Man fühlt sich an Ibiza erinnert. Aus einem illegal mitgeschnittenen Telefonat, dem eine schlimme Provokation zuvorging, basteln Boulevardmedien einen großen FPÖ-Skandal. Speziell der Krone und OE24 scheint es sehr wichtig zu sein, den von der Stadt zugewiesenen Pressesprecher des Vizebürgermeisters als „FPÖler“ darzustellen. Tatsächlich ist Herr Werner Kaizar, dem man möglicherweise als Kollateralschaden persönlich übel mitspielt, nach eigenen Angaben seit 25 Jahren SPÖ Mitglied.

Eine Analyse von Willi Huber

Ganz wie Wochenblick vermutet und folgerichtig berichtet hatte, stammt Herr Kaizar aus der SPÖ. Daran ist grundsätzlich einmal nichts verwerflich, so wie es nicht verwerflich wäre, wenn er aus der FPÖ stammen würde. Verwerflich ist der Umgang mit der Sache, die an die multimediale, einseitige Hexenjagd nach dem ebenso illegal aufgenommenen Ibiza-Video erinnert. Der Beschuldigte und in diversen Boulevard-Medien schwer angepatzte Kaizar soll vor seinem Telefon-Auszucker schwer provoziert worden sein. Auf einem Video ist zu sehen, wie Kaizars Lebensgefährtin von ihrem Ex-Mann schwer misshandelt wird. Dieser Mann habe die Mitschnitt-Affäre gegen Kaizar ins Rollen gebracht.

„Bin sicher kein Blauer“

Der von der Gemeinde Wien aus dienstlichen Gründen an Vizebürgermeister Dominik Nepp und zuvor Johann Gudenus zugeteilte Sprecher gab in einem Interview zu Protokoll: „Ich bin übrigens seit 25 Jahren SPÖ-Mitglied, sicher kein Blauer.“ Dass sich in den langen Jahren professioneller Zusammenarbeit auch persönliche Kontakte, vielleicht sogar Freundschaften ergaben, ist durchaus möglich, aber Privatsache. Genauso wie der Streit seiner Lebensgefährtin mit ihrem Ex-Mann eine Privatsache ist, vielleicht auch ein Fall für die Gerichte. Wie daraus aber ein FPÖ-Skandal werden könnte, erschließt sich niemandem. Im Grunde genommen soll hier im Vor-Wahlkampf politisches Kleingeld auf Kosten von Menschen gemacht werden, die ohnehin schon mit einem harten persönlichen Schicksal hadern.

Hat denn die SPÖ schon Konsequenzen gezogen?

Wenn Herrn Kaizar tatsächlich ein Fehlverhalten vorzuwerfen ist, stellt sich die Frage, weshalb die Medien bei der FPÖ nachfragen. Wenn der Herr Magistratsmitarbeiter und SPÖ-Mitglied ist, wäre es doch Sache von Bürgermeister Ludwig, hier Aufklärung zu leisten und Konsequenzen zu ziehen. Merkwürdiger Weise ist das Interesse der Medien enden wollend, sich dort um Auskunft zu bemühen, wo es tatsächlich angemessen wäre.