Was österreichische Behörden heute unter Bürgernähe verstehen, durfte ich dieser Tage erneut erleben. Manchmal komme ich mir so vor, als lebte ich in einem besetzten Land, in dem ich nicht der Souverän, sondern nur der lästige Bittsteller bin.

Von Kurt Guggenbichler

Wovor haben die Beamten in unseren Behörden heute größere Angst? Vor Corona oder vor dem Volk? Egal, welches Amt man heute aufsucht, auf dem einfachen und direkten Weg scheint dies kaum mehr möglich zu sein.

Brauchte ich früher einen Pass, dann ging ich aufs Welser Polizeikommissariat. Den Beamten dort kannte ich schon. Es war immer derselbe ältere Herr.

Ich wusste, dass ich für meinen Antrag zwei Passbilder, einen Staatsbürgerschaftsnachweis und Stempelmarken benötigte. Daraus entstand meistens eine nette Plauderei.

Heute muss ich wegen eines Dokumentes auf die BH Linz-Land, die sich – wie auch andere Ämter – mittlerweile wie in einer Festung eingeigelt haben. Wer zu seinem zuständigen Beamten will, muss zuvor eine Sicherheitsschleuse passieren und eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen.

Auch auf dem Linzer Finanzamt hat der willige Steuerzahler heute keine frei Bahn mehr. Den Aufenthaltsort und die Telefonnummer seines jeweils zuständigen Beamten muss der Staatsbürger vielfach mühsam recherechieren und wird dabei oft aufs falsch Gleis geleitet.

An der Schwelle der Finanzbehörde am Linzer Bahnhof wird jeder Ankömmling von einem Sicherheitsdienst gestoppt und aufgefordert, eine Begegnung mit dem gewünschten Beamten telefonisch zu vereinbaren.

Am liebsten scheint es den Finanzern überhaupt zu sein, wenn man nicht körperlich in ihrem Turm erscheint. Bevorzugt wird heute von den Beamten offenbar der Mail-Verkehr.