsicht für Migranten

Man betreue übrigens Migranten nachsichtiger als andere Kunden, weil man den Vorwurf der Diskriminierung fürchte, geben die Autoren an. Man habe auch Angst vor Gewaltübergriffen.

Auffällig seien hier besonders Tschetschenen. Man mache diesen Leuten daher kaum Vorschläge für Jobs oder Kurse, um „die Kunden“ nicht zu verärgern. Manche AMS-Berater seien so auf „Gleichbehandlung“ bedacht, dass das Gegenteil dabei herauskomme: denn dadurch werden andere AMS-Kunden diskriminiert, die nicht so sensibel betreut werden.

Arbeitslose: bis zu 70% Migranten

Die Autoren bezweifeln auch die Wirksamkeit bisheriger Strategien zur Arbeitsmarkt-Integration von Migranten, die vor 2015 nach Österreich kamen. Laut Bericht sind 42 Prozent aller Jobsuchenden Ausländer oder haben Migrationshintergrund.

In Wien sind es 61 Prozent, in einigen AMS-Geschäftsstellen 70 Prozent. 90 Prozent aller Migranten beim AMS gehören zur ersten Generation, sind also selbst zugewandert. Die größte Gruppe sind Türken. Nur sechs Prozent sind Flüchtlinge, heißt es weiter. Diese würden sich sogar durch eine überdurchschnittliche Motivation auszeichnen.